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22.09.2015

Familien-Synode soll nach "Theologie der Liebe" fragen

Polak erwartet keine Revolution, sondern "Lösung innerhalb des Rahmens"

Schritte zu einer "Theologie der Liebe" erhofft die Wiener Pastoraltheologin Regina Polak von der Familiensynode im Oktober. Interdisziplinär sollten die Bischöfe nach verschiedenen Erkenntnisquellen der Liebe fragen, ohne die Familie zu idealisieren. Diese sei schließlich "nicht unbedingt Ort des ultimativen Glücks, das muss man sich eingestehen", so Polak am Montagabend, 21. September 2015, bei einem Gesprächsabend der Kirchenzeitung "Der Sonntag" und der Facultas-Dombuchhandlung, gemeinsam mit dem Heiligenkreuzer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck.

Die Theologin forderte, dass bei der Synode auch die Frage des Leids eine zentrale Rolle spielen solle. Hauptaussage des "Evangeliums der Familie" sei, dass Schuld, Leid und Trennungen nicht das letzte Wort hätten und "dass man geliebt ist, trotz aller Schuld".

Prognosen wagte Polak für die vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan stattfindende Bischofsversammlung nicht abzugeben: Der Ausgang sei "völlig offen" und Papst Franziskus immer für Überraschungen gut. Wahrscheinlich sei jedoch eine "Lösung innerhalb des Rahmens" statt einer Revolution. Dass es eine sehr vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema werden könne, darauf deute der "verheißungsvolle" Synodentitel "Auftrag und Sendung der Familie".

 

Derzeitge Ehe-Theologie überfordert die Menschen

Die Theologin warnte vor einer Engführung, die der Tragweite des Themas nicht gerecht werde. Man müsse hinterfragen, welche Rolle die Familie tatsächlich spiele, so Polak. Das theologische Verständnis von Ehe habe sich seit jeher verändert, und die Aufwertung der Ehe sei in erster Linie als Sicherheitsmaßname für Frauen gedacht gewesen. Gleichzeitig könne das kirchliche Lehramt nicht auf "Bedürfnisse" eingehen. Die christliche Ehe bilde laut Lehramt die Treue von Jesus Christus zu den Menschen ab, könne aber im Falle ihre Scheiterns ebenso auch "das Antlitz Gottes verdunkeln". Grundsätzlich sei zu hinterfragen, ob diese Theologie die Menschen nicht überfordere und ob die Realität nicht Vorrang vor der Lehre habe, so Polak.

 

Altabt Henckel-Donnersmarck: "Große Zuversicht"

"Große Zuversicht" äußerte Altabt Henckel-Donnersmarck in Hinblick auf Synode. Neue Wege sollten gegangen und so das Bild der Unauflöslichkeit der Ehe gestärkt werden, so sein Wunsch. Gleichzeitig warnte auch er davor, die Diskussion zu eng zu führen und auf einige wenige "heiße Eisen" zu beschränken. Dass es schwierig sei im Voraus Prognosen abzugeben, habe der erste Teil der Synode im vergangenen Herbst gezeigt, bei dem niemand mit der Vorgehensweise des Papstes gerechnet habe. Franziskus habe sicherlich auch für den Ablauf dieser Synode seine ganz konkreten Vorstellungen, von deren Richtigkeit er selbst "zu hundert Prozent überzeugt" sei, erklärte Henckel-Donnersmarck.

In Bezug auf die Kommunionsspendung für Wiederverheiratet tut sich Henckel-Donnersmarck schwer. "Ich glaube nicht, dass wir grundsätzlich aus Barmherzigkeit Sakramente spenden können", so der Altabt. Man könne die Priesterweihe nicht aus Mitleid oder die Taufe aus Barmherzigkeit spenden, daher seien dies die falschen Kategorien. Im Hinblick auf die angebliche Lagerbildung im Vorfeld der Synode zeigte sich Henckel-Donnersmarck nicht besorgt. "Der Papst ist Jesuit, es ist quasi ein ignatianisches Prinzip, durch die Gegenüberstellung von 'Lagern' Unterschiede sichtbar zu machen". Aus dieser Konstellation werde sich das bessere Argument dann hoffentlich durchsetzen.

Rund 400 Personen werden an der Weltbischofssynode zur Rolle der Familie teilnehmen. Darunter sind 280 eigentliche Synodenmitglieder sowie 120 Berater, Experten, Beobachter und Gäste aus der Ökumene. Österreich ist mit Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Benno Elbs und dem orthodoxen Bischof Andrej Cilerdzic vertreten.