Das Hohelied der Liebe, das der Apostel Paulus gedichtet hat (1Kor 13), ist der Lieblingstext vieler Hochzeitspaare. Sie beweisen damit einen guten Geschmack.
Zwar hat der Text ursprünglich nichts mit der Ehe zu tun, sondern mit dem Leben in der Gemeinde, die unter Eifersüchteleien leidet und auf neue Weise ihre Einheit in der Vielfalt der Begabungen entdecken soll.
Aber das schließt eine Übertragung nicht aus. Sie fällt vielen jedoch schwer, weil sie einen tiefen Widerspruch zwischen irdischer und himmlischer Liebe sehen. Das ist zu eng.
Ehe und Familie können ein Glücksfall für die Einheit von Gottesliebe und Menschenliebe sein, von Spiritualität und Sexualität, von Bejahung und Kindersegen.
Aber leider Gottes ist dieses Glück zerbrechlich, und manchmal wendet es sich in tiefes Unglück.
Wer 1Kor 13 als Hochzeitslesung wählt, weiß darum – und setzt auf Gottes Liebe, die nicht dort endet, wo die menschliche Liebe zerbricht.
Benedikt XVI. hat in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ den traditionellen Widerspruch zwischen Eros und Agape überwunden.
Franziskus hat in seinem Schreiben „Amoris laetita“ auf dieser Linie die erotische Dimension der Liebe gewürdigt und den Eheleuten Mut gemacht, das Gefallen, das sie aneinander finden, geistig, seelisch und körperlich, als einen Hauch jener Liebe zu spüren, die Gott ihnen schenkt – wie allen Menschen.
Das tut gut. Es weitet den Horizont.
Es stärkt die Liebe!