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08.08.2017

Kräuterwissen 6: Frisch durch den Sommer

30 Grad Celsius und mehr: Die Melisse hat viele heilende Vorzüge, sagt Kräuterpfarrer Felsinger.

 

Unkompliziert und wahnsinnig erfrischend. Die Melisse gehört zu den Lieblingskräutern von Kräuterpfarrer Benedikt. Sie ist beruhigend, krampfstillend und entblähend, und erfreut sich deshalb bei den Menschen großer Beliebtheit.

 

Was wenige wissen: Die Melisse stammt ursprünglich aus Vorderasien, ist aber schon früh, zur Zeit der alten Griechen und Römer, nach Europa gekommen.

 

„Ordensfrauen und -männer haben sie in den letzten mehreren 100 Jahren in ihren Klostergärten angesetzt und kultiviert“, sagt Felsinger.

 

Rettung an hitzigen Tagen

Besonders gerne trinkt der Kräuterpfarrer an heißen Sommertagen selbst zubereiteten Melissensaft.

  • Ein Liter Trinkwasser wird erhitzt, 600 Gramm Blütenhonig darin aufgelöst und eine Handvoll frische, zerkleinerte Melissenblätter dazugegeben.
  • Zwei Tage bleibt das Gemisch mit einem Tuch bedeckt in einem dunklen Raum stehen.
  • Dann rührt er noch 20 Gramm Zitronensäure unter und seiht den Melissensaft nach etwa einer Stunde ab. In Flaschen gefüllt soll der Saft kühl aufbewahrt werden.

„Es gibt für Alt und Jung an wirklich heißen Sommertagen kein besseres Erfrischungsgetränk: Einfach den Melissensaft mit Mineralwasser verdünnen und ich verspreche Ihnen: Sie spüren sofort ein Gefühl von Entspannung.“


Gerade bei heftigen Auseinandersetzungen im Job oder zu Hause wirkt  eine Tasse Melissentee beruhigend: „Das Kraut unterstützt ihren Weg zurück zum Herzensfrieden. Die Melisse ist ein echter Spezialist für die Ausgeglichenheit.“

 

Gleichzeitig stärkt die Melisse Herz und Kreislauf – gerade an heißen Sommertagen wichtig für ältere Menschen.

 

Wohltuender Geruch

Dass die Melisse auch Zitronenmelisse genannt wird, hängt mit dem ätherischen Öl zusammen, das in dem Kraut enthalten ist: „Wenn Sie die Blätter der Melisse zerreiben, nehmen Sie sofort einen angenehm zitronigen Geruch war“, so Felsinger.

 

Gerade der wohltuende Duft, den die Melisse verbreitet, spricht dafür, das Kraut im eigenen Garten zu setzen: „Geschützt, an einem sonnigen Plätzchen wächst die Melisse am besten.“


Eingesetzt wird die Melisse auch, wenn Menschen einen Hang zum Schnarchen haben. Blähungen und Völlegefühl sind meist die Ursache dieser unangenehmen Erscheinung. Der Kräuterpfarrer rät zu einer Tasse Melissentee vor dem Schlafengehen: „Das kann für ruhigere Nächte sorgen. Ihre Umgebung wird es Ihnen danken.“ Der Geschmack der Melisse regt die Bildung von Speichel, Magensaft und Gallenflüssigkeit an und hilft so, die Verdauung zu bessern.


Ihren Namen hat die Melisse vom griechischen Wort für die Honigbiene: „Die Melisse ist eine wahre Bienenfreundin. Sie wird von ihnen gerne aufgesucht und gilt als gute Futterpflanze für Bienen“, erklärt der Kräuterpfarrer.

 

In guter Lage breitet sich die Melisse schnell aus und bildet kräftige Stöcke: „Sie können das ganze Jahr über ernten. Im Herbst ist es empfehlenswert, die Pflanze zurückzuschneiden.“


Melisse auch für Haustiere

Kräuter sind übrigens auch für Haustiere ein wichtiges Mittel für das Wohlbefinden. Rinder, Schafe und Ziegen, aber auch Pferde und Schweine suchen im Freiland oder auf der Weide Heilpflanzen.

 

Es lohnt sich deshalb, auf Weiden und im eigenen Garten Kräutersamen auszustreuen: „Die Zitronenmelisse wirkt bei Haustieren neben Baldrian und Kamillenblüten beruhigend und schmerzlindernd“, sagt Kräuterpfarrer Benedikt.

 

 

Neu oder jung?

Wer aufgrund der Hitze durstig ist, möchte unbedingt eine Erfrischung flüssiger Art zu sich nehmen. Oben findet sich ohnehin ein praktischer Tipp dazu. Doch möchte ich bei einem Kraut, wie es die Melisse ist, nicht nur die Inhaltsstoffe isoliert behandeln.

 

Es ist vielmehr das Wesen, das jede Pflanze im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert und das ihr vom Schöpfer her zugedacht ist. Und dieser Lippenblütler verströmt allein schon durch seinen Duft eine Frische, die uns aufatmen lässt.  

 

Gewiss erlangen wir durch den Gebrauch der Melisse nicht unbedingt die ewige Jugend. Aber ist das überhaupt notwendig?

 

Schauen wir doch gerade im Jubiläumsjahr Luthers dahingehend genauer ins Wort Gottes der Bibel. Dort finden wir nichts von einem Jugendkult, der uns allerorts in der Werbung verfolgt.

 

In der Offenbarung des Johannes begegnet uns der für unsere Seele äußert erfrischende Satz: Seht, ich mache alles neu! (Off 21,5). Und ein paar Verse davor: Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. (Off 21,1).

 

Selbst in unserem Körper vollzieht sich ständig eine Erneuerung, indem alte Zellen durch neue ersetzt werden. Und ist es nicht so, dass unser ganzes Leben, unser Leib und die Seele auf eine Erneuerung zusteuern, die sich in unserer Auferstehung vollziehen wird, die wir mit Christus teilen dürfen?

 

Die Melisse, die mir so sympathisch ist, ist mir ein Fingerzeig, dass ich nicht unbedingt die permanente Jugend anstreben muss. Ich bin mit dem zufrieden, was ist: mein Alter, meine Beschaffenheit, meine momentane Erkenntnis. Und daher ist es mir leichter, froh zu sein.

 

Lasst uns sehen, dass wir lieber jeden Tag als neues Geschenk annehmen, egal, ob wir leiblich zu den Heranwachsenden oder zu den schon eher Abbauenden zählen.

 

Weitere Tipps von Kräuterpfarrer Benedikt unter www.kraeuterpfarrer.at