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12. Dezember 2023

Worte unseres Pfarrers

Gedanken von Pater Nicholas Thenammakkal im Pfarrbrief unseres Pfarrverbandes.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

FRIEDE DEN MENSCHEN AUF ERDEN

 

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ Friede ist ein uralter Traum der Menschheit. Weil der Mensch im Grunde genommen die meiste Zeit seines Lebens in irgendeiner Form in Unfrieden lebt, sei es durch einen Krieg, Terrorattacken oder Streitigkeiten in der Familie, unter Freunden, usw., sehnt er sich nach Frieden. Frieden herbeizuführen, scheint die härteste Aufgabe zu sein. Alle wollen ihn, keiner schafft ihn! So könnte man die allgemeine Lage beschreiben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass alle großen Religionen das Thema des Friedens auf ihren Fahnen großgeschrieben haben. Bei der Geburt Jesu sangen die Engel „Ehre Gott und Friede den Menschen“. Wenn Gott Mensch wird, erfüllt er diese Sehnsucht der Menschen. So die Aussage der Bibel. Gott allein vermag dauerhaften Frieden zu stiften. Die aktuelle Lage der Welt gibt aber keinen Anlass zur Hoffnung auf Frieden. Es blüht nicht Frieden, sondern Krieg. Dass es trotzdem Zeichen des Friedens mitten in Kriegen und Krisen geben kann, wie die Engel es sangen, zeigt eine wahre Geschichte aus dem 1. Weltkrieg*. Ich möchte von dieser Geschichte erzählen, damit die Hoffnung auf Frieden auch in unseren Tagen wachgehalten werden kann: Seit August 1914 tobte die bis dahin schlimmste Weltschlacht, die bis 1918 über zehn Millionen Tote und zahllose

 

Verwundete mit Schäden an Leib und Seele fordern sollte. An der Westfront harrten Millionen Soldaten in den verschlammten, kalten Schützengräben aus. Im Niemandsland zwischen den feindlichen Linien lagen die Leichen der Gefallenen, teils mit Schnee bedeckt. In dieser Situation begann an Weihnachten ein deutscher Soldat „Stille Nacht“ zu singen. Andere stiegen ein, und die ganze Linie der Schützengräben sang auf einmal dieses Weihnachtslied! Hunderte Meter entfernt, auf der englischen Seite, blieb es ruhig. Die deutschen Soldaten sangen weiter, ein Weihnachtslied nach dem anderen. Dann wieder Stille. Nach einer Minute begannen die Engländer zu klatschen. Die Deutschen wünschten den Engländern „Frohe Weihnachten“ und riefen ihnen zu: „Wir schießen nicht, schießt ihr auch nicht!“ Sie meinten es so, und es geschah so. An einer anderen Stelle hatte ein westfälisches Infanterieregiment Weihnachtsbäume mitgebracht. Sie wurden mit Kerzen geschmückt und abends

 

um 21 Uhr entzündet, dazu sang man Weihnachtslieder. Man verständigte sich, nicht zu schießen, warf sich gegenseitig Lebensmittel als Geschenke zu. Man ging sogar im Niemandsland aufeinander zu und vereinbarte, zunächst einmal die Toten zu beerdigen. Das geschah dann am ersten Weihnachtstag tatsächlich an vielen Abschnitten der Front. Danach kam es an vielen Stellen im Niemandsland zu Begegnungen von Soldaten beider Seiten. Man sprach miteinander, zeigte sich gegenseitig die Fotos von der Familie daheim. Man tauschte Geschenke aus. Hier und da stellte man sogar Fußballmannschaften auf und spielte Fußball - mitten im Krieg! Ein Augenzeuge erzählte von den Soldaten hüben wie drüben, die einander nichts getan hatten und persönlich keine Feinde waren, die Eltern, Frauen und Kinder zu Hause hatten und die sich nun im Wunder der Heiligen Nacht, in der Geburtsstunde Jesu Christi, gegenseitig beschenkten und freundschaftlich die Hände drückten. Als aber das Fest vorbei ist, geht das große Schlachten weiter. Im folgenden Jahr 1915 ist Weihnachten ein Kriegstag wie jeder andere. Befehl von oben: „Jeder, der mit dem Feind Stille Nacht singt, ist sofort zu erschießen.“ Was wir altvertraut singen, war damals ein lebensgefährliches Lied! Auch in den darauf folgenden Jahren wird am Fest der Liebe unvermindert weitergekämpft. An wenigen Orten gibt es halbherzige Versuche, aber so wie 1914 wird es nie wieder, eine Wiederholung des Weihnachtsfriedens sollte unter allen Umständen verhindert werden.

 

Der Erste Weltkrieg war die Hölle. Viele weitere Kriege folgten - bis heute, wie wir es aktuell unter anderem in der Ukraine und in Israel/Palästina erleben. An nur einem einzigen Tag in diesen finsteren vier Jahren 1914-1918 kam ein Funke Hoffnung auf - und Menschlichkeit. Für einen allzu kurzen Augenblick galt das allererste Weihnachtslied: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14). Frieden ist möglich, im Kleinen wie im Großen. Wir Menschen müssen nur wollen. [*Vgl. Jürgs, Michael, Der kleine Frieden im Großen Krieg. Westfront 1914. Als Deutsche, Franzosen und Briten gemeinsam Weihnachten feierten, München, Bertelsmann, 2003.]

 

Die Patres wünschen Ihnen ein friedvolles und frohes Weihnachtsfest!

 

Euer Pfarrer Mag. Nicholas Thenammakkal

 


 

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