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19.01.2026

Heilige Agnes (21. Jänner)

Der Name Agnes stammt aus dem Griechischen und bedeutet „rein“ oder „keusch“. Für die Geschichtsforschung ist er weniger als historischer Eigenname denn als ehrender Beiname zu verstehen, der auf eine der am frühesten und innigsten verehrten Märtyrerinnen der Kirche verweist. Ihr Leben fällt in eine Zeit erbitterter Christenverfolgung, wahrscheinlich in das Jahr 304 während der Regierung Kaiser Diokletians – auch wenn einzelne Forscher eine frühere Datierung unter Kaiser Valerian nicht ausschließen. Über das Leben der Agnes ist kaum etwas überliefert; im Mittelpunkt aller Quellen steht ihr Martyrium, das in später entstandenen Texten in unterschiedlichen Varianten beschrieben wird.

 

Zwischen Hass und Gnade

Nach der Überlieferung beginnt die Leidensgeschichte mit der verschmähten Liebe des Sohnes des römischen Präfekten. Agnes ist kaum dreizehn Jahre alt und lehnt die Verbindung entschieden ab, da sie Christus ein Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt hat. Als der Präfekt davon erfährt, schlägt persönliche Kränkung in offene Verfolgung um. Um sie zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwingen, soll Agnes zunächst in den Kult der Vestalinnen eingegliedert werden, die den römischen Staatsgöttern dienten. Doch auch dieses Angebot weist das Mädchen zurück.

 

Die Strafen werden daraufhin immer grausamer. Agnes wird öffentlich gedemütigt und in ein Bordell gebracht, wo sie zur Schau gestellt werden soll. Die hagiographischen Berichte betonen jedoch, dass sie auch dort unter göttlichem Schutz steht und ihre Reinheit bewahren kann – ein Zeichen für die Macht Gottes mitten in der Gewalt der Menschen.

 

Wie ein Lamm geopfert

Der Zorn gegen das junge Mädchen steigert sich weiter. Agnes wird zum Tod verurteilt, zunächst durch Verbrennen. Doch die Flammen fügen ihr keinen Schaden zu. Schließlich wird sie durch einen Schwerthieb an der Kehle getötet – eine Hinrichtungsweise, die an das Schlachten von Lämmern erinnert. Daher zeigt die christliche Bildtradition die heilige Agnes fast immer mit einem Lamm an ihrer Seite, Symbol für ihre Unschuld, aber auch für ihre Nachfolge Christi.

Bis heute lebt diese Symbolik in der Liturgie weiter: Jedes Jahr am 21. Januar werden zwei Lämmer gesegnet, die von den Schwestern der Heiligen Familie von Nazareth aufgezogen werden. Aus ihrer Wolle werden die Pallien gefertigt, jenes liturgische Gewand, das der Papst am 29. Juni den neu ernannten Metropolitenerzbischöfen überreicht.

 

Zeugnis übernatürlicher Tugend

Im Herzen Roms wurde über der Stätte des Martyriums der Hl. Agnes die prachtvolle Kirche Sant'Agnes in Agone auf der Piazza Navona errichtet.

Die Reliquien der heiligen Agnes ruhen in einer kostbaren silbernen Urne, die auf Veranlassung von Papst Paul V. angefertigt wurde. Sie befindet sich in der Basilika Sant’Agnese fuori le mura an der Via Nomentana, die über den Katakomben errichtet wurde, in denen Agnes begraben war. Der Bau geht auf Prinzessin Constantina zurück, eine Tochter Kaiser Konstantins des Großen.

 

Der Kirchenvater Ambrosius fasste die Bedeutung der jungen Märtyrerin in eindrucksvolle Worte: Ihre Hingabe übersteige ihr junges Alter, ihre Tugend sei mehr als menschlich. So erscheine ihr Name nicht als Ergebnis menschlicher Wahl, sondern als prophetische Vorwegnahme ihres Martyriums und dessen, wozu sie bestimmt war.