Christentum ist über weite Strecken eine "Festtagsspiritualität". Unter der Woche drücken uns Belastungen hinunter und erst am Wochenende gelingt es uns, wieder "aufzutauchen". Wenn es gut geht, schaffen wir am Sonntag den Gottesdienst – eine Stunde Seele baumeln lassen. Doch Gott im Alltag? Seltenheitswert!
Den heiligen Ignatius von Loyola hat es sehr beschäftigt, warum wir Menschen uns so schwer tun, Gott im Alltag zu finden. Seine Diagnose: Gott schickt uns zwar untertags Liebesbotschaften, doch wir sind so mit uns beschäftigt – mit Projekten, Wünschen, Enttäuschungen –, dass wir Gottes sanften Anruf kaum wahrnehmen können.
Zur Freilegung einer "Alltagsspiritualität" hat Ignatius eine verblüffend einfache Therapie vorgeschlagen – das tägliche "Gebet der liebenden Aufmerksamkeit": Fünfzehn Minuten in Stille einen Rückblick wagen, die Erfahrungen des vergangenen Tages vergegenwärtigen und die göttliche Spur in ihm entdecken!
Gott kommt mitten im Leben vor. Um dieser Gegenwart aber inne zu werden, muss man Gott "hervorkommen" lassen, indem man die Stationen des Tags sorgsam betrachtet!