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16.02.2026

Sel. Liberatus Weiß – Ein Oberpfälzer mit österreichischem Herz (3. März)

Geboren 1675 in Konnersreuth in der Oberpfalz, fand Johannes Laurentius Weiß seine geistliche Heimat nicht in Bayern, sondern in Österreich. Mit 18 Jahren trat er in Graz in den Franziskanerorden ein . Dort nahm er den Ordensnamen Liberatus an, „der Befreite“.

 

In der Steiermark, wurde sein Weg geprägt. Hier lernte er franziskanische Armut, Predigt und Seelsorge. Hier reifte auch sein Missionswunsch. 1698 empfing er in Wien die Priesterweihe – ein junger Ordensmann der österreichischen Franziskanerprovinz, bereit für Größeres. Ab 1703 wirkte er als Prediger in Graz. Doch sein Blick ging weiter – bis nach Afrika. Als die Propaganda Fide in Rom Missionare für Äthiopien suchte, meldete sich Liberatus freiwillig. Die Initiative war eng mit dem habsburgischen Raum verbunden; viele der Missionare kamen aus österreichischen Konventen. Österreich wurde zur Drehscheibe dieser kühnen Unternehmung.

 

1704 brach er auf. Die Reise führte über Ägypten und den Sudan – und endete zunächst in Gefangenschaft. Jahre der Zwangsarbeit im Sudan, Hunger, Krankheit. Von zehn Missionaren überlebten nur drei. Liberatus war einer von ihnen. Er hätte nach Graz zurückkehren können. Stattdessen schrieb er Berichte nach Rom – und erhielt den Auftrag, es noch einmal zu versuchen. 1711 brach er erneut auf, 1712 erreichte er Gonder in Äthiopien. Dort lernte er die Sprache, unterrichtete, pflegte Kranke, baute ein kleines Hospital. Doch die Erinnerung an frühere gewaltsame Missionsversuche hatte das Land misstrauisch gemacht. Unter Kaiser David III. wuchs der Widerstand gegen jede Annäherung an Rom. Als Liberatus eine kirchliche Wiedervereinigung ins Gespräch brachte, kam es zur Revolte. Die Missionare wurden verhaftet.

 

Das Urteil: Tod durch Steinigung.

Noch einmal bot man ihnen Rettung an – wenn sie sich den religiösen Gebräuchen des Landes unterordneten. Liberatus, der in Österreich Gehorsam gelernt hatte, blieb seinem Gewissen treu. Am 3. März 1716 starb er als Märtyrer.

Sein Andenken lebt besonders im österreichischen Franziskanertum weiter. Im Kloster Maria Lankowitz in der Steiermark hängt bis heute ein barockes Ölbild, das ihn zeigt. In Graz erinnert man sich an den jungen Ordensmann, der von hier aus in die Welt zog.

 

Am 20. November 1988 sprach Johannes Paul II. ihn selig – und würdigte zugleich kritisch die Missionsgeschichte der frühen Neuzeit. So verbindet Liberatus Weiß Bayern, Österreich und Äthiopien. Geprägt in Graz, geweiht in Wien, gestorben in Afrika – ein österreichisch geformter Missionar, der seinem Glauben treu blieb bis zuletzt.