Heute früh gab es fast nichts zum Trinken“, schildert Teso. Die 25-jährige Frau ist mit ihrem einjährigen Sohn ins Gesundheitszentrum nach North Horr gekommen.
Unvorstellbar wenn man die Situation vor Ort kennt. Hitze mit 40 Grad Celsius und starkem Wind. Ich mag zwar heiße Temperaturen, aber die schmerzen auch mich. Aber weit mehr sind es die Hintergründe der Frauen hier.
Fünf Kilometer zu Fuß über Steine, Sand und Stechpalmen hat Teso mit ihrem einjährigen Sohn Dube am Rücken hinter sich gebracht. Und sie ist nicht die einzige! Weitere 250 Frauen warten an diesem Vormittag stehend vor dem Gesundheitszentrum in der nordkenianischen Provinz Marsabit. Fast alle tragen ein Baby oder ein Kleinkind unter ihren bunten wallenden Kleidern oder am Rücken. Sie stammen aus den Familien der traditionellen Viehnomaden. Seit Jahrhunderten ziehen sie mit ihren Ziegen, Schafen, Kühen und Kamelen durch die Region, die so groß ist, wie Österreich.
Aber der Ausfall der letzten beiden Regenzeiten hat ihre Existenz so gut wie vernichtet. Seit zweieinhalb Jahren so gut wie kein Regen! Tierskelette im Sand sind Beweisstücke des Sterbens. „Aufgrund der Dürre ist unser Viehbestand von 100 auf 20 Tieren dezimiert worden. Mein Mann verdient mit den wenigen Verkäufen unserer letzten Schafe und Ziegen kaum Geld, wir können uns kaum Nahrungsmittel leisten“, berichtet mir Teso.
Ihr Beispiel steht stellvertretend für hunderttausende Viehnomaden. Bis zu 90 Prozent ihrer Tiere sind verendet. Sie schildert, dass ihr 30-jähriger Mann Yara mit den noch lebenden Tieren in eine andere Region Kenias gegangen ist, in der Hoffnung sie durchzubringen. Nun kämpft sie sich alleine durch den Alltag. 500 Kilometer von ihrem Mann entfernt, fehlen Teso die Milch und das Fleisch der Tiere. Ihre dürren Arme beweisen, auch sie ist unterernährt.
Kinder schreien im Gesundheitszentrum in North Horr. Ein Mitarbeiter vermisst ihre Arme und Beine, die Mangelernährung kann ich mit freien Augen erkennen.
Die Mitarbeiter der kenianischen Hilfsorganisation PACIDA unterstützen mit der Nahrungsmittelhilfe die Mütter. 300.000 Euro an Nothilfe hat die österreichische Caritas bereitgestellt.
Wario Guyo Adhe, der Chef von PACIDA, erklärt mir die prekäre Lebenssituation in Marsabit: „Die Region hier gleicht einer Wüste, die Brunnen sind versiegt, wir betreiben Wasserkioske, wo wir den Menschen Wasser anbieten. Und wir fahren mit Wassertrucks in abgelegene Dörfer und kümmern uns permanent um Gesundheits- und Nahrungsmittel“.
Vor dem Gesundsheitszentrum in North Horr stehen viele Säcke. Es ist UNIMIX, eine spezielle Mischung aus Bohnen, Mais, Milchzucker, Vitaminen und Mineralien, welche die unternährten Kinder in Marsabit stärkt. Alle 14 Tage gibt es eine Verteilung.
Stephania Boku, eine der drei Krankenschwestern schildert mir: „Viele Mütter leiden unter Blutarmut und sind selbst gefährdet, sie verzichten oft auf ihr Essen zugunsten ihrer Kinder. Dann leiden sie unter starkem Eisenmangel.“ Auf die Frage, die ich kaum stellen möchte gibt sie mir zur Antwort: „Ja, es sind schon vier Kinder verstorben“.
Es bedrückt mich, denn mir ist bewusst, dass die kommenden drei Monate bis zur nächsten Regenzeit darüber entscheiden, ob viele Frauen, Männer und Kinder hier im Norden Kenias überleben, oder verhungern. Denn erst im Herbst soll es wieder regnen.
Teso wartet noch immer mit ihrem Buben auf die Behandlung, daher frage ich sie, ob sie überhaupt einen Zukunftswunsch hat: „Ja, denn ich bin Analphabetin und hoffe daher, dass meine Kinder einmal in die Schule gehen können, damit sie eine bessere Zukunftschance haben“. Ich denke mir: „Möge sich ihre Hoffnung erfüllen!
Mit einer Spende von 25 Euro kann eine sechsköpfige Familie eine Woche mit UNIMIX, Bohnen, Weizenmehl und Speiseöl versorgt werden.
IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004,
BIC: BAWAATWW
Kennwort: Hungerhilfe.
Internet: www.caritas.at/hunger