Saturday 2. July 2022
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Augustinus

„Das Sinken des Schiffes stoppen“

Bei seinem Besuch in Wien berichtete Raymond Wickramasinghe, Bischof der Diözese Galle, auf Einladung der Diözesankommission für Weltkirche und EZA von den dramatischen Entwicklungen auf dem Inselstaat.

Sri Lanka durchlebt derzeit die schwierigste Situation seit vielen Jahrzehnten. „We have never seen something like this before in Sri Lanka“, beschreibt der Bischof den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kollaps: Kampf um Essen, Kampf um Medizin und um Treibstoff … alles ist knapp geworden auf der Insel und die Preise für das Lebensnotwendige steigen ins Unermessliche.

Eine Krise folgt der anderen und versetzt das Land in einen gefährlichen Ausnahmezustand. Zuerst ein fast drei Jahrzehnte dauernder Bürgerkrieg, dem der ethnische Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen zugrunde lag und der an die 100.000 Todesopfer forderte. Noch während des Krieges der verheerende Tsunami 2004, der 70 Prozent der Ost- und Südküste zerstörte. Noch bevor dann die Corona-Pandemie Sri Lankas blühenden Tourismus zusammenbrechen und das Land in eine schwere Wirtschaftskrise schlittern ließ, erschütterte das grausame Ostersonntags-Attentat 2019 das gesamte Land und insbesondere die Katholische Kirche.

Auch ohne Katastrophe hat es die Kirche nicht immer leicht. Mit nur 0,4 % der 2,7 Millionen Einwohner der Southern Province sind die Katholik:innen der Diözese Galle im Süden der Insel eine verschwindende Minderheit. Bezogen auf ganz Sri Lanka machen Katholik:innen auch nicht mehr als 6 % aus – drei Viertel der Bevölkerung gehört dem Buddhismus an, weitere 9 % sind Muslime – Tendenz stark steigend.

Trotz ihrer scheinbaren Bedeutungslosigkeit leistet die Kirche einen unersetzlichen Beitrag zur Entwicklung des Landes. So gehören behinderte Menschen in Sri Lanka – laut Schätzungen über 10 % der Gesamtbevölkerung - zu den am meisten marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen. Die Diözese Galle betreibe mehrere Einrichtungen, die der gesamten Bevölkerung, unabhängig von Religions- oder Volksgruppenzugehörigkeit offen stünden, betonte Bischof Wickramasinghe, u.a. ein Heim für physisch und geistig behinderte Mütter, die von ihren Familien verlassen wurden.

Auch in der derzeitigen Krise hat sich die Kirche zu Wort gemeldet – und sie findet klare Worte für die Urheber der gegenwärtigen Krise: „Wir verurteilen die staatlich geförderte Gewalt, die nur dazu dient, die eigene Macht und den unmoralisch angehäuften Reichtum auf Kosten des Wohls der Gesamtbevölkerung dieses Landes abzusichern.“ In ihrer Stellungnahme fordern die Bischöfe des Landes einen „radikalen Systemwandel“ und die Einrichtung einer Übergangsregierung, die sich „unverzüglich um die Befriedigung der Grundbedürfnisse aller Menschen kümmern müsse“.

Zu all diesen prekären, höchst besorgniserregenden Zuständen kommen nun noch die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts hinzu“ sagt Bischof Raymund. Sri Lanka pflegte gute Beziehungen sowohl zu Russland als auch zur Ukraine, was sich besonders im Tourismus zeigte. Nun sei der Inselstaat als „kleines, aber strategisch wichtiges Land“ zwischen den Fronten und mitten in einem Konflikt. „Wir müssen versuchen, das Sinken des Schiffes zu stoppen, bevor wir überlegen können, wie wir es wieder in die Horizontale ziehen“ sagt Bischof Raymond voller Sorge. Er setzt nun auf die Kraft einer gemeinsamen interreligiösen Initiative führender Vertreter der Religionsgemeinschaften Sri Lankas: „Wenn wir als eine Stimme sprechen, können wir etwas bewirken.“

Wien, 25.5.2022

Ruth Aigner/Christian Zettl

Pastoralamt der ED. Wien Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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