Die Männer arbeiteten als Gastarbeiter in Libyen. Zwanzig von ihnen stammten aus Ägypten, dreizehn aus dem Dorf El-Or (Al-Aour) im Gouvernement al-Minya; ein weiterer kam aus Ghana. Im Dezember 2014 und Januar 2015 wurden sie bei Überfällen der islamistischen Gruppe Ansar al-Scharia entführt, die sich dem IS angeschlossen hatte. Berichten zufolge wurden die Gefangenen rund 40 Tage festgehalten. Man versuchte, sie unter Druck und Misshandlungen zum Übertritt zum Islam zu bewegen. Sie weigerten sich.
Am 15. Februar 2015 veröffentlichten die Täter ein etwa fünfminütiges Video unter dem Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“. Es zeigt die Gefangenen in orangefarbenen Overalls, bewacht von schwarz gekleideten Kämpfern, an einem Mittelmeerstrand. Nach einer Drohbotschaft an den Westen werden die Männer enthauptet. Augenzeugenberichten zufolge bekannten sich mehrere der Opfer im Moment des Todes zu Christus; einer rief „Herr Jesus“. Der ghanaische Gefangene soll angesichts des Glaubenszeugnisses der anderen erklärt haben: „Ihr Gott ist mein Gott.“ In der kirchlichen Überlieferung wird dies als Hinweis auf eine sogenannte Bluttaufe verstanden.
Fachleute stuften das Video als authentisch ein. Es war das erste öffentlich verbreitete Verbrechen des libyschen IS-Ablegers. Ägypten reagierte mit Luftangriffen auf IS-Stellungen. Die renommierte al-Azhar-Universität in Kairo verurteilte die Tat als mit keiner Religion vereinbar.
Bereits eine Woche nach ihrem Tod nahm der koptisch-orthodoxe Patriarch Tawadros II. die 21 Männer in das Synaxarium, das Märtyrerverzeichnis der koptischen Kirche, auf. Ihr Gedenktag ist der 15. Februar. Im September 2017 wurde das Massengrab der Männer nahe Sirte entdeckt; DNA-Analysen bestätigten ihre Identität. 2018 wurden die sterblichen Überreste nach El-Or überführt. Dort entstand auf Initiative des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi eine ihnen geweihte Kirche, die „Kirche der Märtyrer des Glaubens und des Vaterlands“, heute Ziel von Pilgern aus dem In- und Ausland. Ein Zeichen der Verbundenheit setzte 2016 der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, der die Familien der Ermordeten in Ägypten besuchte. Er zeigte sich tief beeindruckt vom Glaubenszeugnis der Märtyrer und von der Haltung der Angehörigen, die ihren Schmerz aus dem Glauben heraus trugen.
Papst Franziskus würdigte die Getöteten wiederholt als „Heilige aller Christen“. Am 11. Mai 2023 kündigte er bei einem Treffen mit Tawadros II. im Vatikan an, die 21 Märtyrer in das Römische Martyrologium aufzunehmen. Die liturgische Verehrung der koptischen Märtyrer ist damit auch in der katholischen Kirche möglich. Die Aufnahme nicht-katholischer Glaubenszeugen in das Martyrologium ist selten und gilt als starkes Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Bereits 1973 hatten Paul VI. und Schenuda III. einen grundlegenden theologischen Konsens zwischen der katholischen und der koptisch-orthodoxen Kirche bekräftigt.
Die 21 Märtyrer von Sirte gelten heute als Glaubenszeugen über Konfessionsgrenzen hinweg. Ihr standhaftes Bekenntnis im Angesicht des gewaltsamen Todes wird von Christen unterschiedlicher Traditionen als Zeugnis der Treue zu Christus verstanden. Ihr Gedenktag am 15. Februar erinnert an ihr Martyrium und mahnt zugleich zur Solidarität mit verfolgten Christen weltweit.