Dr. Wolfgang Kimmel
Pfarrvikar
Lesung, Jes 8, 23b - 9,3
Das Volk, das in der Finsternis wohnt, sieht ein helles Licht
Wenn Ihnen der zweite Teil der Lesung bekannt vorkommt: das liegt daran, dass er erst vor kurzem, in der Heiligen Nacht, vorgelesen wurde.
Wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt: die Einheitsübersetzung gibt die hebräischen Verben dieser Lesung stets mit dem Perfekt wieder, obwohl dem Sinn nach auch die Gegenwart passen würde. „Dazu kommt, dass auch im Perfekt ein Prophet von zukünftigen Ereignissen sprechen kann, wenn er sich sicher ist, dass sie eintreten. Und dass Gott in der Geschichte schon oft befreiend an seinem Volk gewirkt hat, ist Grund genug für eine solche Gewissheit“ meint Elisabeth Birnbaum im Kommentar des Kath. Bibelwerks.
Die Orte Sebulon und Naftali lagen im nördlichsten Teil Galiläas und damit in einem Gebiet, das aus Sicht des Verfassers nicht zum rechtgläubigen Teil Israels gehörte, einem „Gebiet der Völker“, womit immer die anderen Völker gemeint sind, die nicht an JHWH glauben. Sebulon und Naftali waren außerdem auch zwei der Orte, die von den Assyrern bei der Eroberung des Nordreiches zuerst eingenommen wurden. Auch auf diese Zerstörung könnte der Text verweisen und Hoffnung machen: Gott hat sogar diesem Gebiet wieder bessere Zeiten beschert bzw. wird es noch tun.
Der „Weg des Meeres“ war eine bedeutende Handelsstraße, die seinen Anwohnern Reichtum brachte.
Wie sich das Schicksal für Sebulon und Naftali wendet(e), so bewirkt dieses Heilshandeln, dass die Nation wieder wachsen und einen neuen Weg finden kann: ein Heilshandeln wie „am Tag von Midian“. Damit spielt der Text auf Ri 7 an, wo Gideon mit lediglich 300 Mann mit der Hilfe Gottes das riesige Heer Midians schlagen konnte - ein Sieg, der aussichtslos erscheinen musste.
Die Verweise auf Naftali und Zebulon und auf diese Stelle bei Jesaja finden wir auch im heutigen Evangelium, wo der Verfasser mit dem Zitat dieser Verheißung erklärt, warum Jesus sich nicht bei seiner Rückkehr nach Galiläa nicht nach Nazareth, sondern nach Kafarnaum begibt, das ja im Gebiet von Zebulon und Naftali liegt. (Ich wusste das nicht, Sie vielleicht auch nicht, aber die Gemeinde des Matthäus wusste es sicher und verstand daher diese Anspielung.)
Eva R.
Hinweis: Lesungen und Evangelium finden Sie gemeinsamit mit Tagesgebet und Psamlen über https://www.vaticannews.va/de/tagesevangelium-und-tagesliturgie/2025/03/23.html