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25.04.2014 · Glaube · Schönborn

Medjugorje: Eine Schule christlichen Lebens

Keine touristischen Attraktionen: Man geht auf den steinigen Kreuzberg oder auf den Erscheinungsberg ...

Einen persönlichen Eindruck von Medjugorje wollte sich Kardinal Christoph Schönborn im Jahr 2010 verschaffen. Der SONNTAG fragte den Wiener Erzbischof, was er gesehen und erlebt hat.

Was hat Sie zu Ihrer Reise nach Medjugorje bewogen?


Kardinal Schönborn: Ich habe im Lauf der letzten 28 Jahre viele Früchte der Impulse aus Medjugorje gesehen und wollte daher auch selbst einmal in diesen Ort reisen.

Wie sieht der Baum aus, der diese Früchte trägt?


Kardinal Schönborn: Für diese Frage würde ich einladen, eine „theologische Grammatik” für Marienerscheinungen anzuwenden und das Phänomen Medjugorje im Rahmen dieser „Grammatik” zu betrachten.

Ein zweiter Zugang wäre ein Studium der Pastoral der Mutter Gottes. Wir suchen Pastoralkonzepte – sie hat offensichtlich Pastoralkonzepte, die überraschend und fruchtbar sind.

Ohne einem kirchlichen Urteil vorzugreifen, kann gesagt werden: Die Ähnlichkeit des Phänomens in Medjugorje mit anderen Marienerscheinungen ist groß – es ereignet sich an einem „unmöglichen” Ort (in Lourdes am Fluss, hier auf einer steinigen Anhöhe), die Botschaft ergeht an Kleine, weltlich gesehen Unbedeutende, der Inhalt ist einfach, trifft aber den Kern des Evangeliums.

In Medjugorje stehen der Frieden und das Gebet im Zentrum: Frieden gibt es nur, wenn es Versöhnung mit Gott gibt und Versöhnung miteinander. Die Mutter Gottes wird in Medjugorje als „Königin des Friedens” verehrt. Politisch gesehen ist das sicher auch ein stabilisierendes und friedenstiftendes Element.

Was suchen, was tun die Menschen, die nach Medjugorje kommen?


Kardinal Schönborn: Sie beten. Jeden Tag wird von tausenden Menschen der gesamte Psalter gebetet. Menschen verbringen Stunden und Stunden bei der eucharistischen Anbetung. Es gibt keinerlei touristische Attraktion: Man geht auf den steinigen Kreuzberg – viele Pilger unter größten Mühen – und betet den Kreuzweg, oder auf den Erscheinungsberg – der Rest ist Gebet, Beichte, Gebet, Beichte. Bemerkenswert ist: Menschen, die hier waren, haben große Sehnsucht zurückzukehren – eine Ähnlichkeit mit Lourdes.

 

Was konnten Sie an Früchten finden?


Kardinal Schönborn: Besonders beeindruckt hat mich die große Zahl an sozialen Werken, die aus dem Impuls von Medjugorje entstanden sind. Die in Italien entstandene Gemeinschaft „Cenacolo” ist dort „explodiert” und nun in der ganzen Welt mit ihren Gemeinschaften verbreitet, in denen Drogensüchtige in einer ganz außerordentlichen Weise Heilung finden – ohne therapeutische Methoden, durch eine gläubige Gemeinschaft, durch Gebet und ein glaubensstarkes und glaubwürdiges Leben.

Ein zweites Beispiel ist das „Mütterdorf”, wo seit den Balkankriegen vergewaltigte Frauen, Waisenkinder, seelisch Zerstörte oder Verwundete Hilfe finden und auch Drogensüchtige durch Arbeit und Gemeinschaft Heilung suchen.

Auch „Mary’s Meals”, eine Initiative, die hungernden Kindern in der Welt eine Jahresration Ernährung finanziert, hat sich von Medjugorje aus in die ganze Welt verbreitet.

Sie haben von den Früchten und den wesentlichen Inhalten der Botschaften gesprochen. Was muss bei Visionen noch geprüft werden?


Kardinal Schönborn: Ein wichtiges Element ist auch die persönliche Glaubwürdigkeit der Zeugen. Die „Seher” und „Seherinnen” von Medjugorje sind alle verheiratet, haben Familien. Die „Seherinnen”, die ich kennengelernt habe, sind so „kernnormal”, humorvoll und demütig. Sie ertragen dieses „Zeugnisgeben” seit 28 Jahren.

Bei den Botschaften von Medjugorje geht es immer um das ganz normale christliche Alltagsleben, dieses Eintauchen in den normalen Alltag, in die christlichen Tugenden des Alltags. Glaube führt zur Einfachheit, zur Unkompliziertheit – für mich ist Medjugorje eine Schule des normalen christlichen Lebens.


Was sagt das Lehramt der Kirche zu Medjugorje?


Kardinal Schönborn: Die offizielle Position der jugoslawischen Bischöfe von 1991 ist für mich eine ideale Leitlinie. Mit der klassischen Formulierung „non constat de supernaturalitate” wird betont, dass nicht feststeht, dass es sich um ein übernatürliches Phänomen handelt.

Die Kirche geht bewusst vorsichtig vor, um Früchte nicht zu hindern, aber auch Irrwege, die immer möglich sind, abzuwehren. Als logische Konsequenz ergibt sich daraus, dass offizielle Wallfahrten nach Medjugorje nicht erlaubt sind.

Aber es wird auch betont, dass den vielen Pilgern, die geistliche Impulse suchen und bekommen, seelsorgliche Betreuung zuteil werden soll, was auch uns Bischöfe in die Pflicht nimmt. Wichtig ist, dass die Früchte nicht behindert werden und dass das Gute, das sich hier manifestiert, gefördert wird in Richtung einer auf das Wesentliche ausgerichteten Pastoral: den Glauben an Christus, das Gebet, die Eucharistie, die Sakramente. Was ich dazu in Medjugorje gesehen habe, ist ein Zeichen, das ermutigt.

Was zieht Ihrer Meinung nach die Menschen immer wieder nach Medjugorje?


Kardinal Schönborn: Ich kann es mir nur so erklären, dass die Nähe der Mutter Gottes den Menschen sehr gut tut, dass sie etwas Tröstendes, Stärkendes hat, das alle Schwierigkeiten des Leben zu ertragen hilft.

Die Botschaften enthalten, so weit ich sehe, wenige moralische Appelle – und das ist gut. Wenn die Herzen sich Gott zuwenden, dann ordnen sich die Dinge, das kommt von selbst und braucht im einzelnen nicht immer wieder gesagt zu werden. Ein zu Gott bekehrtes Herz findet den richtigen Weg.

Nehmen Sie Impulse aus Medjugorje mit?


Kardinal Schönborn: Einmal mehr, dass wir uns viel konkreter und praktischer von der Mutter Gottes führen lassen sollen. Nicht, dass sie uns Entscheidungen abnimmt, aber dieses genauere Hinschauen.

Wir stellen fest, was sich mit Menschen tut, die nach Lourdes oder auch nach Medjugorje pilgern. Da tut sich etwas, da gehen Herzen auf, da brechen Verkrustungen auf, da werden Wunden geheilt. Da sollen wir genauer hinschauen: Wie macht die Mutter Gottes das in unserer Zeit?

erstellt von: Redaktion der Sonntag (05.01.2010)
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Weitere Informationen:

Das Phänomen Medjugorje

 

•   Seit 24. Juni 1981 soll in Medjugorje (Herzegowina) regelmäßig die Mutter Gottes erscheinen und Botschaften geben, die zu Umkehr und Gebet aufrufen.

•   Wesentlicher Inhalt der Botschaften: Fasten, Gebet, Eucharistie, Bußsakrament, tägliche Schriftlesung.

•   Die Kirche hat derzeit kein endgültiges Urteil über das Geschehen in Medjugorje getroffen. 1991 wurde die Beurteilung „non constat de supernaturalitate” getroffen. Das bedeutet, dass aufgrund der damals vorhandenen Informationen nicht festgestellt werden konnte, ob es sich bei dem Phänomen um ein übernatürliches handelt.


 

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Der 23. Jänner ist für den Stephansdom ein besonderes Datum. Es ist der liturgische Gedenktag „Mariä Vermählung“, dem Patrozinium der geräumigen Kapelle im erzbischöflichen Curhaus, Stephansplatz 3.

"Tag des Judentums": Kirchen bekennen sich zu Dankbarkeit und Demut

Gottesdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen Samstagabend in Wien - Wiener Dechant Simon in Predigt: "Die Shoah gehört zur Geschichte dieser Stadt. Sie verpflichtet uns."

Barmherzige Brüder: Zentrale Weichenstellungen beim ersten Provinzkapitel „Europa Mitte“

Mit dem ersten Provinzkapitel der neuen Provinz „Europa Mitte“ treffen die Barmherzigen Brüder in Wien wegweisende Entscheidungen.

 

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