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01.10.2014

Notwendig: eine sensible Seelsorge

Familienpastoral: mehr als die Summe der Ge- und Verbote.

"Sie ist eine anspruchsvolle Reise, manchmal schwierig, auch konfliktvoll, aber so ist das Leben": Was Papst Franziskus kürzlich bei der Trauung von 20 Paaren über die Ehe sagte, gilt wohl auch für das Leben als Familie. Die Ehe stehe für die Familie, sagte der Papst. „Unschätzbar ist die Kraft, das Aufkommen an Menschlichkeit, das in einer Familie vorhanden ist: die gegenseitige Hilfe, die erzieherische Begleitung, die Beziehungen, die mit den Menschen mitwachsen, das Teilen der Freuden und Schwierigkeiten“. Damit hat Franziskus in aller Kürze das Programm der ab 5. Oktober stattfindenden außerordentlichen Bischofssynode umschrieben.


Als gleichsam Reisebegleiterin seit fast 2000 Jahren versteht sich die Kirche mit ihren lebensdienlichen Äußerungen zu Ehe und Familie, die mehr sein wollen als eine Summe von Ge- und Verboten. Die jetzige außerordentliche Bischofssynode über die „Pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“ kennt die großen Nöte. Im Arbeitspapier ( "Instrumentum laboris") mit 159 Artikeln wird nach dem Plan Gottes für Ehe und Familie (im Licht der biblischen Botschaft und in den Dokumenten der Kirche) die „Familienpastoral angesichts neuer Herausforderungen“ behandelt.
Solche Herausforderungen sind u. a.  die "Krise des Glaubens", die "kritischen Situationen innerhalb der Familie“ sowie der "externe Druck auf die Familien", etwa die Auswirkung der Berufstätigkeit auf die Familie, Migration, Armut und Kampf um den Lebensunterhalt, Konsumismus und Individualismus, die den Ehen und Familien zu schaffen machen.

 

Familien in der Krise?

Schon in "Evangelii gaudium" (Nr. 66) schrieb Papst Franziskus: "Die Familie macht eine tiefe kulturelle Krise durch wie alle Gemeinschaften und sozialen Bindungen. Im Fall der Familie wird die Brüchigkeit der Bindungen besonders ernst, denn es handelt sich um die grundlegende Zelle der Gesellschaft."


Zur Vorbereitung der Synode hatte der Vatikan im November 2013 einen Fragenkatalog an die Ortskirchen weltweit versandt. Die 39 Fragen richteten sich an die Bischöfe, die sie an die Kirchenbasis weitergeben sollten. Allein in den österreichischen Diözesen gingen 34.000 Stellungnahmen ein, die die Bischofskonferenz im Jänner 2014 nach Rom brachte. Aus den weltweiten Antworten auf den Fragebogen gehe die allgemeine "Überzeugung hervor, dass sich hinter den Situationen, die als schwierige Zeiten der Ehe bezeichnet werden können, Geschichten großen Leids, aber auch Zeugnisse echter Liebe verbergen", heißt es im römischen Arbeitspapier. Es formuliert im Hinblick auf die sogenannten "irregulären Situationen": Immer notwendiger werde auch eine „sensible Pastoral, die vom Respekt vor diesen irregulären Situationen geleitet wird und in der Lage ist, die Erziehung der Kinder wirksam zu unterstützen".

 

Situation der wiederverheirateten Geschiedenen

Eine solche irreguläre Situation ist die der wiederverheirateten Geschiedenen. In seinem Referat vor den versammelten Kardinälen im Februar 2014 hat Kardinal Walter Kasper keine fertigen Lösungen vorgelegt, sondern "Fragen gestellt" (als Buch: "Das Evangelium von der Familie"). Damals forderte Kasper im Blick auf das drängende Problem der wiederverheirateten Geschiedenen, einen Weg jenseits von Rigorismus und Laxismus zu finden. Von der Bischofssynode erwartet sich Kasper einen Meinungsaustausch über die Frage eines Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene. Zu diesem Meinungsaustausch trägt auch ein anderes Buch bei: Anfang Oktober erschien "In der Wahrheit Christi bleiben – Ehe und Gemeinschaft in der katholischen Kirche", ein Buch der "Kardinals-Autoren" Brandmüller, Burke, Caffarra, De Paolis und Müller.