Katholische Bischöfe aus allen Erdteilen haben zum Abschluss einer zweiwöchigen Sonderversammlung im Vatikan ihre Unterstützung für die christlichen Familien zum Ausdruck gebracht. In einer von rund 190 Oberhirten aus mehr als 120 Ländern mit breiter Mehrheit beschlossenen "Botschaft" wird die Bedrohung der Familie durch einige Tendenzen der modernen Gesellschaft beklagt. Dazu gehören nach Meinung der Bischöfe "die Schwächung des Glaubens und der Werte, der Individualismus, die Verarmung der Beziehungen und ein frenetischer Stress, der das Nachdenken ausschließt".
In dem drei Seiten langen Text bringen die Bischöfe ihre besondere Solidarität mit Familien in materiellen und anderen existenziellen Notlagen zum Ausdruck. Zugleich sprechen sie voller Bewunderung von den Ehepaaren und Familien, die allen Bedrohungen und Problemen zum Trotz ihre Berufung als christliche Familien leben.
An zwei Stellen geht der Text auf die Ursachen und Konsequenzen von ehelicher Untreue und Scheidungen ein. An eine Stelle heißt es: "Nicht wenige Ehekrisen werden oft überhastet und ohne den Mut zur Geduld, zum gegenseitigen Verzeihen, zur Versöhnung und auch zum Opfer angegangen. Scheitern führt auf diese Weise zu neuen Beziehungen, neuen Paarbildungen, neuen Vereinigungen und neuen Eheschließungen. Dies bringt Familiensituationen hervor, die komplex sind und Christen vor problematische Entscheidungen stellen."
An anderer Stelle erwähnen die Bischöfe, dass sie bei ihrer Synodenversammlung auch über die "seelsorgerische Begleitung und die Sakramentenzulassung der wiederverheiratet Geschiedenen" nachgedacht haben. Ausgangspunkt für diese Reflexion sei der Gedanke gewesen, dass Christus in der Feier der heiligen Messe "sich uns allen hingibt, die wir unterwegs sind zu unserem endgültigen Ziel". Das Ergebnis der Überlegungen ist nicht Thema der Botschaft.
Nicht ausdrücklich erwähnt werden in dem Papier Menschen, die in homosexuellen Beziehungen leben. An einer Stelle heißt es lediglich: "Christus hat gewollt, dass die Kirche ein Haus mit einer stets offenen, einladenden Tür ist, ohne irgendjemanden auszuschließen".
Nach der Verabschiedung der Botschaft befassten sich die Bischöfe am Samstag 18. Oktober 2014 mit der Debatte und Abstimmung über einen ausführlichen "Synodenbericht" (relatio synodi), dessen Veröffentlichung in mehreren Sprachen für Anfang der kommenden Woche in Aussicht gestellt wurde. In diesem Bericht werden die Bischöfe voraussichtlich auch ihre Haltung zu wiederverheiratet Geschiedenen und zu homosexuellen Paaren zum Ausdruck bringen.
Papst Franziskus hat zum Abschluss der Bischofssynode über Ehe und Familie gleichermaßen vor einer "feindlichen Erstarrung" wie vor einer "falschen Barmherzigkeit" in der katholischen Kirche gewarnt. Ersterer Versuchung erlägen "Traditionalisten und Intellektualisten", die sich "im Geschriebenen einschließen und sich nicht von Gott überraschen lassen wollen", sagte Franziskus am Samstag 18. Oktober 2014 in seiner Ansprache zum Abschluss der Beratungen. Die Versuchung einer "falschen Barmherzigkeit" sei hingegen typisch für die sogenannten "Progressiven und Liberalen" sowie ein "zerstörerisches Gutmenschentum". Sie verbänden Wunden, "ohne sie zuvor zu pflegen und zu behandeln", so Franziskus.
Solche Versuchungen dürften die Bischöfe jedoch nicht erschrecken oder befremden, forderte der Papst weiter. Mit Blick auf den Verlauf der Bischofssynode sagte er: "Ich persönlich wäre sehr besorgt und betrübt, hätte es diese Versuchungen und diese emotionalen Diskussionen nicht gegeben". Sie seien die "Bewegungen des Geistes". Entscheidend sei für ihn gewesen, dass allen das Wohl der Kirche, der Familien und das der Seelen am Herzen gelegen habe. Er habe "mit Dank und Freude" Beiträge und Diskussionen gehört, "die voller Glauben sind, voller Einsatz für Pastoral und Lehre, voller Weisheit, Offenheit, Mut und Freiheit des Wortes". Franziskus verwies darauf, dass der Heilige Geist das Schiff der Kirche auch geleitet habe, als "das Meer feindlich und aufgewühlt" gewesen und die Diener "untreu und sündig" gewesen seien.
Der Papst stellte zudem klar, dass das kirchliche Verständnis vom Ehesakrament während der Synode nie zur Diskussion gestanden habe. Dazu gehörten Unauflöslichkeit, Einheit, Treue und die Offenheit für die Weitergabe des Lebens.
Franziskus teilte zugleich mit, dass das Schlussdokument, das die Bischofssynode am Samstagnachmittag verabschiedet hatte, das Arbeitspapier zur Vorbereitung der zweiten Synode zu Ehe und Familie im Oktober 2015 sein wird. Die Absätze über wiederverheiratete Geschiedene und Homosexualität hatten hierbei die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlt.
Franziskus äußerte sich in seiner Ansprache zudem grundsätzlich über die Aufgaben eines Papstes. Dieser habe die Aufgabe, die Einheit der Kirche zu garantieren und die Bischöfe daran zu erinnern, dass ihre oberste Pflicht sei, "die Herde (...) mit Brüderlichkeit und Barmherzigkeit und ohne falsche Ängste zu nähren". Der Papst müsse nach dem Willen Christi "Diener" der Kirche sei, und zugleich "oberster Hirt und Lehrer aller Gläubigen" sein.