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cc flickr esparanta palma / Der Sonntag
15.10.2015

Sprechen Sie deutsch?

Flüchtlinge müssen zuerst die neue Sprache lernen:  - drei Deutschkurs-Initiativen

Guten Morgen“, begrüßt Heide Slatef ihre 22 Schüler. Die jungen Syrer haben heute ihre erste Deutschstunde, organisiert von der Erzdiözese Wien in den Räumen der Theologischen Kurse am Stephansplatz.

 

 

„Ich möchte Deutsch lernen, weil das der Schlüssel zu diesem Land ist, ohne den ich nichts machen kann“, erklärt Amar, der zwar gut englisch, aber noch kein Wort deutsch spricht.

 

Der 31-Jährige aus der nordsyrischen Stadt Aleppo kam vor zwei Wochen nach Österreich, einen Monat war er auf der Flucht. So schnell wie möglich möchte er seine Frau nachholen, den ersten Hochzeitstag müssen sie getrennt verbringen.

 

In seiner Heimat war Amar in Verkauf und Marketing  tätig, er hofft, dass er seine Kenntnisse hier einbringen kann: „Ich habe viele Ideen und werde mein Bestes geben. Deutsch wird in Zukunft meine Sprache sein.“


Auf diesem Weg wird Amar von zwei pensionierten Lehrerinnen unterstützt. „Meine Motivation ist Nächstenliebe“, so Johanna Hainz, „die vielen Flüchtlinge, die nach Österreich gekommen sind, können niemanden kalt lassen.“

 

Das Lernmaterial für den Deutschkurs der Erzdiözese Wien stammt vom Österreichischen Integrationsfonds. Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, ist für die Pensionistinnen eine Herausforderung:  „Wir haben ein bisschen Lampenfieber“, gesteht Heide Slatef vor der ersten Stunde am 13. Oktober, „aber wir sind ambitioniert.“


Konversation bei Kuchen und Kaffee

Das Leid der Flüchtlinge hat auch Bärbl Bauer keine Ruhe gelassen. Die AHS-Lehrerin kontaktierte die syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Ephrem im 10. Bezirk und initiierte einen Deutsch-Konversationskurs. „Viele Flüchtlinge haben kaum Gelegenheit, mit Muttersprachlern zu reden“, erläutert Bärbl Bauer vom Souveränen Malteser-Ritter-Orden.


Der Konversationskurs der Malteser startete Anfang September. Jeden Samstag Vormittag kommen rund 60 Syrer und 40 Helfer in der Schottenpfarre zusammen. Bei Kaffee und Kuchen wird in kleinen Gruppen über vorbereitete Themen geplaudert. Während die Erwachsenen lernen, können syrische und österreichische Kinder gemeinsam spielen.


„Einige Syrer haben hier zum ersten Mal persönlichen Kontakt mit Österreichern“, berichtet Bärbl Bauer, „sie sind dankbar, dass ihnen jemand zuhört“. Die Malteser unterstützen die Flüchtlinge bei der Anerkennung ihrer akademischen Abschlüsse sowie bei der Arbeitsuche und vermitteln Schulplätze für nicht mehr schulpflichtige Teenager, die Matura machen wollen.


„Jeder Samstag ist eine Herausforderung und gleichzeitig eine unglaubliche Bereicherung an zwischenmenschlichen Erfahrungen“, meint Bärbl Bauer. Sie hofft, das Projekt könne „ein kleiner Schubser in Richtung ,Leben in Fülle‘“ sein.



Kardinal König Haus spricht deutsch

„Ich merke, das sind nicht nur zu versorgende Menschen, sondern da ist sehr viel Eigeninitative“, berichtet P. Christian Marte SJ, Direktor des Kardinal König Hauses in Wien XIII.. Hier wird in Zusammenarbeit mit Caritas und Jesuitenflüchtlingsdienst seit Monatsanfang  ein Deutschkurs für Asylwerber angeboten. Die Frauen und Männer kommen aus verschiedenen Nationen und Berufsfeldern, vom Maurer bis zur Apothekerin.


„Es ist eine sehr engagierte Gruppe, alle freuen sich, etwas zu lernen“, berichtet P. Marte, der den Kurs diese Woche besucht hat. Das KKH sorgt für Lehrbücher, Verpflegung  sowie Fahrkarten und stellt die Prüfungsgebühr nach Kursende zur Verfügung.


„Ich glaube, jeder soll mit den Möglichkeiten, die er hat, den Menschen helfen“, sagt P. Christian Marte, „wenn jeder in seinem Bereich einen Schritt macht, dann passiert viel.“