Sunday 11. April 2021

 

PFARRBLATT

 

 

GEBETSANLIEGEN

 

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(unter "Unsere Vielfalt" - "Gebetsdienst füreinander")

Verklärung des Herrn - ein "Gipfelerlebnis"

Glücklich sein und überwältigt von etwas ganz Schönem, das ist eine besondere Erfahrung des menschlichen Lebens, die sich ins Gedächtnis einprägt“. So beschreibt der Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner in einem Artikel, wie er mit 5 Jahren seinen ersten Berggipfel mit seinen Eltern bestiegen hat und wie ihm diese Erfahrung zur Grundlage für eine lebenslange Leidenschaft fürs Bergsteigen geworden ist. Die Berge gelten seit alters her als faszinierende Orte, aber auch als Orte der Gefahr für den Menschen.

Im religiösen Bereich ist es die Nähe Gottes, die als faszinierend und in den Bann ziehend erfahren werden kann. Auf einem Berg, auf den sie von Jesus geführt wurden, machen 3 auserwählte Jünger des Herrn eine solche Erfahrung, ein „Gipfelerlebnis“ der besonderen Art. Es ist keine Einbildung, keine Halluzination, was sie da erleben, sondern eine Erfahrung des Glaubens, die ihre Realität eintaucht in ein bisher nicht gekanntes Licht, eine Erfahrung, die das heutige Evangelium in die Worte fasste: „Er (Jesus) wurde vor ihnen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann“. Die in Jesus erfahrene Nähe Gottes erzeugt Begeisterung, Hingerissen sein und den verständlichen Wunsch, das Erlebte festhalten zu wollen. Petrus möchte gerne 3 Hütten bauen, ein Bild für die Sehnsucht des Menschen, sich gerade in jener Situation bleibend einzurichten, in der man sich dem Heiligen ganz nahe fühlt; freilich ist diese Erfahrung auch ambivalent: „Sie (die Jünger) waren von Furcht ganz benommen“, hieß es im Evangelium, denn das ganz Heilige ist immer auch eine Erfahrung, die uns erschrecken und zittern lässt angesichts des Abstandes, der den sündigen und hinfälligen, vergänglichen Menschen von Gott und vom Heiligen trennt.

Freilich, Jesus geht auf das Angebot des Petrus, Hütten zu bauen, gar nicht ein. Und danach schiebt sich eine Wolke vor die Sonne und Dunkel fällt auf die Jünger. Die Stimme aus der Wolke scheint den tieferen Sinn der ganzen Begebenheit zu enthüllen, wenn sie auf den geliebten Sohn verweist, auf den die Jünger hören sollen. Die Verklärung des Herrn wird hier also eingeordnet in ein größeres Ganzes, in einen tieferen Zusammenhang. Unmittelbar vor diesem Geschehen hatte Jesus versucht, seinen Jünger beizubringen, wie er seine und ihre Zukunft sieht: „Der Menschensohn wird vieles erleiden müssen“, hatte er da gesagt, „und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber nach 3 Tagen werde er auferstehen“. Das wollte Petrus so nicht hinnehmen und er wurde deshalb von Jesus zurechtgewiesen: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“.

6 Tage darauf ereignete sich dann also das, was wir heute im Evangelium gehört haben. Wir müssen die Verklärung des Herrn also im Gesamtzusammenhang des Lebensweges Jesu sehen. Für Jesus ist das Ereignis – auch im Zusammenhang mit dem Gespräch, das er bei seiner Verklärung mit Mose und Elija - den wichtigsten Repräsentanten des alttestamentlichen Gottesvolkes führt, eine Bestärkung, den Weg anzunehmen und weiter zu gehen, der ihn durch Leiden und Tod hindurch führen und der letztlich in die Auferstehung einmünden wird.

Und für die Jünger, die Apostel, was bedeutete da letztlich diese Erfahrung der Verklärung, dieses Erlebnis? Den großen Zusammenhang können sie darin noch nicht entdecken, sie wollen es festhalten, ihr Weg aber führt vom Berg der Verklärung wieder hinab in die alltägliche Wirklichkeit und als das Leiden Christi beginnt, werden sie versagen. Christus ist nicht nur der verklärte, sondern auch der leidende Gottesknecht; Gottes Wege bleiben auch für den glaubenden Menschen oft ein Geheimnis. Erst nach Tod und Auferstehung Jesu beginnen sie langsam zu begreifen, warum alles so kommen musste, geht ihnen langsam der Sinn des Leidensweges Jesu auf. Erst jetzt können sie die Verklärung als sinnvolle Station auf dem Weg ihres Herrn einordnen – als Vorgeschmack und Vorausbild von Ostern.

Hoch-Zeiten im Glauben sind etwas Schönes und Kostbares, das kann uns das heutige Evangelium sagen, sie haben ihren Sinn und ihre Bedeutung. Aber sie werden auch bei einem jeden von uns durch den Alltag mit seinen Herausforderungen und Leiden in ihrer Tragfähigkeit geprüft und geläutert. Dann ist auch für uns der Blick auf das Ganze wichtig und notwendig, nämlich das Hören auf die Stimme des Herrn und das Wissen, dass alles Glück der Welt nicht ausreicht, um die Sehnsucht des Menschenherzens nach der letzten und umfassenden Wirklichkeit zu stillen. Daran erhalten wir nur durch Jesu Tod und Auferstehung Anteil, durch das geduldige und beharrliche Mitgehen seines Weges, der über den Karfreitag ins österliche Licht führt.

 

Pfarrer Heimo Sitter

Evangelium von heute Joh 20,19-31 Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus...
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