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03.02.2014

Caritas startet Kinderkampagne 2014 mit Schwerpunkt Rumänien

"Jedes zweite rumänische Kind lebt in Armut". 82.000 elternlose Kinder registriert.

Die Caritas startet ihre Kinderkampagne 2014 mit dem Schwerpunktland Rumänien. Caritaspräsident Michael Landau, der in der vergangenen Woche einen Lokalaugenschein in Rumänien unternahm und dort Caritas-Einrichtungen besuchte: Im Osten Europas wie in Rumänien gebe es zahlreiche Kinder, "die völlig auf sich allein gestellt sind, weil sie flüchten mussten oder weil sie ohne ihre Eltern unter entsetzlichen Verhältnissen überleben müssen", so Landau, der zur Unterstützung für die Not leidenden Kinder aufrief.

 

200 Euro im Monat für eine fünfköpfige Familie

Etwa für die achtjährige Adelina und ihre drei Geschwister aus Rumänien: Seit dem Tod des alleinerziehenden Vaters ist die 60jährige Großmutter alleine für die Kinder verantwortlich. Die fünfköpfige Familie hat knapp 200 Euro im Monat und lebt in einem kleinen Häuschen ohne Heizung, Bad und Toilette. Im Caritas-Tageszentrum bekommt Adelina jetzt täglich ein Mittagessen und Unterstützung bei den Hausaufgaben.

 

"Die Geschichte des Mädchens hat mich sehr berührt. Und doch ist sie nur eine von ganz vielen", so Michael Landau. "Trotz des Rückgangs der Armutsrate und sozialer Ausgrenzung ist Rumänien heute nach wie vor eines der ärmsten Länder Europas. Kinder haben das höchste Armutsrisiko: Jedes zweite rumänische Kind lebt in Armut".

 

Flucht vor der Armut

Der Großteil der rumänischen Bevölkerung lebt von wenig mehr als dem Mindesteinkommen von 188 Euro im Monat. Immer mehr Rumänen sehen sich deshalb gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Aktuell leben etwa drei Millionen rumänische Staatsangehörige im Ausland. Eine Katastrophe für die Kinder, die zurückbleiben. Anfang 2013 wurden 82.000 elternlose Kinder registriert. Für Kinder, die von Migranten zurückgelassen wurden, Kinder in Heimen, Kinder mit Behinderung, Romakinder und Kinder aus abgelegenen ländlichen Gebieten und aus städtischen Slums gibt es im armen Rumänien kein soziales Netz, das sie auffangen könnte. Hier finden sich Formen von Unterernährung und Bildungsmangel, vergleichbar mit Gebieten in Afrika südlich der Sahara.

 

Kinder von Armut besonders betroffen

Die Einrichtungen der Caritas sind für viele Kinder oft die einzige und letzte Anlaufstation. "Kinder sind von Armut, Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit immer besonders stark betroffen. Sie sind solchen Einflüssen fast schutzlos ausgeliefert: Kinder können sich nicht gegen Gewalt wehren. Sie werden bei Unterernährung rascher krank. Sie können kaum etwas gegen ihre Notsituation unternehmen. Damit brauchen Kinder unseren Schutz und ganz spezielle Hilfe", betonte Landau.

 

Bildung sei der Schlüssel für eine nachhaltig wirksame Entwicklung und ein möglicher Weg aus der Armut. Die Kombination aus Schulbesuch und täglicher Mahlzeit, die in vielen Caritas-Projekten angeboten wird, sei für die Eltern eine große Hilfe: Ihre Kinder könnten die Schule besuchen und die Kostenersparnis von zumindest einer Mahlzeit täglich sei für viele eine unglaubliche Erleichterung. Um Kindern das Aufwachsen in ihrer eigenen Familie zu ermöglichen und damit die Institutionalisierung der Kinder zu verhindern, werden familienunterstützende Maßnahmen umgesetzt.

 

80 Caritas-Projekte in Rumänien

Die Caritas hilft in Rumänien in 80 Projekten. In Alba Iulia etwa betreibt die Caritas im Auftrag des Staates zwei familienähnliche Einrichtungen für Kinder und Jugendliche zwischen drei und 26 Jahren, die aus verschiedenen sozialen Gründen keine Familie haben oder unter sehr schwierigen Bedingungen leben. Das Ziel: Die jungen Bewohner auf ein selbständiges Leben vorzubereiten.

 

In Ardud ist die Caritas Satu Mare seit 23 Jahren tätig. Was als Kindergarten für Roma begonnen hat, ist mittlerweile auch ein Schülerhort. Integrettto ist ein Integrationsprojekt: Das Integrationszentrum richtet sich nicht mehr ausschließlich an Kinder aus der Romagemeinschaft, sondern an alle Kinder aus Ardud, die in einer schwierigen sozialen Situation aufwachsen. Damit werden Gegensätze überwunden und Integration gefördert.

 

Armut in Osteuropa

In Rumänien, Bulgarien und Armenien lebt heute jedes zweite Kind in Armut, in der Ukraine und Ungarn jedes dritte, in der Republik Moldau jedes vierte Kind. Kinder am Land sind stärker von Armut betroffen, als Kinder in städtischen Gebieten. Rund 1,3 Millionen Kinder in Mittel- und Osteuropa sind noch immer in staatlichen Heimen untergebracht, wodurch sie zu den am stärksten verwundbaren Kindern in der Region zählen. 600.000 von ihnen leben noch immer in staatlichen Großheimen. Die Caritas unterstützt in den Ländern Ost-und Mitteleuropas derzeit ca. 500 Projekte und Hilfsprogramme.