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12.02.2017

Von Einsiedlern und Gesellschaftstigern

Warum es manchmal gut tut, alleine zu sein und warum jeder Mensch das lernen kann. von Dr. iur. Brigitte Ettl

 

 

Es braucht für Kinder und natürlich auch Erwachsene eine gute Balance zwischen Gemeinschaft und Alleinsein.

 

Ruhige Zeiten ohne ablenkende Gesellschaft ermöglichen den Blick in den Spiegel der eigenen Seele, das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse. Ich muss mich ja entscheiden, wie ich diese Zeit gestalten möchte: lesend, zeichnend, musizierend oder einfach nachdenkend….

 

Gerade wenn diese Zeiten der Einsamkeit Seltenheitswert haben, sind sie eine besondere Herausforderung und der spontane Reflex ist dann oft die Flucht in die nächste Begegnung – und sei es übers Handy Richtung sms oder facebook.

 

Doch sobald ich den Wert dieser „Zeit für mich“ erkannt habe, werde ich auch mutiger, in Beziehungen auf meine Grenzen zu achten, wenn Energieräuber zu nahe kommen.


Wir haben unterschiedliche Charaktere mit in die Wiege bekommen. Das zeigt sich schon bei Kindern – es gibt die Einsiedler, die sehr gerne alleine sind und am anderen Ende der Skala die Gesellschaftstiger, die das Bad in der Menge lieben. Für beide ist es wichtig, ihre Lebenskompetenz  in die jeweils andere Richtung zu entwickeln.

 

Denn auch jene, die gerne allein sind, müssen lernen, sich in andere einzufühlen, Kritik anzunehmen und Konflikte auszutragen.

 

Erlernbar ist das allein sein auch schon für Kinder – durch das Vorbild der Eltern: auch diese dürfen  störungsfreie Zeiten für sich an Anspruch nehmen. Aber auch durch bewusste Anleitung zu Tätigkeiten, die dem Kind Freude machen und für die es keine Gesellschaft braucht.

 

Anfangs wird die Zeitspanne noch recht kurz sein, doch wenn diese „stille Stunde“ zu einem Ritual wird, schätzen Kinder diese Auszeiten bald als wertvollen Fixpunkt.