Sonntag 15. Februar 2026
Evangelium von heute Mt 5, 17–37 Zu den Alten ist gesagt worden – ich aber sage euch
Namenstage Hl. Claude de la Colombière, Hl. Drutmar (Druthmar), Hl. Prikt, Hl. Siegfried...

„Iubim Viața - Wir lieben das Leben“

Jugendliche aus prekären Verhältnissen lernen, an sich zu glauben und das Leben zu lieben. Irene Rohringer, Fachkraft der Erzdiözese Wien in der Republik Moldau, berichtet.

Neun Klassen Pflichtschule – das genügt vielen der Kinder in armen Familien auf dem Land. Da sind sie dann 15, 16 Jahre alt und denken mehr ans Geldverdienen als an eine weitere Ausbildung. Sie pfeifen aufs Lernen, weil sie sich schon schwertaten, überhaupt den Abschluss zu schaffen. Die Erfahrung, von klein auf „hinten geblieben“ zu sein und sich, ohne elterliche oder pädagogische Unterstützung, durchkämpfen zu müssen prägt: Nun wollen sie keine Schule mehr von innen sehen.

Next Generation: Treffen mit Schülern der 8. und 9. Klasse im Jänner 2026

 

Perspektivlosigkeit in Zukunftschancen verwandeln

Das ist die Ausgangssituation für unsere Arbeit mit den Jugendlichen. Im Laufe der ca. fünf Jahre unserer Erfahrung im Familienhilfe-Projekt „Iubim Viața“ entwickelten wir ein Programm, mit dem wir diese Heranwachsenden motivieren wollen, im September nach den Juni-Abschlussprüfungen doch weiter zu lernen.  

Schon wenn sie in der 8. Klasse sind, laden wir sie in den Weihnachts- und Osterferien zu zwei- bis dreitägigen Veranstaltungen nach Chisinau ein - für einige der erste Ausflug überhaupt in die Hauptstadt der Republik Moldau. Ein vielfältiges Programm mit interaktiven Spielen, Diskussionsrunden und Stadtbesichtigung bietet ihnen die Gelegenheit, einander kennenzulernen und eine gute Zeit miteinander zu haben. Ausgrenzung wie diese jungen Menschen sie ob ihrer prekären Verhältnisse oft im Dorf erfahren, gibt es hier nicht - man kennt ja die Familienverhältnisse nicht.

Berufsschule: Zu Besuch in der möglichen Zukunft

 

Von der virtuellen Welt zu konkreten Lebensfragen

Fast alles geschieht „offline“, d.h. das Mobiltelefon hat Pause, eine nicht ganz einfache Sache heutzutage: Die "Handyabhängigkeit" ist weit verbreitet und beginnt oft schon im Kleinkindalter. So haben sie Zeit, ihre Aufmerksamkeit den für ihr eigenes Leben relevanten Themen und Aufgaben zu widmen, die sie in Kleingruppen und im Plenum zu behandeln haben. Wie etwa die Frage, was sie tun würden, wenn ein Freund einen anderen Freund im Internet anonym mobbt. Oder jeder muss entsprechend des gezogenen Loses seines hypothetischen Berufs überlegen, ob er sich die eine und andere genannte Annehmlichkeit auch tatsächlich leisten kann. Ein Fixpunkt ist auch die Beschäftigung mit der „Beziehungsfrage“: Welches sind die Vorstellungen, Ansprüche, Wünsche ans jeweils andere Geschlecht? Und an sich selbst? Zu Weihnachten kommt dann die Frage dazu: Welche drei Dinge verbindest du mit dem Begriff „Weihnachten“? Das Ergebnis ist eindeutig: 3. Platz – Salat Olivier, ein traditionelles Gericht zu Weihnachten; 2. Platz – Familie; 1. Platz – die Geburt des Herrn. Erfreulich, dass sich bei Letzterem alle einig sind.

Trotz seiner geistigen Behinderung konnte Nicu in ein privates Berufsschulungsprojekt integriert werden

 

Geschafft! Mit einem Laptop im Rucksack ...

Nach vier Begegnungen im Laufe von zwei Schuljahren sind wir an einem Samstag im Oktober 2025 angelangt. „Polynom“, „Musculus sternocleidomastoideus“, „Barcode“, „Mess- und Prüfgeräte des Mechanikers“ – die Jugendlichen nennen die Begriffe, von denen sie noch keine Ahnung hatten, als wir mit ihnen zu arbeiten begonnen hatten. Nun bringen sie uns die Bestätigungen der Ausbildungseinrichtungen mit, die sie besuchen werden. Als Anerkennung unsererseits dürfen sie ein Notebook mitnehmen - sie werden es auch zum Lernen brauchen. Nicht alle kommen, denn einige haben schon Praxisstunden von der Berufsschule aus, andere haben dann doch den Weg direkt ins Arbeitsleben gewählt.

 

Geschafft: Ana ist ins Medizin-Colleg aufgenommen worden

 

Und wir vom „Wir lieben das Leben“-Projekt hoffen, dass sie alle in eine gute Zukunft gehen.

Kalender
Fr.., 27. Februar 2026 17:30
Impulstreffen Weltkirche
Pastoralamt der ED. Wien Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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