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16.02.2026

Agnes von Böhmen – Die Königstochter, die alles aufgab (2. März)

Prag, 1211. In der Burg wird eine Prinzessin geboren – Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. Přemysl. Ihr Leben scheint vorgezeichnet: Macht, Heiratspolitik, europäische Bündnisse. Doch Agnes sollte Europas Fürsten überraschen.

Mit drei Jahren wird Agnes verlobt und ins schlesische Kloster gegeben. Kaum ist der erste Bräutigam tot, folgen neue Pläne: eine Verbindung mit dem späteren Kaiser, dann mit dem englischen König. Selbst Friedrich II. soll um ihre Hand angehalten haben. Für eine böhmische Prinzessin des 13. Jahrhunderts wäre das der Gipfel politischer Karriere gewesen. Aber Agnes sagt Nein.

 

Nicht aus Trotz – sondern aus Überzeugung. Sie ist tief beeindruckt vom Leben ihrer Cousine Elisabeth von Thüringen, die als Fürstin den Armen diente. Und sie steht im Briefwechsel mit Klara von Assisi, der radikalen Gefährtin des heiligen Franziskus. Das Ideal der Armut, der Hingabe und der Freiheit für Gott ergreift sie. Nach dem Tod ihres Vaters nutzt sie die neue Freiheit unter ihrem Bruder, König Wenzel I.. 1232 gründet sie in Prag ein Spital für Arme – nicht als höfisches Prestigeprojekt, sondern als echte Zuflucht für Kranke, Heimatlose und Ausgestoßene. Daneben entsteht ein Klarissenkloster.

 

1234 legt Agnes öffentlich ihre Krone ab. Vor versammeltem Adel tauscht sie Seide gegen Ordenskleid. Europa staunt.

Papst Gregor IX. ernennt sie zur Äbtissin ihres Klosters. Doch bald kommt es zum Konflikt: Agnes will kompromisslose Armut – keinen Besitz, keine Sicherheiten. Rom fürchtet die Radikalität der Armutsbewegung. Als man sie zu Zugeständnissen drängt, verzichtet sie lieber auf ihr Amt. Sie bleibt im von ihr gegründeten Agneskloster – nicht als Herrin, sondern als „ältere Schwester“. Aus ihrer Spitalgemeinschaft entsteht der Orden der Kreuzherren mit dem Roten Stern – der einzige Orden böhmischen Ursprungs, der übrigens auch an der Wiener Karlskirche wirkt.

 

Rund um das Kloster wachsen Hospitäler, Waisenhäuser und Zufluchtsstätten. Prag erhält ein geistliches Zentrum von europäischer Bedeutung. Und doch bleibt Agnes keine weltfremde Klausurschwester. Hinter Klostermauern vermittelt sie zwischen ihrem Bruder Wenzel und dessen ehrgeizigem Sohn Ottokar II. Přemysl. Ihr Rat hat politisches Gewicht. Ihr Kloster wird Grablege der Přemysliden und Symbol böhmischer Identität. Als sie 1282 stirbt, weint Prag tagelang um „unsere heilige Frau“. Doch Kriege, Wirren und die Hussitenzeit verhindern ihre offizielle Heiligsprechung. Ihre Gebeine gehen verloren.

 

Erst 1874 wird sie seliggesprochen. Und dann geschieht etwas, das viele bis heute bewegt: Am 12. November 1989 spricht Johannes Paul II. sie in Rom heilig. Tausende Tschechen pilgern dorthin – ein stilles Zeichen gegen das kommunistische Regime. Fünf Tage später beginnt in Prag die Samtene Revolution. Viele empfanden es als Fügung. Agnes von Böhmen bleibt das leuchtende Bild einer Frau, die alles haben konnte – und alles losließ. Eine Prinzessin, die ihre Krone niederlegte, um den Ärmsten zu dienen – und damit unsterblich wurde.