Monday 27. May 2024

Christliche Meditation


Beim Wort „Meditation“ denken viele an asiatische Religionen, Tatsache ist aber, dass es auch im Christentum seit Jahrhunderten einen Schatz an Meditationserfahrungen gibt. Man unterschied die „Lectio“, das war die Schriftlesung, die „Meditatio“, darunter verstand man die diskursive Betrachtung des Textes und schließlich die „Contemplatio“, welche die Beschauung meint, die wir als Kontemplation bezeichnen und die ich im folgenden Artikel vorstellen möchte.  Ein 1989 unter Papst Johannes Paul II veröffentlichtes Schreiben über „Einige Aspekte der christlichen Meditation“ hilft bei der Abgrenzung zu östlichen Meditationstraditionen insofern, als es heißt, dass jede Meditation, die nicht-in allem-Jesus Christus meint, keine christliche Meditation ist.

 

Für alle, die neugierig geworden sind:  es gibt auch ab September wieder christliche Meditation in Form des kontemplativen Gebets unter der Leitung von Diakon Norbert Mang, in der Kirche in Edlach, immer am Mittwoch um 18:00.

In der Bergpredigt spricht Jesus ausführlich über das Gebet: „ Wenn du betest, so geh in den Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ (Matthäus 6,6-7) Mit „Kämmerlein“ ist nicht nur ein eigenes Zimmer gemeint, sondern vor allem die Herzenskammer, der innerste Herzensgrund, die Stille, in der sich Mensch und Gott begegnen können.

Von den Wüstenvätern, die im 3.und 4.Jahrhundert n.Chr. nach der Herzensruhe (Hesychia) suchten, über Johannes Cassian, der das „Ruhegebet“ (die ständige Wiederholung eines inneren kurzen Gebets, er schlug die Formel „Gott, eile mir zur Hilfe“ vor) beschrieb, welches weg von Ablenkung und Gedanken in die Herzensstille führen soll, bis hin zu den Mönchen auf dem Berg Athos, die diese Gebetsweise weiterentwickelten („Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“), reicht die Tradition. Das Buch „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“, geschrieben von einem anonymen Autor, ist ein weiteres Zeugnis für diesen „Weg der Herzensruhe“. Neben dem britischen Benediktinermönch John Main setzten sich auch der Benediktiner Emmanuel Jungclaussen  aus Bayern und schließlich der Jesuit Franz Jalics intensiv mit dem Weg der Kontemplation auseinander.

Demnach sind das Herzensgebet, das Ruhegebet und das Jesusgebet Formen der Kontemplation, die  das selbe Ziel verfolgen, indem sie einen Weg weisen, zu innerer Gotteserfahrung zu gelangen, wobei aber nicht vergessen werden darf, dass uns allein durch die Barmherzigkeit Gottes ein spürbarer Widerschein göttlicher Liebe geschenkt wird.

Die Ausführung des kontemplativen Gebets ist schnell erklärt. Man nimmt eine entspannte Sitzposition ein, zB auf einem Kniehocker oder auch auf einem Sessel, schließt die Augen und hält die Hände geschlossen oder auch offen. Zur Einstimmung betet man nach dem Kreuzzeichen ein Vaterunser und bekräftigt den Entschluss, die nächsten 25min seine ganze Aufmerksamkeit auf Jesus auszurichten. Als Anfänger spürt man noch kurz jedem einzelnen Körperteil nach, beginnend bei den Füßen bis rauf zum Kopf, um „ganz da zu sein“. Hat man sich soweit gesammelt kann man innerlich beginnen, beim Ausatmen den Namen „Jesus“ und beim Einatmen „Christus“ zu sagen. Nach 25min bedankt man sich innerlich und schließt mit einem Kreuzzeichen ab.

Klingt nicht sonderlich schwierig, ist es auch nicht, aber es bedarf sehr viel Zuwendung, das heißt tägliche Wiederholung, möglichst immer zur selben Zeit, am besten zeitig in der Früh oder auch Abends. Wer beständig meditiert, der kann erleben, wie die eigene Ich-Bezogenheit allmählich zurücktritt zugunsten einer Ausrichtung auf Gott.

Übt man das Kontemplative Gebet regelmäßig, kommt was in Bewegung. Nicht von heute auf morgen und auch nicht mit Pauken und Trompeten, sondern leise, sehr leise. Es gibt auch keine Abkürzungswege im geistlichen Leben, der Weg des Namens schließt eine ständige Beobachtung des seelischen Verhaltens ein, was auch oft schmerzhaft sein kann und viel Ehrlichkeit zu sich selbst bedeutet.

Ob man in der Meditation Gott oder sich selbst, das heißt seinen eigenen, geistlichen Fortschritt gesucht hat, prüft man mit folgendem, einfachen Test :Wenn die Meditation mühsam war, das heißt wenn einen ständig Gedanken, Pläne, Sorge und Ängste überfallen haben und man dann trotzdem völlig zufrieden aufstehen und sagen kann: „Herr, das war eine armselige Stunde, aber ich habe mich dir anvertraut, deshalb bin ich ganz zufrieden,“ dann war das kontemplatives Gebet eine Gott geschenkte Zeit. Empfindet  man dagegen Unzufriedenheit und Frustration, dann hat man etwas für sich selbst gesucht und ärgert  sich, weil man es nicht erreicht hat.

Das kontemplative Gebet in der Gruppe zu üben hat noch eine zusätzliche Qualität, die für Anfänger und auch Fortgeschrittene gleichsam spürbar ist. Also kommt in die Edlacher Kirche, immer Mittwoch um 18:00-19:00.

 

Eure Michi Blazek

 

Quellen: Franz Jalics, Kontemplative Exerzitien

                Emmanuel Jungclaussen, Das Jesusgebet

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