Wien, 02.04.2026 - Der Gründonnerstag erinnert nicht nur an das Letzte Abendmahl von Jesus mit den zwölf Aposteln, sondern auch an den Verrat durch Judas und die Fußwaschung. Zum Zeichen, dass Jesus den Menschen gedient hat, wusch Erzbischof Josef Grünwidl 12 Personen die Füße. Unter diesen zwölf waren ein schwerkranker Mann, ein Flüchtling aus dem Irak und eine Mutter mit ihren beiden Kindern, die von der St.-Elisabeth-Stiftung betreut werden. Dabei betonte Erzbischof Grünwidl, dass diese zwölf Menschen stellvertretend für alle stehen: „Uns alle will der Herr rein machen für das Osterfest.“
Erzbischof Grünwidl: Nächstenliebe beginnt ganz unten bei den Füßen, im Schmutz, im Elend und in der Not der Welt.
In seiner Predigt bezog sich Erzbischof Josef Grünwidl auf zwei Kunstwerke, die das berühmte „Letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci verfremden. Es lohne sich, diese Werke nicht als „Verunglimpfung der Religion“ zu sehen, sondern genauer hinzuschauen.
„Das brennende Abendmahl“ von Julia Bornefeld zeigt etwa die bekannte Szene des Abendmahls mit einem brennenden Tisch. „Damit wollte die Künstlerin sagen, dass Eucharistie immer dann besonders wichtig ist, wenn die Welt brennt und in Flammen steht und dass sich der Funke der Eucharistie in jedem Augenblick neu entzünden kann und soll. Wer die Eucharistie empfängt, empfängt „Feuer und Geist“ - das haben schon die Kirchenväter so formuliert,“ so Grünwidl.
Als zweites Beispiel nannte Grünwidl das Bild von einer Münchner Künstlergruppe „Last SMS“. Bei diesem Abendmahl sitzen die Apostel vor ihren Laptops und Smartphones und „sind gar nicht richtig da, sondern in den sozialen Medien unterwegs.“ Dieses Werk verweise auf den Kern der Eucharistie. „In der Heiligen Kommunion geht es um reale Begegnung, um wirkliche Kommunikation und Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander.“
Der Gründonnerstag zeige uns: „Hier und jetzt will er mit uns kommunizieren und nicht nur Brot und Wein, sondern uns alle verwandeln.“
Das machte Jesus, indem er aufstand und seinen Jüngern nahe war. Bei der Fußwaschung zeigte er uns, so Erzbischof Grünwidl: „Mensch, weil ich dich von Kopf bis Fuß liebe, wasche ich dir die Füße und befreie dich von deinem Schmutz und deinem Dreck. Ich will dich, auch deine Abgründe und Schattenseiten, rein, schön und heilig machen.“
Auch wir sollen dem Bespiel Jesus folgen, so Grünwidl weiter: „Das beginnt auch für uns mit dem Aufstehen: nicht bequem sitzenbleiben, sondern zu den Menschen hingehen, um ihnen nahe sein.“ Die Fußwaschung zeige uns, „dass Nächstenliebe immer ganz unten bei den Füßen beginnt, im Schmutz, im Elend und in der Not der Welt,“ so Grünwidl.
Die gesamte Predigt finden Sie hier.
Fotos vom Gründonnerstag
Die Fotos von der Gründonnerstagsmesse können Sie kostenlos unter Angabe des ©Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub verwenden: https://www.picdrop.com/erzdioezesewien/XUs6UU3EUs
Musikalische Gestaltung
Der Wiener Domchor sang unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Landerer Motetten zum Gründonnerstag. Domorganist Ernst Wally spielte nur bis zum Gloria, denn als Zeichen der Trauer „verstummen“ nach dem Gloria Orgel und Glocken. Sie sind erst in der Osternacht wieder zu hören.
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Katharina Mayr
Presseteam der Erzdiözese Wien
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