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01.10.2014

Der Glaube und die Todesangst

Michael Prüller spricht am Allerseelentag, 2. November 2014, über die Angst vor dem Sterben, aber auch über die Zuversicht.

"Ich kann einfach nichts damit anfangen, wie schön das Sterben ist, weil man dann seinem Schöpfer gegenüber steht. Ich hab Angst. Einfach Scheißangst." Der Fussballtrainer Helmut Kronjäger hat das geschrieben, in einem E-Mail an einen Freund, das er im Internet veröffentlicht hat. Kronjäger galt als Unbequemer und als Philosoph. Er ist im September an Lymphdrüsenkrebs gestorben.


Auf seiner Webseite und in seinem Buch "L steht für Leben" hat er sein Ringen mit dem Krebs, dem Tod, dem Leben und mit Gott für alle geöffnet. Wie weit seine Gottesbeziehung eine katholische war, weiß ich nicht. Was er in seinen Aufzeichnungen schreibt, bewegt mich jedenfalls: "Ich lernte wieder beten. Meine Zwiegespräche mit meinem Gott sind spannend. Ich lernte, dass es keinen Deal mit Gott gibt, sondern nur Vertrauen zu Gott." Seine Witwe schreibt im Internet, Kronjäger habe am Schluss immer wieder gesagt: "Ich kann nicht mehr, ich will in den Himmel."


Jeder von uns hat schon Erfahrungen mit Sterbenden gemacht. Und vielleicht haben Sie sich auch gefragt: Wie wird es mir einmal gehen? Werde ich zwischen, pardon, Scheißangst und der Freude auf den Himmel hin und her pendeln? Werde ich gefasst dem Tod ins Auge sehen können, vielleicht sogar mit Gelassenheit? Niemand weiß das im Vorhinein.


Der Glaube kann die fest im Menschen sitzende Angst vor dem Sterben nicht einfach ausradieren. Aber ich habe Menschen erlebt, die mit ruhiger und sicherer Erwartung gestorben sind. Ihnen verdanke ich viel. Denn zu glauben, dass der gütige Gott auf mich wartet, ist noch nicht alles. Erlebt zu haben, dass dieser Glauben in der Stunde der Bewährung auch wirklich tragfähig sein kann, dass er hält – das erst gibt meiner Zuversicht Kraft.