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Hilfe gegen die Hungersnot
Teresa Freudenthaler / Michael Landau
27.07.2017

Landau: "Skandal des Hungers an die große Glocke hängen"

Am Freitag, 28. Juli 2017, läuten Österreichs Kirchenglocken für fünf Minuten, um auf die aktuellen Hungersnöte aufmerksam zu machen.

"Den Skandal des Hungers an die große Glocke hängen" will Caritas-Präsident Michael Landau mit einer Aktion am Freitag, den 28. Juli: Infolge eines gemeinsamen Beschlusses der österreichischen Bischöfe werden morgen um drei Uhr nachmittags - zur Sterbestunde Jesu - in ganz Österreich fünf Minuten lang die Kirchenglocken läuten. Zwischen 2.000 und 3.000 römisch-katholische Pfarren werden sich laut Landau an der Aktion beteiligen. Mit dem "Kirchenglocken gegen den Hunger"-Projekt läutet die Caritas gleichzeitig ihre traditionelle Augustsammlung ein.
 
Michael Landau
 

Aufruf zum gemeinsamen Handeln

Gegenüber Vertretern der Presse bekräftigte Landau heute, dass die Caritas mit dem Geläut ein "starkes Zeichen" setzen will. Denn: "Solange Kinder verhungern, haben wir als Gesellschaft versagt." Es braucht Landau zufolge eine "Globalisierung des Verantwortungsbewusstseins und der Solidarität". Afrika als "globaler Brennpunkt von Hunger und Not" würde besonders hart vom Klimawandel getroffen. Dieser "gefährdet elementare Lebensgrundlagen".

"Es ist ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln, über den kirchlichen Rahmen hinaus", hielt Landau fest. Er hoffe, "dass es die Menschen wachrüttelt und jene, die sich bereits engagieren, ermutigt".

Außer dem Präsidenten der Caritas Österreich waren bei der Pressekonferenz Christoph Schweifer, Generalsekretär der Internationalen Programme der Caritas, und Professor Wolfgang Wagner vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Technischen Universität (TU) Wien anwesend. Geodäsie ist die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche.
 

Eine Schale Maisbrei pro Tag

Schweifer führte aus, "was Hunger für den konkreten Menschen bedeutet". "Wir alle kennen Hunger, aber wir kennen den Hunger kurz vor dem Mittagessen", so der Generalsekretär. Hunger habe irreversible negative Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern: Chronisch unterernährte Kinder seien zu klein für ihr Alter, die Gehirnentwicklung sei gehemmt, Lernschwierigkeiten und Entwicklungsstörungen seien die Folge.

Eine kleine Schale Maisbrei am Tag oder noch seltener muss nach Schweifer für viele der betroffenen Kinder und Erwachsenen ausreichen. Das führt dazu, dass in den Dörfern, die nichts zu essen haben - oftmals ist selbst die nächste Wasserstelle bis zu 50 Kilometer entfernt - eine "gespenstische Stille" herrsche. Die Hungernden hätten "keine Kraft mehr für die alltäglichen Dinge", so Schweifer.
 
Christoph Schweifer

"Wir sind das viertreichste Land der Welt und spielen in der Regionalliga", mahnte er. Österreich verwende jährlich 20 Millionen Euro für humanitäre Hilfe, rechnete er vor. Zum Vergleich: In Finnland sind es 60 bis 70, in Schweden 409 Millionen Euro. An dieser Stelle dankte Präsident Landau Außenminister Sebastian Kurz für die Aufstockung des Auslandskatastrophenfonds.

Eigentlich sei der Kontinent Afrika fähig, sich selbst zu ernähren. Durch falsche Handelspolitik des Westens, Klimawandel und kriegerische Auseinandersetzungen sei dies aber in vielen Teilen, vor allem in Subsahara-Afrika, nicht möglich, betonten Landau und Schweifer.
 

Alle drei bis fünf Jahre schwere Dürren

Wie Professor Wagner ausführte, suchte die letzte Dürre Afrika erst zwischen 2015 und 2016 heim. Bewohner der betroffenen afrikanischen Dörfer berichten, dass so starke Dürreperioden, wie sie aktuell herrschen, früher maximal einmal in jeder Generation stattgefunden haben, später etwa alle sieben Jahre. Inzwischen sei Afrika in Drei- bis Fünfjahresintervallen davon betroffen.

Besonders schwer heimgesucht werde aktuell Kenia. Im Norden des Landes gebe es normalerweise jährlich zwei Regenzeiten. "Im vergangenen Jahr sind laut unseren Satellitendaten beide Regenzeiten fast ausgeblieben", so der Professor. Laut ihm ist es nicht möglich, eine wissenschaftlich eindeutige Ursache für die derzeitige Dürre in Kenia anzugeben.
 
Wolfgang Wagner

Zwar habe der Klimawandel dazu geführt, dass die weltweite Durchschnittstemperatur in den letzten Jahrzehnten um etwa ein Grad Celsius gestiegen sei, wodurch die afrikanische Erde stärker austrockne, es seien aber auch die Wetterphänomene "El Nino" und "La Nina" einzubeziehen. Zusätzlich spielten noch nicht klar bestimmbare andere Faktoren eine Rolle.

22,9 Millionen Menschen sind in Ostafrika derzeit auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Besonders schwer betroffen seien die Länder Äthiopien, Kenia, Somalia, Südsudan, Sudan, Uganda, Burundi und Dschibuti. Etwa elf Prozent der Weltbevölkerung, das sind mehr als 790 Millionen Menschen, würden aktuell hungern, 232,5 Millionen davon  in Afrika. Alle zehn Sekunden sterbe ein Kind an den Folgen von Hunger und Unterernährung.