Im Mittelpunkt der Priesterweihe steht der Bischof, der als Hirte der Ortskirche das Sakrament der Weihe spendet. Ihm zur Seite steht des Regens des Priesterseminars, der die Ausbildung der Kandidaten verantwortet und ihre Eignung bezeugt. Die versammelte Gemeinde – Gläubige, Angehörige und zahlreiche Mitbrüder im priesterlichen Dienst – begleitet die Feier mit Gebet und Anteilnahme.
Die Liturgie beginnt mit dem feierlichen Einzug. Bald darauf werden die Kandidaten namentlich aufgerufen. Jeder antwortet mit einem klaren „Hier bin ich!“ – ein Ausdruck der Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen, ähnlich wie der junge Samuel in der Bibel. Nach der Bestätigung durch den Regens erklärt der Bischof: „Mit dem Beistand unseres Herrn erwählt die Kirche diese Männer zu Priestern.“ Die Gemeinde antwortet mit einem zustimmenden Lobpreis Gottes.
Nach dem Wortgottesdienst mit Lesungen, Gesängen und der Predigt des Bischofs beginnt der zentrale Weiheakt. Die Kandidaten beantworten Fragen zu ihrer Bereitschaft die Aufgaben des priesterlichen Dienstes zu erfüllen mit einem entschiedenen „Ich bin bereit!“ Sie versprechen, das Evangelium zu verkünden, die Sakramente würdig zu feiern, den Menschen beizustehen und ihr Leben Christus zu weihen. Anschließend kniet jeder Kandidat vor dem Bischof nieder und gelobt ihm und seinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam.
Ein besonders eindrucksvoller Moment ist die sogenannte Prostratio: Die Kandidaten legen sich ausgestreckt auf den Boden – eine uralte Gebetshaltung, die gleichzeitig Anbetung und Hingabe an Gott ausdrückt. Währenddessen singt die Gemeinde die Allerheiligenlitanei und bittet um Gottes Segen für die Erwählten.
Danach folgt der zentrale Ritus der Weihe: Der Bischof legt jedem Kandidaten schweigend die Hände auf – ein uraltes Zeichen der Geistübertragung. Auch alle anwesenden Priester tun dies, als Ausdruck der Aufnahme in das Presbyterium. Im feierlichen Weihegebet bittet der Bischof Gott, den Neugeweihten die Würde des Priestertums und den Geist der Heiligkeit zu schenken.
Es folgen die sogenannten Erläuternden Riten: Die Neupriester werden mit Stola und Messgewand eingekleidet – Zeichen ihres neuen Dienstes. Der Bischof salbt ihre Hände mit Chrisamöl, damit sie heilig handeln und das Opfer Christi darbringen können. Mit der Übergabe von Kelch und Patene werden sie beauftragt, die Gaben des Volkes zu empfangen und ihr Leben unter das Geheimnis des Kreuzes zu stellen. Die Umarmung des Bischofs und der Friedensgruß der Mitbrüder schließen die Weihehandlung ab.
In der anschließenden Eucharistiefeier konzelebrieren die Neupriester zum ersten Mal in ihrer neuen Rolle. Im Schlussgebet bittet der Bischof, dass die empfangene heilige Gabe allen das göttliche Leben schenke. Den feierlichen Abschluss bildet der Primizsegen: Die Neupriester wenden sich der Gemeinde zu und spenden erstmals den priesterlichen Segen – ein bewegender Moment, der ihr zukünftiges Wirken als Seelsorger ankündigt.
Weihbischof Stephan Turnovszky: Meine Priesterweihe war der Beginn eines Abenteuer!