Wednesday 19. May 2021
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab.
Joh. 3,16

Impressionen aus Indien

Mit allen Vorsichtsmaßnahmen, die diese Zeit verlangt, um möglichen Schaden für sich selbst und andere zu vermeiden, reiste ich in der durch den Lockdown ruhig gewordenen nachösterlichen Zeit für zwei Wochen nach Indien. Ein Besuch bei meiner 92jährigen Mutter war schon längst fällig und ich konnte ihr und auch mir damit große Freude bereiten.

 

Bereits bei der Ankunft merkte ich, dass es dieses Mal anders war. Auf den Flughäfen bewegten sich viel mehr Menschen als sonst, weil die Überlandverbindungen schon sehr eingeschränkt waren.

 

In den ersten Tagen durfte ich wunderschöne Sommertage genießen, heiß und mit hoher Luftfeuchtigkeit, die alles in üppiges Grün taucht. Dazwischen bunte Vögel in ihrer ganzen Pracht. Überall tropische Obstsorten, wie wir sie hier nie zu sehen bekommen und herrliche frische Fische aus dem Meer. Ein paar Tage in fast paradiesischem Zustand für Geist und Leib.

 

Dann erschien die Corona-Mutation in ihrer vollen Wucht …

 

Indien, ein Land wie kein anderes mit seinen Extremen, seiner Vielfalt an Sprachen, Kulturen, geografischen Gegebenheiten und Religionen, mit einem hohen sozialen Gefälle und überfüllten Metropolen. Ein Großteil der Bevölkerung kennt das Leben nur in der Freude oder im Leid und dazwischen liegt der Kampf um das tägliche Leben – oft sogar um das tägliche Überleben. Die Menschen sind zufrieden mit dem wenigen, das sie haben, Raunzerei, wie wir sie hier kennen, gibt es kaum. Sie haben eine dankbare Einstellung dem gegenüber, was das Leben für sie bereithält. Tragödien und Trauer sind kurzlebig und darum hoffe ich für sie, dass die Pandemie so schnell wie möglich wieder verschwindet. Es ist der einzige Weg, damit sie auch morgen wieder glücklich sein können.

 

Ich bin dankbar, dort gewesen zu sein und sehe es auch als ein kleines Osterwunder, dass ich wohlbehalten zurückgekehrt bin.

 

Euer Pfarrer Cliff Pinto

Er sah und glaubte

(Joh 20. 8b)

Seit mehr als einem Jahr schon beschäftigt uns alle die Corona-Pandemie. Bis dahin war für unsere Generation das Wort Pandemie nahezu unbekannt. Eine Krankheit, die die ganze Welt umspannt und beherrscht … Das heißt aber nicht, dass in diese Richtung nicht gearbeitet und geforscht wurde. Es gab Virologen, Labors, Studien und Untersuchungsergebnisse, und trotz fehlender handfester Beispiele wurde in diesem Wissenschaftsbereich weitergearbeitet.

 

Theologen sind zumeist auch in einer solchen Situation. Ohne sichtbare oder durch ihre fünf Sinne erfahrbaren Beweise grübeln sie über ihren wissenschaftlichen Arbeiten. Zwar nicht im Labor, aber in Bibliotheken oder Studierzimmern. Dort beschäftigen sie sich mit ihrer Hauptaufgabe: Gott und dem Gottesbeweis.

 

Vor einem Jahr wurden viele Virologen plötzlich konfrontiert mit Corona. Manche lagen mit ihren bisherigen Studien genau richtig, andere falsch, einige ahnten etwas, andere waren ahnungslos, doch nun war das neue Virus da und nicht mehr wegzuleugnen.

 

Die Osterzeit ist jedes Jahr ein Denkanstoß für uns. Da werden wir mit Gott konfrontiert. Er lässt sich nicht so beweisen, wie wir es uns für den täglichen Gebrauch wünschen würden, in persönlichen Situationen oder bei den Tragödien der Welt. Doch das Verleugnen von Gott ist meiner Meinung nach sinnlos. Es gibt ihn. Daran glaube ich fest. Die Auferstehung Jesu von den Toten ist darum nur eine logische Konsequenz.

 

Corona muss verschwinden, das braucht niemand, aber den auferstandenen Herrn, den braucht jeder Mensch zu jeder Zeit. Ich wünsche euch Frohe Ostern!

 

Euer Pfarrer Cliff Pinto

Jesus ist da

Ich bin da, wo Menschen leben.


Ich bin in dem alten Mann, 
der um seine Frau trauert; 
ich bin in der Freude des jungen Paares, 
das ein Kind erwartet. 


Ich bin in der schweren Krankheit 
des jungen Menschen; in den Schmerzen 
der alten Frau mit ihren Entzündungen; 
ich bin in den Zweifeln des Managers, 
ob das Geld wirklich das Wichtigste ist. 


Ich bin im eintönigen Alltag der Angestellten, 
in der Aufregung vor der großen Prüfung; 
in der Angst vor dem Befund, 
im Glück der ersten Liebe …

 

Ich bin da, wo Menschen leben. 

(Aus einer Meditation von Peter Mathei)

Tage wie diese

„Tage wie diese“ heißt ein Lied von Campino und den Toten Hosen, das gerne an Tagen, an die man sich sein Leben lang erinnern möchte, gespielt wird. Heute bekomme ich eher ein resignierendes „in Zeiten wie diesen …“ zu hören und meint natürlich die Zeit, die wir eben durchleben – mit Covid-19 und seinen Mutationen und allen dazugehörigen Anordnungen und Lockdowns.


Erst vergangene Woche konnte ich einige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrem Einsatz beobachten. Sei es beim Wiedereinräumen unseres Flohmarktlagers (nach einer Kanalsanierung, die dringend durchgeführt werden musste) oder beim Wegräumen der Christbäume und dem Wieder-Instandsetzen unseres großen Fastenkreuzes durch „Superman Ladi“ und seine Helfer. Da habe ich plötzlich gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Weder konnten wir Weihnachten gebührend feiern, noch den Fasching auskosten – keine Maria-Lichtmess-Feier, keine musikalischen Darbietungen durch Ars Musica, kein Churchy Dancing – und schon beginnen die Vorbereitungen für die Fastenzeit. „Zeiten wie diese …“ –  eine Zeit ohne Höhepunkte, fast so, als wäre sie stehen geblieben.


Da stellt sich unwillkürlich die Frage: Was ist eigentlich Zeit? Unsere Zeiterfahrung ist zutiefst von biologischen und kosmischen Rhythmen bestimmt. Zeit – das ist der Raum zwischen zwei Schlägen unseres Herzens, zwischen zwei Atemzügen, der Rhythmus von Wachen und Schlafen, von Hunger und Sättigung. Zeit – das ist auch der Rhythmus von Hell und Dunkel, von Tag und Nacht, das Spiel der Gezeiten, der Wechsel der Jahreszeiten und Jahre. Dass wir in der Zeit leben, ja, dass alles Leben eine Erscheinungsweise von Zeit ist, lesen wir ab am Lauf der Gestirne, des Mondes, der Sonne, unserer Erde, die sich um sich selbst dreht und sich zugleich um die Sonne bewegt. Wir lesen es auch ab an der biologischen Uhr, die wir in uns tragen und die deutlich auf jene kosmischen Rhythmen abgestimmt ist. Dennoch spielt es eine große Rolle, was wir in dieser Zeit erleben, was wir empfinden und was wir daraus machen.


Ich habe dazu ein Gedicht des geistlichen Schriftstellers Peter Ceelen gefunden, das den Blick auf die Zeit, die uns geschenkt ist, ein wenig schärfen kann … damit wir in Dankbarkeit viele „Tage wie diese“ aus unserem Leben schöpfen können. 

 

NEUANFANG
Ich kann mein Leben nicht von vorne beginnen
aber ich kann es neu anfangen: Jeden Tag neu.
Jeder neue Tag gibt mir die Möglichkeit,
manches wiedergutzumachen und den ersten Schritt zu tun.
Weil ich nicht weiß wie viel Zeit mir noch bleibt,
lebe ich voll und ganz im Hier und Heute.
Weil mir bewusst ist, dass meine Tage gezählt sind,
erlebe ich jeden neuen Tag in tiefer Dankbarkeit. 

 

In der Hoffnung auf bessere Zeiten wünsche ich jedem von euch eine gute persönliche Zeit
 

 

Euer Pfarrer Cliff Pinto

Segen für Dich

Zur Weihnachtszeit und zum Start in ein hoffentlich besseres neues Jahr 2021 möchte ich euch ein paar Worte schenken, die ich im Buch „Segen für Dich“ von Roland Breitenbach gefunden habe:

 

RUHE FINDEN

Gott lasse dich die Ruhe finden,

die du brauchst, um ihm zu begegnen.

Gott lasse den Tau des Gerechten

auf dich herabkommen,

damit deine Hoffnung auf Gott wächst.

Gott lasse sein Vertrauen auf dich regnen,

damit du ihn erkennen kannst, so wie er ist:

ein Gott, der dich liebt, wie kein Mensch es vermag,

der an dich denkt

seit dem Tag, da du geboren.

 

SICH GUTES TUN

 

Das tut dir gut:

Zeit zu nehmen, Zeit zu haben.

Einfach Zeit, ohne etwas zu tun.

Zeit, zu lassen.

Das tut dir gut.

 

Zeit für das Wunder des Lebens.

Zeit für ein Kind.

Zeit für einen alten Menschen.

Zeit für die Zeit.

Das tut dir gut.

 

Gott schenkt dir Auszeit,

macht dich vertraut mit seinem Wort,

schenke dir seine Nähe,

lasse dich seine Menschwerdung erfahren.

Das tut dir gut.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, mit Geduld, Ausdauer und Tapferkeit durch die Krise zu kommen und vor allem Gesundheit und Gottes Segen!

 

Euer Pfarrer Cliff Pinto

Vorbereitung

Kaum zu glauben, dass der Advent schon begonnen hat. Eben war noch Herbst und jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Ja, wir befinden uns in einer ungewöhnlichen Situation, wir und die ganze Welt. Die Pandemie hält uns fest in ihrem Griff, nichts ist sicher. Nichts ist planbar. Nichts ist ohne Gefahr. Es ist eine Zeit, in der die Sicherheit verloren gegangen ist. Wie werden diese Weihnachten sein? Alles ist ungewiss und schwierig.

 

Auch die Zeit von Jesu Geburt war eine ungewisse und es gab diese Facetten der Herausforderung, für ihn selbst und für seine Eltern. Unter gefährlichen Umständen erblickte er das Licht der Welt, hätte Herodes ihn gefunden, wäre er schon als Baby getötet worden.

 

Wenn wir heute ohne Spaß, ohne Freude, ohne Punsch und ohne große Einkäufe den Advent verbringen müssen, dann sollten wir an den Ursprung unseres Glaubens denken, nämlich an die Geburt Christi, und uns dort Trost und Kraft holen. Der Advent ist eine besinnliche Zeit, in der wir auf die Ankunft des Herrn warten. Meist geht das in der hektischen Vorweihnachtszeit unter. Nehmen wir diese Zeit heuer als ein verborgenes Geschenk an und bereiten wir uns vor. 

 

Dieser Advent soll für uns ein Segen sein, 
damit wir Unnötiges loslassen
und in Gelassenheit auf das Kommen Gottes warten.
Dieser Advent soll für uns ein Segen sein, 
damit wir uns Zeit nehmen für uns selbst
und wir neue Kraft schöpfen können.
Dieser Advent soll für uns ein Segen sein,
damit wir die Einladung Gottes annehmen
und uns auf seine Menschwerdung 
vorbereiten.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch eine Sinn-volle Zeit. 
 

 

Euer Pfarrer Cliff Pinto

Ausdauer, Solidarität und Zusammenhalt

Ich durfte in der Botschaft des vergangenen Monats berichten, dass es uns einigermaßen gut geht. Aber auch, dass mit vielen Absagen zu rechnen wäre, sollte die Corona-Plage weiterhin anhalten. Nun, es ist tatsächlich so gekommen, dass die Zahl der Infizierten massiv angestiegen ist und die Situation strengere Maßnahmen erforderlich machte.  


Den Monat November durften wir am Allerheiligentag noch mit einer wunderschönen Messe feierlich beginnen und es wäre schön gewesen, wenn es so weitergehen hätte können. Leider musste die Regierung zur Eindämmung der Pandemie neuerliche Einschränkungen anordnen und einen Lockdown light verkünden. Für uns bedeutet das eine erneute Absage von geplanten Terminen und einen Umstieg auf andere Kommunikationswege (wie z.B. Online-Treffen oder Zoom Calls). Momentan kann nichts fix geplant werden, denn die Situation ändert sich weiterhin ständig.


Der Kirchenbesuch wurde zum Glück nicht angetastet. Wir können uns nach wie vor – sehr achtsam – zum Gottesdienst treffen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, es muss aber ein Abstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten und der Mund-Nasen-Schutz während der ganzen Messe aufbehalten werden. Da mit der neuen Verordnung eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20:00 und 6:00 Uhr verhängt wurde, haben wir die Abendmessen in der Muttergotteskirche auf 18:00 Uhr vorverlegt. In der Pfarrkirche Maria Geburt bleibt es bei 19:00 Uhr, aber die Messen werden kurz gehalten, damit jeder wieder rechtzeitig nach Hause kommt.


Gleich zu Beginn des Monats wurden wir durch das fürchterliche Attentat in der Wiener Innenstadt in einen Schockzustand versetzt. Da beginnen wir zu begreifen, dass vieles, was uns selbstverständlich erscheint, nicht selbstverständlich ist. Es macht uns betroffen und nachdenklich. Ängste vor dem Terror, die bis jetzt im Fernen lagen, stehen plötzlich vor der Tür. Dennoch leben wir immer noch in einem friedlichen Land, das für viele erstrebenswert ist. Politik, Legislative, Exekutive versuchen ihr Bestes zu geben, damit Infrastruktur, Gesundheitswesen und Wirtschaft funktionieren und wir unser Leben friedlich gestalten können. Dafür seien sie herzlich bedankt. 


Was mich an diesem schrecklichen Tag besonders berührt hat, war die Zivilcourage und Menschlichkeit, die die beiden türkischstämmigen jungen Männer Recep Tayyikp Gültekin und Mikail Özem sowie der junge Palästinenser Osama Joda Abu El Hosna zeigten, als sie einem angeschossenen Polizisten das Leben retteten. Wie leicht hätten sie in dieser Situation ebenfalls für Attentäter gehalten werden können. Da kann ein Wimpernschlag über Leben retten oder Leben verlieren entscheiden. Für mich sind sie das Licht im Dunkel, der Beweis, dass Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft siegen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was Solidarität bedeutet und kann es daher nicht genug schätzen.


Friede ist ein Begriff der Transzendenz, ein Synonym für Himmel. Es ist der Zustand, den es anzustreben gilt. Aber nicht irgendwo, sondern hier auf Erden, in unserem Land, in unserer Stadt, in unseren Familien, in uns selber. Zusammenhalt und Solidarität sind zwei solcher Sprossen auf dieser Himmelsleiter. Wer den Himmel hier auf Erden sucht, wird ihn auch finden. 


Möge Gott uns dabei helfen, wünscht 

Euer Pfarrer Cliff Pinto

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