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16.02.2026

Polykarp von Smyrna (26. Februar)

Bischof von Smyrna, Märtyrer, Apostolischer Vater

geboren um um 70 nach Chr.  gestorben  155/156 (nach anderer Überlieferung 167) in Smyrna, heute İzmir

 

Polykarp von Smyrna war in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts Bischof von Smyrna in Kleinasien. Er gilt als Schüler des Apostels Johannes und steht damit an der Schwelle zwischen apostolischer Zeit und der sich festigenden kirchlichen Ordnung des 2. Jahrhunderts. Aufgrund seines hohen Alters von 86 Jahren sah man in ihm ein lebendiges Bindeglied zwischen den Aposteln und der nachfolgenden Generation. Polykarp stand in Verbindung mit bedeutenden Gestalten der Alten Kirche. Mit Ignatius von Antiochien traf er wohl um 116 zusammen; Ignatius richtete einen eigenen Brief an ihn. Irenäus von Lyon, der aus Smyrna stammte, berichtet, er habe als Kind Polykarps Predigten gehört und sich lebhaft an dessen Auftreten erinnert.

 

Als Vertreter der kleinasiatischen Kirchen reiste Polykarp nach Rom und begegnete dort dem Bischof Anicetus. Anlass war der Streit um den Termin des Osterfestes. Polykarp hielt an der kleinasiatischen Quartodezimaner-Tradition fest, Anicetus an der römischen Praxis. Trotz unterschiedlicher Auffassungen blieben beide in kirchlicher Gemeinschaft und feierten gemeinsam die Eucharistie.Zeitgenossen schildern Polykarp als „Fels in der Brandung“, als glaubensfesten Hirten in einer Zeit innerkirchlicher Auseinandersetzungen. Er trat gegen gnostische Strömungen auf, insbesondere gegen Anhänger des Markionismus und der valentianischen Lehre. Sein Anliegen war die Einheit der Gemeinde und die Treue zur apostolischen Überlieferung.

 

Martyrium

Während einer lokalen Christenverfolgung in Smyrna wurde der hochbetagte Bischof verhaftet. Der Überlieferung nach hatte er Gelegenheit zur Flucht, verzichtete jedoch darauf. Seinen Häschern soll er sogar ein Mahl bereitet haben.

Im Stadion von Smyrna wurde er dem Prokonsul vorgeführt und aufgefordert, Christus zu verleugnen und dem Kaiser zu opfern. Seine Antwort ist überliefert: „Sechsundachtzig Jahre diene ich ihm, und er hat mir kein Unrecht getan; wie kann ich meinen König lästern, der mich erlöst hat?“ Da die Tierhetzen bereits beendet waren, verurteilte man ihn zum Feuertod. Nach der Legende umgab ihn das Feuer wie ein Gewölbe, ohne ihn zu verbrennen; ein Wohlgeruch sei aufgestiegen. Schließlich wurde er mit einem Dolch getötet. Sein Tod wird – je nach Datierung – auf 155/156 oder 167 angesetzt. Die Christen bestatteten seinen Leichnam und begingen fortan jährlich den Gedenktag an seinem Grab. Der Bericht über sein Martyrium, das Martyrium Polycarpi, gehört zu den frühesten Märtyrerakten der Kirche.

 

Werk

Erhalten ist der „Brief an die Philipper“. Darin mahnt Polykarp zu Standhaftigkeit im Glauben, zu Nüchternheit, Bruderliebe und Gebet auch für Verfolger und Obrigkeit. Der Brief bezeugt die enge Verbundenheit mit der paulinischen Tradition und zählt zu den Schriften der sogenannten Apostolischen Väter.

 

Polykarp wird als Märtyrer und Apostolischer Vater in Ost und West verehrt. Sein traditioneller Gedenktag ist der 23. Februar; im römischen Kalender wird er am 26. Januar gefeiert. Reliquien befinden sich unter anderem in Rom, Paris und auf Malta. In der Kunst wird er als Greis dargestellt, häufig mit Flamme oder Dolch, Zeichen seines Martyriums.

Er gilt als Patron gegen Ohrenleiden.

 

Polykarp steht exemplarisch für die Treue zur apostolischen Überlieferung in einer Zeit theologischer Auseinandersetzungen und beginnender Verfolgungen. Als Schüler der Apostel, als Bischof und als Märtyrer verbindet er die Frühzeit der Kirche mit der sich formierenden kirchlichen Struktur des 2. Jahrhunderts. Seine Standhaftigkeit im Martyrium machte ihn zu einer der prägenden Gestalten der Alten Kirche.