Als 476 das Weströmische Reich untergeht, versinkt Europa im Umbruch. Nur wenige Jahre später besteigt ein Mann den Stuhl Petri, der wie kaum ein anderer für Standhaftigkeit steht: Felix III., Papst von 483 bis 492.
Er stammt aus römischem Senatsadel – eine Premiere. Bevor er Kleriker wird, ist er verheiratet und Vater von Kindern; später wirkt er als Diakon an der San Paolo fuori le Mura. Aus seiner Familie geht sogar ein weiterer Großer hervor: Gregor der Große ist sein Urenkel.
Politisch beginnt seine Amtszeit heikel. Gewählt unter dem Einfluss des germanischen Königs Odoaker, erkennt Felix den oströmischen Kaiser an – doch Harmonie währt nicht lange.
In Konstantinopel versucht Kaiser Zenon mit dem „Henotikon“ einen theologischen Kompromiss zwischen verfeindeten Lagern zu erzwingen. Für Felix ist das Verrat an der Wahrheit des Konzil von Chalkedon. Er fordert Klarheit statt Diplomatie – und geht zum Äußersten: 484 bannt er den Patriarchen Akakios von Konstantinopel.
Die Antwort folgt prompt. Auch Felix wird aus den kirchlichen Verzeichnissen gestrichen. Es kommt zum Akakianischen Schisma, der ersten großen Spaltung zwischen Ost- und Westkirche – ein Bruch, der 35 Jahre dauert.
Felix kämpft nicht nur mit Worten. Er setzt sich für die von arianischen Vandalen verfolgten Christen Nordafrikas ein und regelt ihre Wiederaufnahme in die Kirche. Vor allem aber formuliert er einen kühnen Gedanken: In Glaubensfragen steht der Kaiser nicht über der Kirche. Der Herrscher soll sich dem göttlichen Gesetz beugen – nicht umgekehrt.
Als Felix am 1. März 492 stirbt, wird er in San Paolo fuori le Mura bestattet. Zurück bleibt das Bild eines Papstes, der in einer Zeit politischer Unsicherheit klare Linien zog – und damit die Unabhängigkeit des Papsttums gegenüber weltlicher Macht entscheidend prägte.