Für den Feldkircher Diözesanbischof Benno Elbs ist es entscheidend, dass auf der kommenden vatikanischen Familiensynode trotz unterschiedlicher Positionen die Einheit der Kirche gewahrt bleibt. Elbs, der ab Sonntag an der Synode teilnimmt, äußerte sich am Mittwoch, 30. September 2015 in einem Interview mit dem ORF-Vorarlberg.
Unterschiedliche Positionen und Sichtweisen werde es mit Sicherheit geben, sagte der Bischof. Das habe sich bereits bei den Vorgesprächen zwischen den Bischöfen herausgestellt. Es müsse aber gelingen, die Einheit trotzdem zu wahren, wobei es auf der anderen Seite durchaus auch Spannungen geben dürfe.
Der Papst sei Garant für Einheit und Weite, betonte Elbs. Es dürfe am Ende der Synode jedenfalls keine "Sieger" und "Verlierer" geben. Als offizieller Delegierter der Österreichischen Bischofskonferenz wird Bischof Elbs zusammen mit Kardinal Christoph Schönborn von 4. bis 25. Oktober an der Weltbischofssynode zum Thema Familie teilnehmen. Die Spannungen und unterschiedlichen Sichtweisen könnten aber auch als Chance gesehen werden, sagte Elbs weiter. Dass sich die katholische Kirche dadurch spalten könnte, glaubte der Bischof nicht. Es habe schon immer und es werde auch immer unterschiedliche Meinungen geben, auch in der Kirche.
Er habe bei der Familiensynode ein klares Ziel, erläuterte der Bischof: Es müsse deutlich werden, wie wichtig die Familie sei - dass auf die einzelnen Mitglieder geachtet werden müsse, dass die Familie ein Sehnsuchtsort für viele sei, dass die Familie ein Ort der Menschlichkeit darstelle, an dem die Mitglieder lernten, was sie für ihr Leben brauchen. Die Familie sei das Zuhause, in dem verschiedene Generationen, jung und alt, aufeinander treffen und miteinander leben. Wenn diesbezüglich ein Impuls für die Gesellschaft und die Welt gesetzt werden könnte, dann wäre die Synode erfolgreich gewesen, so Elbs.
In der aktuellen Ausgabe der steirischen Kirchenzeitung "Sonntagsblatt" ging Elbs auf die Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene ein. Er gehe zum einen mit der Überzeugung nach Rom, dass die Unauflöslichkeit einer sakramentalen Ehe theologisch wie menschlich ein hoher Wert sei. Eine zweite Überzeugung komme aus seiner Erfahrung als Seelsorger und Therapeut: Demnach gebe es nicht die typischen "wiederverheirateten Geschiedenen", sondern verschiedenartige Situationen. Elbs: "Es braucht eine Unterscheidung."
So stelle sich für ihn die Frage, ob in bestimmten Fällen nach einer Zeit der Neuorientierung auf Dauer das Sakrament der Versöhnung und die anschließende Kommunion verweigert werden dürften. Der Bischof nannte ein konkretes Beispiel: "Ein wiederverheirateter geschiedener Mensch bereut oder wurde unschuldig verlassen, war eventuell auch Gewalt ausgesetzt. Er oder sie versucht, die Verantwortung gegenüber der Ehe, den Kindern zu übernehmen und einen Weg der Versöhnung zu gehen. Und er oder sie bemüht sich nach Kräften, die jetzige Beziehung aus dem Glauben zu leben und hat Verlangen nach den Sakramenten."
Im Arbeitspapier zur Synode werde angedeutet, "dass die Kirche eine Logik der Eingliederung und nicht eine Logik der Ausgrenzung leben muss", unterstrich Bischof Elbs: "Jesus hat selbst eine Logik der Eingliederung gelebt."
Bischof Elbs plädierte für das Prinzip der Gerechtigkeit im Einzelfall: "Hier wird die Bestimmung eines Gesetzes bewusst übergangen, um der Gerechtigkeit und dem Gemeinwohl als einem höheren Wert besser Rechnung zu tragen."
Zweitens brauche es eine "Theologie des Weges". Eine menschliche Situation könne nie nur "gut" oder "schlecht" sein, sondern sie könne besser oder schlechter werden. Elbs: "Ich vergleiche die Kirche mit einem GPS-Leitsystem, das den Menschen mit Wertschätzung auf das Ziel hinführen soll: die Gemeinschaft und Freundschaft mit Christus. Auf diesem Weg braucht es Stärkung, wie etwa die Versöhnung und die Eucharistie." Das Handeln Jesu zeige: "Er isst mit Sündern. Er sagt, nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die Kranken."
Als dritten Ansatz verwies der Bischof auf den Psychotherapeuten Viktor Frankl: "Man darf den Menschen nicht auf ein Problem reduzieren. Entscheidend ist, das Gesunde zu stärken, damit Verletzungen heilen."