Dr. Wolfgang Kimmel
Pfarrvikar
IEvangelium Joh 11, 1-45
Die Maria war’s !
Das ist leicht möglich, aber Maria dürfte der häufigste Vorname zur Zeit Jesu gewesen sein. Maria, die Mutter Jesu, ist kaum mit jemand anderem zu verwechseln. Aber sie ist bei weitem nicht die einzige Maria des Neuen Testaments. Auch bei den Frauen in der Nachfolge Jesu finden wir mindestens zwei Marien (Mk 15,40, Mk 16,1, Mt 27,56). Maria von Magdala wird hier immer genannt. Markus fügt hinzu „aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte“.
Alle Synoptiker berichten, dass eine Frau den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte. Keines der drei Evangelien nennt den Namen der Frau, aber Jahrhunderte lang wurde Maria von Magdala mit der namenlosen Sünderin aus Lk 7 (Mt 26, Mk 14) identifiziert. Diese Tradition begann mit Hippolytus (3.Jh) und ihm folgend mit Papst Gregor I in einer Predigt im Jahr 591, und so wurde es Teil der katholischen Tradition. Johannes bietet eine andere Identifikation an: Maria, die Schwester von Marta und Lazarus. Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte. (Joh 11,2) Aber nach Joh 12,3 gießt Maria kostbares Nardenöl auf Jesu Füße und trocknet sie mit ihrem Haar, nach (oder zum Dank für?) Jesu Handeln an Lazarus: (Jesus kam) nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. (Joh 12,1)
Das heißt aber, dass die Chronologie widersprüchlich ist. War die Erweckung des Lazarus vor oder nach der Salbung durch Maria? Die diversen Kommentare zum Johannesevangelium lassen diesen Widerspruch unerwähnt oder sie stellen lapidar fest, dass das Ereignis ja „aus der Tradition bekannt“ war bzw. es sich um einen „redaktionellen Einschub“ handle.
Irgendwie können mich diese Erklärungen nicht zufrieden stellen.
Eva R.
Hinweis: Lesungen und Evangelium finden Sie gemeinsamit mit Tagesgebet und Psamlen über https://www.vaticannews.va/de/tagesevangelium-und-tagesliturgie/2025/03/23.html