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Der Sonntag
23.09.2016

Franziskus, der radikale Papst

Paul M. Zulehner sieht hinsichtlich Ehe und Familie einen Wandel „vom Gesetz zum Gesicht“.

 

Man kann es nicht oft genug betonen: Papst Franziskus ist weder konservativ  noch progressiv.

 

Er ist einfach „radikal“, seine Pastoral hat jesuanische Wurzeln (lateinisch „Radix“: „Wurzel“), stellt der renommierte Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner in seinem jüngsten Buch  „Vom Gesetz zum Gesicht. Ein neuer Ton in der Kirche: Papst  Franziskus zu Ehe und Familie“ (Patmos-Verlag) fest.

 

Zulehner würdigt „Amoris laetitia“ („Die Freude der Liebe“) als ein Schreiben, dass man nicht extra erschließen muss: „Es versteht sich von selbst und legt sich selbst aus.“


Bestimmend für das päpstliche Schreiben sei die (orthodoxe) Unterscheidung zwischen der „Akribie“ (ungeschmälert das Gebot des Herrn zu bezeugen) und der „Oikonomie“ in der Form von Verständnis und Einzelfalllösung und im Einzelfall Begleitung durch erfahrene Seelsorger „mit dem Ziel der vollen Integration in das kirchliche, also auch sakramentale Leben“.


Ziel der pastoralen Sorge des Papstes sei nicht gesetzesgeleitetes Ausschließen, sondern fürsorgliches, heilendes Integrieren.

 

Diese Seelsorge kennt die Unterscheidung der Einzelfälle.

 

Das päpstliche Ehe- und Familienbild könne in die Formel „Vom Vertrag zum Vertragen“ gepackt werden, aus dem Ehestand wird eine Ehegeschichte.


Diese neue Pastoralkultur mit der Grundmelodie Barmherzigkeit beinhalte Akzentverschiebungen:

vom Ideologen zum Hirten,

vom Gerichtssaal zum Feldlazarett,

von der Hartherzigkeit zur Barmherzigkeit.

 

Zulehners Fazit: Papst Franziskus habe weder die Lehre angetastet noch das Recht verändert. Vielmehr habe er das Thema in das „forum internum“ (in den innersten Seelsorgebereich) verwiesen.