Hat nicht jeder Mensch das Recht und die Freiheit – zumindest vor dem weltlichen Gesetz –, über sein Leben und seinen Tod selbst bestimmen zu dürfen? Das ist eine gute Frage. Aber in der Sterbehilfe-Debatte, geht es um etwas anderes. Nämlich darum: Darf man andere Menschen dazu ermächtigen oder gar verpflichten, einen anderen zu töten, wenn er das wünscht?
Wenn ich bejahe, dass jemand professionelle Hilfe bei der Selbsttötung in Anspruch nehmen darf, dann befürworte ich damit, dass das Töten als neue Dienstleistung in den Leistungskatalog von Krankenhäusern und Pflegeheimen aufgenommen wird. Was würde eine solche Normalisierung des Tötens für unsere Gesellschaft bedeuten?
In der Illustrierten "Stern" hat ein Medizinethiker aus Freiburg, Giovanni Maio, vor wenigen Tagen dazu ein Interview gegeben. Er fragt, welche Botschaft eine Gesellschaft, die Sterbehilfe erlaubt, jenen Menschen gibt, "die die Angst haben, am Ende ihres Lebens jemandem ausgeliefert zu sein, die sich entwertet fühlen". Maio: "Die Botschaft würde lauten: Es ist vernünftig, wenn man sich selbst tötet, und die Gesellschaft trägt das mit. Im Grunde ist dieses Leben auch wirklich nichts mehr wert." Die Selbsttötung müsse "etwas bleiben, das erschüttert und irritiert – und nicht etwas, das wir normalisieren oder gar unterstützen".
Darum geht es in der Sterbehilfediskussion: Ob wir Menschen, die am Ende sind und sich fürchten, in ihrer Angst bestätigen. Oder ob wir sie begleiten, aufrichten, umsorgen, sodass sie ihre Ängste überwinden können. Ob wir also der von Papst Franziskus kritisierten Wegwerfkultur die Mitmenschlichkeit entgegensetzen – nicht nur in Einzelfällen, sondern ganz prinzipiell und selbstverständlich.