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19. Dezember 2021

Worte unseres Pfarrers

Gedanken von Pater Nicholas Thenammakkal im Weihachtspfarrbrief.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

Wie lange noch?

 

Es ist seltsam. Eine uralte Frage beschäftig den Menschen des 21. Jahrhunderts: »Wie lange noch?« Im historischen Kontext des Alten Testamentes ging es für die Menschen damals vor allem um die Befreiung von Unterdrückung und Fremdherrschaft. Eindringlich baten Sie Gott, er möge doch endlich seine Verheißung erfüllen. Sie sehnten sich nach Frieden, Freiheit und Glück.

 

Für die Menschen heute bedeutet diese Frage: Wie lange noch wird die Pandemie andauern? Wann kommt die Befreiung von Zwängen und Pflichten? Wann kann man wieder ein normales Leben führen?

 

Im Grunde genommen ist es die Sehnsucht der Menschen aller Zeiten. Sie wollen in Frieden leben und glücklich sein. Gott verheißt, dass er sein Volk befreien wird. Das Volk Israel erfährt immer wieder politische Freiheit. Aber das führt nicht zum dauerhaften Glück. Was Gott verheißen hat, ist nicht bloßes Glück für Israel und die Menschheit, sondern das Heil: sich selbst als das Heil, das alle glücklich machen will.

 

Israel hat nicht verstanden, dass Gott selbst das Heil ist, und dass er sich selbst den Menschen schenkt. Es verstand auch dann nicht, als der Engel Gottes dem Hirten die frohmachende Botschaft verkündet: »Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt.« (Lk 2,11-12) Dieses Kind soll das Heil sein? Ein armseliger Messias! Das ist für viele heute undenkbar. Viele können nicht verstehen, was die Scharen der Engel sangen: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.« (Lk 2,14)

 

Das ist die frohe Botschaft: Jetzt ist das Heil gekommen. Wir können glücklich werden. Es kann Friede auf Erden werden, wenn alle Menschen Gott ehren und im Frieden mit Gott einander den Frieden schenken. Die uralte Sehnsucht der Menschheit nach Freiheit, Glück und Frieden kann nur gelingen, wenn sie bereit ist, auf das Kind in der Krippe zu hören, von ihm zu lernen. Seine Botschaft ist eine Botschaft der Solidarität und Hingabe, wie sein Leben später zeigen sollte. Gott befreit uns nicht wie die Superhelden in den Filmen, sondern er hat uns Menschen die Fähigkeiten und die Fertigkeiten in die Hand gegeben, mit denen wir unserer Bedrohungen Herr werden können. Wie lange noch? Solange, wie wir bereit sind solidarisch zu handeln und den Mitmenschen selbstlos zur Seite zu stehen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein fröhliches Weihnachtsfest, den Segen des Christkindes sowie einen achtsamen Blick auf den Mitmenschen.

 

Pater Nicholas