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06.10.2015

Kardinal Marx zu Synode: Spaltung ist "Inszenierung der Medien"

"Es gibt keine Lager, sondern lediglich Meinungen, und die sind kontrovers", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, hat Spekulationen über eine angebliche Spaltung der Bischofssynode über die Familie in ein konservatives und ein progressives Lager zurückgewiesen. Das sei eine "Inszenierung der Medien", sagte Marx am Montagabend, 5. Okotber 2015, bei einer Pressekonferenz in Rom. Den ersten Beratungstag bewerte er insgesamt positiv. Es gebe keine "Lager", sondern lediglich "Meinungen - und die sind kontrovers" -, so der Münchner Erzbischof. Tatsächlich herrsche eine Atmosphäre der Offenheit unter den Synodenteilnehmern.

Rund 260 Bischöfe, Kardinäle und Ordensobere sowie 90 weitere Teilnehmer nahmen am Montag im Vatikan ihre dreiwöchigen Beratungen über die Haltung der katholischen Kirche zu Ehe und Familie auf. Über den ersten Tag der Beratungen äußerte sich Marx positiv. Er sei zwar von einem "gewissen abwartenden Moment" geprägt gewesen. Zunächst sei es um ein "Abtasten", und eine Einschätzung der Kräfteverhältnisse gegangen. Es habe jedoch bereits eine "breite Diskussion" gegeben.

Mit Blick auf den Abschluss der Synode forderte Marx, dass sie mit ihren Ergebnissen "mindestens" auf dem Niveau liegen müsse, das Papst Franziskus mit seinen Äußerungen vorgegeben habe. Am Ende des dreiwöchigen Weltbischofstreffens zu Ehe und Familie werde ein "hoffentlich einmütiges Ergebnis" stehen, betonte der Münchner Erzbischof. Letztlich entscheide nicht die Synode, sondern der Papst. Marx fügte hinzu: "Und wenn der Papst entschieden hat, dann halten wir uns daran. So ist das in der katholischen Kirche."

Bei Geschiedenen Blick auf Einzelfall

Bei der Pressekonferenz und in einem anschließenden ARD-Interview ging Marx auch auf die Debatte um den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ein und sprach sich gegen generelle Lösungen aus. Dafür seien die Situationen von Menschen, die nach einer Scheidung standesamtlich erneut geheiratet hätten, zu unterschiedlich. "Es gibt schuldhaft Verlassene, es gibt Zerwürfnisse", sagte der DBK-Vorsitzende. Er plädierte für einen Blick auf den Einzelfall, "vor allem wenn in der zweiten Verbindung eine Rückkehr in die alte Lebenswelt gar nicht mehr möglich ist ohne neue Schuld".

Marx unterstrich, die Synode behandle nicht allein den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Vielmehr solle deutlich werden, dass Ehe und Familie zu den Grundlagen des Zusammenlebens gehörten. Die Kirche stehe jedoch auch zu Menschen, deren Leben nicht so verlaufe wie ursprünglich geplant. Wenn jemand sein bei der Heirat gegebenes Ja-Wort nicht mehr halte, müsse das aufgearbeitet werden, so der Kardinal. Dabei müsse "auch ein pastoraler Weg gegangen werden".

 

Bestvorbereitete Versammlung seit 50 Jahren

Am Montag hatte Synoden-Generalsekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri den Weg der Debatte seit der Synode im Oktober 2014 zusammengefasst und danach die Spielregeln der kommenden drei Wochen erklärt. Er zeigte auf, welchen langen Vorlauf die Synode gehabt hat und dass sie vermutlich die bestvorbereitete Bischofsversammlung seit 50 Jahren ist.

Der Generalsekretär erläuterte auch den Weg der Debatten und Abstimmungen, der die Synodalen nun erwartet. Pro Woche solle einer der drei Abschnitte des Schlussdokuments bereits verabschiedet werden. Am Ende werde dann noch einmal der Gesamttext für Änderungsvorschläge geöffnet. Diese würden abermals zur Abstimmung gestellt.

Dieses Verfahren dürfte für einen weiten Spannungsbogen sorgen, so Beobachter. Es führe dazu, dass die Textkommission wichtig wird, und dass kluges Taktieren sich bis zum Ende auszahlen könnte.

Generalrelator Kardinal Peter Erdö gab im Anschluss an Baldisseri einen Überblick über den Stand der Debatte seit der turbulenten Synodenversammlung im Oktober 2014. Die seitdem eingereichten Beiträge aus vielen Bischofskonferenzen seien in das Arbeitspapier eingeflossen. Und das seien, wie Erdö am Montag betonte, in ihrer Mehrheit Beiträge, die an die geltende Lehre der Kirche erinnerten. Die Öffnungen vom Oktober 2014 müssten eingeordnet in Glaubenslehre und Kirchenrecht sein.