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05.01.2018 · Glaube · Bibel

Buch Hiob: „Kein Gesäusel vom lieben Gott“

Satan erscheint vor Gott; von Corrado Giaquinto *1703 † 1766 italienischer Maler aus dem  Rokoko.

Die „Hiobs-Botschaft“ als schlechte Nachricht ist sprichwörtlich geworden. Hat uns zu Neujahr, wenn allerorts alles Gute und Glück im Vordergrund stehen, der leidende Hiob überhaupt etwas zu sagen? Die Wiener Alttestamentlerin Annette Schellenberg spricht am 17. Jänner bei den „Theologischen Kursen“ über das Buch Hiob.


Hiob für Einsteiger

Aufgrund eines Experiments zwischen Satan und Gott verliert Hiob, Hauptdarsteller des gleichnamigen biblischen Buches, alles, bis auf seine Frau. Gott und Satan schauen, wie viel Druck Hiob aushält.

 

Der Ausdruck „Hiobs-Botschaft“ bezeichnet die Benachrichtigung Hiobs über den Tod seines Viehs, seiner Knechte und seiner Kinder. Es werden daher noch heute die Nachrichten von Unglück und Schicksalsschlägen als Hiobs-Botschaften bezeichnet.

 

Drei Freunde treten auf und nennen vermeintliche Gründe für Hiobs Leiden. Hiob kann damit wenig anfangen, auch ein vierter Freund hilft mit seinen Überlegungen nicht wirklich weiter.

 

Am Schluss des Buches spricht Gott selbst zu Hiob. Auch hier wird die Frage nach Hiobs Leiden nicht direkt beantwortet.

 

Und trotzdem hält Hiob durch. Am Schluss des Buches erhält er neuen Besitz und Nachkommen.


Warum uns Hiob derartig fasziniert

Das viel zu wenig bedachte biblische Hiob-Buch ist für Kirche und Theologie enorm wichtig. Weil es ein Gegengewicht zu diesem Gesäusel vom lieben Gott ist“, sagt die Wiener Alttestamentlerin Annette Schellenberg: „Das Buch thematisiert Fragen, die die Menschen durch alle Zeiten zutiefst bewegen, es hat keine 08/15-Frömmigkeit.“

 

Viele Menschen würden heute gerne glauben, haben aber Schwierigkeiten mit dem „lieben Gott“, weil manchmal die Antworten der Kirchen zu einfach sind und nicht dem entsprechen, was Menschen empfinden. „Da sind oft traditionelle Wendungen in unserer Kirchensprache, die heutige Menschen einfach nicht ansprechen“, stellt die Alttestamentlerin fest.

 

„Gott ist Liebe“ oder „Gott liebt dich, Gott hält dich“ –  diese „schönen Bilder“ sind ihr zwar auch sehr wichtig. Aber, so Schellenberg: „Es wäre in den Kirchen notwendig, stärker den Zweifel oder das Nicht-glauben-Können, das Gott-nicht-hören-Können, das unverstandene Leiden anzusprechen.“


Was fasziniert Sie am Buch Hiob?
Schellenberg: Mich fasziniert, dass es so harsch über Gott redet, so „unfromm“ ist. Hiob klagt Gott auf das Massivste an und macht Gott schwere Vorwürfe. Dass das in der Bibel steht, finde ich sehr erfrischend.

 

Warum lohnt es sich immer wieder, das Buch Hiob zu lesen?

Weil im Hiob-Buch um Fragen gerungen wird, die nach wie vor unsere Fragen sind: Warum gibt es Ungerechtigkeit, warum geht es guten Menschen schlecht, wie lassen sich solche Erfahrungen mit unseren Vorstellungen von Gott verbinden?

 

Darf Gott derart scharf angegriffen werden, wie von Hiob?

Das Hiob-Buch sagt eindeutig: Ja! Das finde ich sehr entlastend; es tut den Menschen gut, manchmal auch ihre Fragen und Anklagen Gott gegenüber ausformulieren zu dürfen.

 

Das Hiob-Buch zeigt, dass man das kann. Und am Schluss des Hiob-Buches sagt Gott sogar: „Hiob hat recht von mir geredet.“

 

Warum bringen die drei Freunde Eliphas, Bildad und  Zofar Hiob in seinem Leid nicht weiter?

Weil sie auf ihren traditionellen Meinungen beharren, dass es nämlich einem Guten gut gehen muss. Und daraus schließen, dass jemand, dem es schlecht geht, etwas falsch gemacht hat.

 

Die drei Freunde beharren auf ihren traditionellen Überzeugungen und hören auch nicht richtig hin auf das, was Hiob ihnen erzählt.

 

Welches Verhältnis besteht zwischen dem Handeln eines Menschen und seinem Ergehen?

Das ist eine der Streitfragen im Hiob-Buch. Die klassische biblische Weisheit sagt: Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Tun und dem Ergehen eines Menschen.

 

Hiob erfährt am eigenen Leib, dass das nicht stimmt. Er ist ein gerechter Mann und ihm geht es trotzdem extrem schlecht. Dieser Tun-Ergehen-Zusammenhang besteht also nicht immer. Das ist eine der Botschaften des Hiob-Buches.

 

Am Schluss redet Gott selbst. Welche Pointen bieten diese Gottes-Reden?

Viele sagen, die Gottes-Reden helfen gar nicht, weil sie gar nicht auf Hiobs Frage eingehen. Hiob fragt Gott: „Warum muss ich leiden?“ Und Gott antwortet auf diese Frage mit keiner Silbe. Er erzählt von den Tieren und von der Natur, und wie wohlgeordnet die Schöpfung ist.

 

Der Bibelwissenschaftler Othmar Keel hat aber darauf aufmerksam gemacht, dass die Gottes-Reden doch auf Hiob antworten, nämlich auf zwei seiner schärfsten Anklagen. Gegenüber dem Vorwurf, die Welt sei ein Chaos, zeigen die Gottes-Reden: Die Welt ist wohlgeordnet. Und gegenüber dem Vorwurf, dass Gott ein Verbrecher ist, zeigen die Gottes-Reden, dass sich Gott fürsorglich um die Geschöpfe kümmert.

 

Was bedeutet das Hiob-Buch für die Gotteserfahrungen und das Gottesbild?
Das Hiob-Buch fasst eine der möglichen Gotteserfahrungen in Worte: Dass man nicht mehr merkt, dass Gott ein liebender Gott ist, dass man Gott eher als Feind versteht, oder zumindest als einen, der einen im Stich lässt. Das sind ja Gottes-Erfahrungen, die Menschen durch alle Zeiten immer wieder einmal haben.

 

Für die Theologie finde ich es wichtig, dass man solche Erfahrungen ernstnimmt und sie nicht zu schnell mit zu einfachen Antworten abfertigt.


Hiob ist der leidende Gerechte: Ist er damit ein Prototyp für die Seelsorge?

Das Hiob-Buch ist ein ganz wichtiges Buch für die Seelsorge. Einerseits, weil es die Erfahrungen in Worte bringt, dass man Gott auch als brutalen Gott erfahren kann, Gott als einen, der einen im Stich lässt oder einen gar verfolgt. Für Menschen, die Gott derartig erfahren, ist es entlastend, dass es ein biblisches Buch gibt, das zeigt, dass solche Erfahrungen ihren Raum haben.

 

Und andererseits ist auch die erste Reaktion der drei Freunde wichtig. Sie sitzen mehrere Tage lang schweigend mit Hiob. Dass man manchmal mit jemandem das Leid teilen muss, mit ihm schweigen muss, anstatt auf ihn einzureden.

 

Nachher wechseln die Freunde das Verhalten und werden zu ganz schrecklichen „Freunden“: Sie sind dann keine Seelsorger mehr, denn sie machen alles falsch. Weil sie nämlich Hiob belehren wollen, dass seine Gottes-Erfahrung falsch ist und nicht der Realität entspricht.

 

Wie sieht dann richtiges Verhalten im Leiden aus?

Laut dem Buch-Hiob darf man im Leid auch toben, zweifeln, klagen und anklagen. Wichtig ist nur, dass man mit Gott „im Gespräch“ bleibt.

 

Und als Freund von jemandem im Leid ist es wichtig, zunächst einfach zuzuhören, da zu sein, das Leiden des anderen mitzutragen und sich davor zu hüten, dem Leidenden in Folge eigener theologischer Überzeugungen noch mehr Leid zu verursachen. 

erstellt von: Der SONNTAG / Stefan Kronthaler
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Weitere Informationen:

zur Person

Univ.-Prof. Dr. Annette Schellenberg,

Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie der Evangelisch-
Theologischen Fakultät der Uni Wien.

 


Theologische Kurse

„Theologische Kurse“.

Ort: Stephansplatz 3,
Wien 1.

Anmeldung, Info: 01/ 51552-3708 oder www. theologischekurse.at

 

10. 1., 18.30-21 Uhr: „Politik der Angst. Die Macht der Sprache in populistischen Diskursen“, mit Univ.-Prof. i. R. DDr. h.c. Ruth Wodak, Universität Wien.

 

11. 1., 18.30-20 Uhr: „Angst vor dem Alter? Not und Segen der letzten Lebensphase“, mit em. Weihbischof DDr. Helmut Krätzl.

 

17. 1., 18.30-21 Uhr: „Das Hiob-Buch – Provokation oder Trost?“, mit  Univ.-Prof. Dr. Annette Schellenberg, Uni Wien.

 

24. 1., 18.30-21 Uhr: „Heilsame Orte und Wege: führen, begleiten, ankommen (lassen)“, mit Univ.-Prof. Dr. Angelika Walser, Uni Salzburg, P. Dr. Elmar Mitterstieler SJ, Jesuiten Kommunität Wien 1. Dr. Christian Wetschka, „Kreativ am Werk – Empowerment mit Randgruppen“.

 

26. 1., 16-20 Uhr: „Symposium – Wege aus der Angst“: „Verlorenes Leben nach schwerer Schuld. Lebenslängliche Strafe – sozialer Tod – neuer Anfang“, mit  Dr. Christine Hubka, Pfarrerin AB i. R., Wien, Dr. Beate Matschnig, Landesgericht für Strafsachen, Mag. Georg Wieländer DSA, „NEUSTART – Leben ohne Kriminalität“.

 

31. 1., 18.30-21 Uhr: „Die Angst vor der ewigen Verdammnis. Die Hölle in Schrift, Tradition und heutiger Theologie“, mit em. Univ.-Prof. Dr. Gisbert Greshake, Universitäten Wien/Freiburg.

 


weitere Informationen zu

Der SONNTAG

die Zeitung der Erzdiözese Wien

Stephansplatz 4/VI/DG

1010 Wien
T +43 (1) 512 60 63
F +43 (1) 512 60 63-3970

E-Mail-Adresse: redaktion@dersonntag.at

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