Saturday 28. May 2022

Wie politisch ist Religion?

Die diesjährige Tagung der Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz zur Förderung des interreligiösen Dialogs hatte das sehr aktuelle Thema „Wie politisch ist Religion“ zum Inhalt und fand in hybrider Form in Salzburg statt. Während des Tages wurde unterschiedlichen Perspektiven Raum für Diskussion gegeben.

Die Religionswissenschaftlerin Dr. Magdalena Modler-Al-Abdaoui erläuterte die Politikbegabtheit der Religionen vor allem am Beispiel der persönlichen Entwicklung Jugendlicher zwischen persönlichen Anlagen und gesellschaftlichem Umfeld. Der Respekt vor religiöser Überzeugung und die Einsicht, dass rationales Denken und religiöse Praxis sich nicht ausschließen, wird vor allem von jungen Menschen stark eingefordert.
 

„Religionen sind von Natur aus politisch“, argumentierte der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler. Er erklärte das mit dem Verweis darauf, dass Religionen schon von ihren Gründungssituationen immer auf das Gemeinschaftsleben bezogen waren. Der Politiker legte auch mit Verweis auf den strukturierten Dialog der EU mit den Religionsgemeinschaften die Wichtigkeit pluraler Stimmen gerade im Schutz von Menschen- und Grundrechten dar.
 

In der Tradierung von Erzählungen der menschlichen Verletzlichkeit, so der Theologe und Philosoph Kurt Appel, gegen jede imperiale Verzweckung des Menschen liege die Zielrichtung der biblischen Überlieferungen. Dass Gott im Leidenden und nicht im Herrschenden sich zeige, sei heute so revolutionär wie zur Zeit der römischen Besatzung des Lebensraumes Jesu.
 

Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger wies bei seinem Vortrag über den sogenannten ‚Politischen Islam‘ auf dessen ambivalente Bedeutung hin, der sich etwa auch im ‚Politischen Katholizismus‘ finde. Statt Kampfbegriffen sollte seriöse wissenschaftliche Erforschung klare Benennung von extremistischen Bewegungen hervorbringen.
 

Die buddhistischen Parteinahmen in Myanmar, das Friedensengagement von Islam, Orthodoxie und Katholizismus in Bosnien und Herzegowina, religiöse Aspekte des Karabach-Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie die pentekostalen Missionsbewegungen in Westafrika vertieften den weltweiten Blick auf die Frage ‚Wie politisch ist Religion?‘
 

Khanda, Gudwara, Langar, Amritsa… was ist damit gemeint?
Am Vorabend der Tagung fand in Kooperation mit dem Bildungszentrum St. Virgil, Salzburg ein Besuch des Salzburger Gudwara (Gebetshaus) der Sikh statt.

Weltweit gehören der Sikh Religion über 25 Millionen Gläubige an. In Österreich sind es zwischen 8.000 und 10.000 Gläubige. Es ist somit die fünftgrößte Religion der Welt. Diese Weltreligion findet mit der Geburt des ersten Gurus, Guru Nanak Dev Ji, ihren Ursprung im 15. Jahrhundert, im heutigen Pakistan in Nankana Sahib.
 

In Salzburg hatten wir die Möglichkeit, an einem Gebet teilzunehmen, die Geschichte und Glaubensgrundsätze des Sikhismus kennenzulernen. Bereichernd für Kopf und Bauch, war dann auch die Speisung im Rahmen eines Langars. Das gemeinsame Essen und die Einladung an alle sind auch zentrale Elemente im Glauben der Sikhs.

Seit Dezember 2020 ist der Sikhismus in Österreich eine registrierte Bekenntnisgemeinschaft. Referatsbischof Werner Freistetter gratulierte im Namen der Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz recht herzlich zu dieser Anerkennung.



 

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