Friday 7. August 2020
Evangelium von heute Mt 16,24-28 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein...
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Jesus hatte Mitleid mit ihm...
Mk. 1, 41
Namenstage Hl. Xystus (Sixtus) II., Papst, und Gefährten; Märtyrer, Hl. Kajetan, Hl....
„Schließen wir mit Jesus eine tiefe Freundschaft. So können wir ihm von nahem folgen und mit ihm sowie für ihn leben.“
Papst Franziskus

"Wir sind alle Teil einer Familie“

Corona: globale Herausforderung für Staat und Kirche

 

Die Coronapandemie ist unübersehbar eine globale Herausforderung. In vielen Ländern hat die Pandemie gerade erst ihren Höhepunkt erreicht, in anderen breitet sie sich noch immer rasant aus. (Foto: pixabay)

Das Epizentrum der Pandemie lag zuletzt in Lateinamerika. Brasilien verzeichnete Anfang Juni täglich rund 30.000 neue Ansteckungen.

 

Um mit derartigen weltweiten Herausforderungen zurechtzukommen, muss die Menschheit das Prinzip "think global, act local" (global denken, lokal handeln) verinnerlichen und zu einer neuen Solidarität finden: Das hat der indische Erzbischof Leo Cornelio (75) vor kurzem bei dem von österreichischen Kirchenhilfswerken ausgerichteten Webinar "Globale Krise- Globale Kirche" gefordert. „Wir sind alle Teil einer Familie, und was einen betrifft, betrifft alle. Das zeigt sich in der Pandemie ebenso wie in der aktuellen Rassismus-Debatte nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd", sagte der Oberhirte der Erzdiözese Bhopal im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh.

 

Unser Referat Weltkirche erreichten zahlreiche Hilferufe von betroffenen Diözesen, die uns nochmals deutlich vor Augen führten, dass es gerade die ärmsten Bevölkerungsteile sind, die durch die abrupte Schließung der Wirtschaft am meisten unter den Folgen von COVID-19 und einer ungerechten globalen Verteilung zu leiden haben. Unsere Partner in den Kirchen des Südens stehen an der Seite der Ärmsten und helfen ihnen, sich vor der Pandemie zu schützen und diese wirtschaftlich lebensbedrohliche Zeit zu überbrücken. In Ecuador führt die Diözese San Jacinto eine medizinische Kampagne in den Armenvierteln durch und unterstützt damit Familien, die dieser Krise – aufgrund des völlig überlasteten Gesundheitssystems und der Knappheit von Medikamenten - hilflos ausgesetzt sind und KEINE Betreuung erfahren. So soll das Grundrecht dieser Menschen auf medizinische Betreuung sichergestellt werden. Im südafrikanischen Simbabwe bricht derzeit das staatliche Gesundheitsprogramm zusammen, da die Regierung schon seit Monaten die Arztgehälter nicht mehr bezahlen kann. Erschwerend kommt das teils vollständige Fehlen von Schutzbekleidung und Masken sogar für Mediziner und Pflegende dazu. Unser Partner, die Diözese Mutare, lässt nun in einer Schneiderei für Schuluniformen Covid-Schutzbekleidung und -Masken nähen, die in den elf diözesanen Spitälern von Mutare sowie den ihnen angegliederten Gesundheitsposten in ländlichen, oft sehr entlegenen Gebieten zum Einsatz kommen. Im südindischen Tamil Nadu drohen mehr Menschen an Hunger als an Corona zu sterben - am stärksten betroffen ist die Gruppe der landlosen Taglöhner und ihrer Familien. Mit der Aktion „Food for a month“ bewahren der katholische Ordenspriester Father Leonard und die Vidiyalgemeinschaft hunderte Taglöhnerfamilien vor Hunger und Existenzangst. Diese und andere Corona-Nothilfe-Projekte konnten wir aus den diözesanen Mitteln für Weltkirche und Entwicklungshilfe mit über € 40.000.- fördern.

 

Die globale Coronakrise lässt an den Auswirkungen in den Ländern des Südens deutlich die globalen und lokalen wirtschaftlichen und strukturellen Asymmetrien zutage treten, die Entwicklung verhindern und Abhängigkeit vermehren. Kirchliche wie staatliche Entwicklungszusammenarbeit hat den Auftrag, dem entgegenzuwirken und die Basis für ein gutes Leben für alle zu schaffen. Österreich war in den letzten Jahren weit davon entfernt, seiner internationalen Vereinbarung nachzukommen, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungsleistungen zur Verfügung zu stellen. (2019 waren es 0,27 Prozent). Aber auch als Kirche müssen wir uns an der Nase nehmen: Bei den kirchlichen Beiträgen für Weltkirche und Entwicklungsförderung ist in den meisten österreichischen Diözesen (inklusive der Erzdiözese Wien) noch Luft nach oben. Den Beschluss im österreichischen synodalen Prozess, 2% des Kirchenbeitragsaufkommens für Weltkirche und Entwicklungshilfe einzusetzen, erfüllen bislang allein die Diözesen Graz-Seckau und Innsbruck.

 

Vielleicht hat die Coronakrise dazu beigetragen, uns bewusster zu machen, dass wir kein „Inseldasein“ führen können, weder als Einzelne, noch als Ortskirche oder als Staat. Nun muss es uns „nur noch“ gelingen, dieses geschärfte Bewusstsein auch in konkrete Taten umzusetzen. "Die gängige Logik kommt in Diskussion. Immer mehr Menschen erkennen, dass es so nicht weitergehen kann, und stellen sich die Frage: Welche Welt wollen wir?", so die Koordinatorin des lateinamerikanischen Netzwerks "Kirchen und Bergbau" beim Webinar „Globale Krise - Globale Kirche“. Weltweit sei für neue Weichenstellungen ein "Schlüsselmoment", der nur durch sofortiges Handeln genutzt werden könne.

 

Mit welcher hoffnungsvoller und Mut machender Tatkraft dies Pfarren, Schulen und Bildungseinrichtungen in der Erzdiözese Wien bereits über viele Jahre tun, zeigte einmal mehr der Florian Kuntner-Preis 2020: Über 40 Initiativen bewarben sich um den mit € 18.000.- dotierten Preis – die Jury wählte sechs Preisträger*innen in drei Preiskategorien. Die für Ende März geplante Verleihungsfeier musste coronabedingt abgesagt werden – als neuer Termin ist der 20.November geplant. Bischof Florian erkannte, dass wir weltweit miteinander verbunden sind und einander brauchen, um das Friedensreich Gottes inmitten dieser von Krisen und Gewalt gebeutelten Welt aufzubauen.  Halten wir die Erinnerung und den Auftrag wach, dass wir eine weltweite und weltkirchliche Verantwortung tragen – in uns selbst, in unseren Pfarren, in unserer Erzdiözese und in der Gesellschaft.

 

erstellt von: Mag. Christian Zettl / Referat Weltkirche und EZA

Pastoralamt der ED. Wien Referat für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit
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