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kathbild.at/Rupprecht, Franz Josef Rupprecht / Dr. Michael Prüller
28.10.2015

„Ich habe für sie gesungen"

Trotzdem weiß jeder für sich allein noch immer zuwenig.

 

Eigentlich wollte ich hier etwas zur Familiensynode schreiben. Was sie bringen wird, ob sie ein Fortschritt war usw.

 

Aber dann habe ich in „Heute“ die Geschichte gelesen vom Musicalsänger Vincent Bueno, bei dessen zweiter Tochter Samantha schon im Mutterleib die schwere Kopf-Missbildung Anenzephalie festgestellt wurde. Lebenserwartung: höchstens ein paar Tage nach der Geburt.


Laut Bueno, der mit seiner Frau Charity in Wien lebt, war Abtreibung „natürlich ein Thema“, aber das Paar entschied sich dagegen.

 

Samantha kam im Wiener AKH zur Welt. Bueno: „Ich habe für sie gesungen, sie hat die Augen aufgemacht. Wir haben sie zum Abschied geküsst und umarmt.“ Samantha wurde 97 Minuten alt.


Ich kenne auch andere mit ähnlichen Erfahrungen. Aber ich selber habe keine Ahnung, wie man sich in dieser Lage fühlt, was man braucht, was die Kirche oder der Glaube an Hilfe geben.

 

Ich  weiß, wie es in einer kinderreichen Familie zugeht und wie es ist, wenn eine Schwester zu früh stirbt. Aber wie es mit einem Neugeborenen ist, das vergeblich um sein so kleines und doch so großes Leben kämpft, davon weiß ich nichts. Ich kann mich nur stumm vor den Eltern verneigen.


Und damit bin ich doch wieder bei der Familiensynode. Und ich denke mir:

 

Wie gut, dass die vielen schwierigen Fragen, die sich aus den so unterschiedlichen Ereignissen in den Familien ergeben, nicht ein einziger Mensch beantworten muss, auch nicht der Papst.

 

In der Seelsorgetätigkeit hat wohl auch jeder der 270 Synodenbischöfe mehr vom Leben kennen gelernt als ich.

 

Trotzdem weiß jeder für sich allein noch immer zuwenig. Darum gibt es mir Vertrauen, dass die Kirche bedächtig geht, Schritt für Schritt, im gemeinsamen Erzählen, Deuten und Fragen. Und gut behütet vom Heiligen Geist.