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16.02.2026

Jeremija – Der Prophet des zerbrochenen Landes (1. Mai)

In den Kartagen erklingen im Stundengebet seine Klagelieder. Auf zahlreichen Darstellungen wird er kllagender Gottesknecht gezeichnet. Am 1, Mai feiert die Kirche seinen Gedenktag: Jeremija aus Anathot

In einem kleinen Dorf namens Anathoth bei Jerusalem wurde Jeremija um 650 v. Chr. geboren. Schon im Mutterleib war er von Gott erwählt, eine Botschaft zu überbringen, die ihm später das Leben schwer machen sollte. Als Sohn des Priesters Hilkija wuchs er in einem Umfeld von Glauben und Ritualen auf, doch seine Bestimmung lag weit über dem Alltag eines Priestersohns.

 

Die Berufung

Im Jahr 627 v. Chr. – Jeremija war ein junger Mann – erhob Gott seine Stimme: „Bevor du geboren wurdest, habe ich dich gekannt; bevor du aus dem Mutterleib kamst, habe ich dich geheiligt.“ Er solle die Menschen mahnen, umzukehren, warnen vor Unrecht und Götzendienst. Jeremia zögerte, fühlte sich zu jung und unerfahren, doch Gottes Zuspruch machte ihn stark: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir.“ Er trat in Jerusalem auf, zu den Königen, Priestern und dem Volk. Er warnte, dass der Hochmut der Mächtigen, die Ungerechtigkeit der Reichen und der Götzendienst des Volkes das Land ins Verderben führen würden. Doch statt Anerkennung erntete er Hass: Man versuchte ihn zu töten, sperrte ihn ein, verhöhnte ihn.

 

Die Last der Botschaft

Jeremija fühlte sich oft allein. „Warum musste ich geboren werden?“, klagte er zu Gott. Die Worte, die er überbrachte, schienen ins Leere zu fallen. Doch in seinen Visionen sah er Hoffnung: Ein neuer Bund sollte kommen, die Herzen des Volkes würden sich wieder öffnen. Zwischen Verzweiflung und Vertrauen kämpfte Jeremija mit seinem Auftrag, den er als unerträgliche Last empfand. Jeremija verkündete nicht nur mit kraftvollen Worten, sondern durch eindrucksvolle Zeichen: Einen zerbrochenen Krug zeigte er dem Volk, um die bevorstehende Zerstörung Jerusalems zu veranschaulichen. Einen Feldkauf in Anathoth tätigte er mitten in der politischen Krise – ein Symbol, dass Israel trotz Katastrophen eine Zukunft haben würde. Er schrieb Briefe an die Verschleppten nach Babylon, mahnte sie zur Geduld: Das Exil würde 70 Jahre dauern, und die Rückkehr in die Heimat käme erst danach.

 

Zerstörung und Exil

587 v. Chr. fiel Jerusalem. Die Stadt brannte, der Tempel wurde zerstört, die Elite nach Babylon verschleppt. Jeremija blieb bei den Verbliebenen, warnte vor falschen Propheten und riet, sich in der Fremde ein Leben aufzubauen. Doch Angst und Hass gegen ihn ließen die Menschen fliehen – schließlich wurde er selbst nach Ägypten gezwungen. Dort lebte er isoliert, und die Überlieferung berichtet, dass er um 580 v. Chr. gesteinigt wurde.

 

Die Botschaft, die bleibt

Jeremijas Leben ist ein Spiegel des Spannungsfeldes zwischen Gericht und Hoffnung: Gottes Gerechtigkeit trifft das Unrecht, doch Heil bleibt möglich für die, die umkehren. In seinen Worten und Zeichen lebt diese Botschaft weiter – von der Zerstörung Jerusalems bis zu den Versprechen eines neuen Bundes. Sein Bildwort vom Töpfer verdeutlicht dies: Wie der Töpfer den Ton formt, so formt Gott das Schicksal seines Volkes. Jeremija war der Zeuge, der die Menschen mahnte, trotz Gewalt und Widerstand auf Gottes Führung zu vertrauen.