Montag 12. November 2018
Evangelium von heute Lk 17,1-6 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Es ist...
Meister, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!
Joh. 1, 38-39
Namenstage Hl. Josaphat, Hl. Ämilian, Hl. Arsacius, Hl. Didacus (Didactus, Diégo) von...
„Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes verhalten.“
hl. Cyprian

Berfin Wondraschek über ihren Einsatz in Vijayawada

Von August 2017 bis August 2018 durfte ich über VOLONTARIAT bewegt, welches eine Initiative von Jugend eine Welt und den Salesianern Don Boscos ist, ein freiwilliges soziales Jahr in Vijayawada machen. Dort arbeitete ich in dem Don Bosco Projekt „Navajeevan Bala Bhavan“, welches übersetzt neues Leben bedeutet.

Die Grundidee von Navajeevan ist es, den bedürftigen Kindern ein neues Zuhause zu geben, in dem sie all dies erhalten, was Kindern in einer guten Familie auch bekommen würden. Die Kinder kommen aus verschiedensten Gründen zu Navajeevan. Viele Kinder laufen von zuhause weg, da sie zuhause psychische, physische oder sexuelle Gewalt erfahren. Einige Kinder landen auch auf der Straße, da ihre Eltern oftmals bei einem Verkehrsunfall verunglückt sind oder aus anderen Gründen nicht mehr am Leben sind. Von vielen Familien sieht die wirtschaftliche Situation auch so schlecht aus, dass sie sich die Erhaltung des Kindes nicht leisten können und sie deshalb in ein Projekt von Navajeevan bringen.

 

image
image
image
edf
image
image
edf
image

© Fotos: Berfin Wonrdaschek/VOLONTARIAT bewegt

Ich habe das gesamte Jahr in dem Kinderdorf „Chiguru“ gearbeitet. Wir hatten stets ungefähr 130 Mädchen und Burschen im Alter von 3-14 Jahren. Die Kinder werden im Chiguru wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnt und sozial sowie intellektuell auf ein Niveau gebracht, mit welchem sie eine öffentliche Schule besuchen können. Im Grunde ist es ein Übergangsprojekt, daher auch passend die Bezeichnung „bridge school”. Wichtig ist das Erlernen oder Wiedererlernen des respektvollen Umgangs mit den Mitmenschen, was für den weiteren Lebensweg eine unverzichtbare Tugend ist.

Meine Aufgabe war es, einfach für die Kinder da zu sein. Man könnte sagen, ich hatte die Rolle einer älteren Schwester. Besonders wichtig war mir, dass die Kinder jederzeit zu mir kommen konnten, um Ihre Sorgen und Ängste mit mir zu teilen, oder auch einfach um sich eine Umarmung und aufmunternde Worte zu holen.

 

Meine Tage waren ziemlich gefüllt, mit dem Lachen, den Sorgen und den Bedürfnissen der Kinder. Um 5.45 klingelt der Wecker, ich mache mich schnell selber fertig, damit ich um 6 unten bei den Kindern sein kann. Selbst noch ganz verschlafen, gehe ich die Treppen runter, und die Mädels kommen einem schon mit einem strahlenden Gesicht entgegengelaufen und rufen: „Good morning sister!“. Da war es, das breite Lächeln, welches mir von den Kindern aufs Gesicht gezaubert wurde und meistens den ganzen Tag nicht verschwand.


Nun war es Zeit, die Kinder fit für die Schule zu bekommen. Dies war nicht immer einfach aber gewiss auch niemals langweilig. Ich rüttelte die übrig gebliebenen Morgenmuffel, welche noch in ihren Betten lagen, sanft wach, kümmerte mich darum, dass alle Zähne putzten und duschten. Den Kleinen half ich bei diesen Tätigkeiten, wobei man sich sicher sein konnte, dass man gleich selber mitgebadet wurde. Vor dem Frühstück machte ich mit den Kindern noch Hausaufgaben oder übte für einen Test, wenn die Zeit dies zuließ.

 

Das Frühstück wurde meist zu jedem Cottage gebracht. Die Kinder setzen sich alle im Kreis am Boden auf, und nach einem allgemeinen Gebet durften sich alle ihr essen holen. Das Frühstück bestand hauptsächlich aus speziellem Reis oder „upma“, diversen Getreideutensilien mit einer scharfen Sauce dazu. Meistens teilte ich das Essen aus, aß mit den Kindern und blieb noch bei denjenigen sitzen, die etwas länger brauchten um aufzuessen. Danach hieß es noch schnell die Sachen für den Unterricht zusammen zu packen, bevor die Schule um neun mit der täglichen „assembly“ begann. Hier wurden gute als auch schlechte Neuigkeiten erzählt, ein Zeitungsartikel vorgelesen, Gedichte vorgetragen ... beendet wurde es stets mit der indischen Nationalhymne. Mit den Kindern an der Hand ging es ab in die Klasse.


Nun musste ich in eine andere Rolle schlüpfen. Ich musste die strenge Lehrerin sein, bei der die Kinder leise im Kreis sitzen sollten. Jenes war vor allem am Anfang nicht einfach, da ich den Kindern erst vermitteln mussten, dass sie den ganzen Tag mit mir kuscheln, spielen und Blödsinn machen dürfen, dies aber in der Unterrichtszeit nicht erlaubt ist.

 

Mit meinem besser werdenden Telugu, dies ist die Amtssprache des indischen Bundestaats Andhra Pradesh, und der besser werdenden Beziehung und Bindung zu den Kindern wurde auch der Unterricht immer besser. Ich merkte Tag für Tag, wie sich die Kinder an mein Belohnungssystem und die Unterrichtsmethoden gewöhnten und Spaß am Lernen hatten. Ich brachte den Kindern auf spielerische Art und Weise Englisch und Mathe näher. Wir sangen viele englische Kinderlieder, spielten Lernspiele und schrieben auch ab und an einen kleinen Test. Nachmittags, wenn die Konzentration schon etwas nachließ, malten oder bastelten wir oft etwas.

Nachdem die Schule um vier zu Ende war, gab es Snacks für alle, und danach wurde gespielt.

Besonders Spaß hatten die Kinder an diversen Gruppenspielen.

 

Anschließend half ich den Kleinen beim Duschen, unterstützte sie bei der study time und aß mit ihnen. Nach dem Abendessen blödelte, plauderte oder sang ich noch etwas mit den Kindern.

Als es für die Kinder dann Zeit zum Schlafen war, galt es für mich noch den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten, bevor ich meist erschöpft und sehr glücklich ins Bett fiel.

 

Die Sonntage sahen etwas anders aus, da die Kinder an diesem Tag keine Schule haben. Da organisierten wir immer etwas Abwechslungsreiches, wie eine Schnitzeljagd, Wasserspiele, Vertrauensspiele oder Ähnliches. Manchmal bastelten wir oder machten auch gerne einmal Ausflüge. Wichtig war, dass alle in Bewegung waren und ihren Spaß hatten.

 

Alles in allem war dieses Jahr eine wichtige Erfahrung in meiner Entwicklung, ein Jahr gefüllt von kleinen Kinderhänden, lachenden als auch weinenden Gesichtern, die mir eine Welt gezeigt haben, die mir zuvor vollkommen unbekannt war, eine Welt, in die ich mich verliebt habe.

Pastoralamt der ED. Wien Referat Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
Pastoralamt der ED. Wien Referat Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
Stephansplatz 6/6/633
1010 Wien

E-Mail schreiben
Datenschutzerklärung
Darstellung: Standard - Mobil