Zufrieden, aufmerksam, gelassen. Einfach natürlich. Danach sehnen sich viele Menschen in ihrem Leben – nach Ausgeglichenheit. „Wenn Ihnen das Aroma des Quendels in die Nase steigt, werden Sie ermutigt, tief durchzuatmen. Der Quendel wirkt beruhigend auf die Atemwege“, sagt Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger.
Quendel ist beliebt als Heilpflanze, die den Körper gerade in Grippezeiten unterstützt. Gleichzeitig verwenden ihn auch viele Feinschmecker beim Kochen.
Hervorgerufen wird die große Heilkraft des Quendel durch sein ätherisches Öl: „Die Inhaltsstoffe wirken balsamisch, hustenlindernd und schleimlösend.“ Auch bei Keuchhusten und Asthma ist Quendel ein beliebtes Mittel, von dem das Atemsystem des Körpers profitiert. „Darüber hinaus wirkt der Quendel desinfizierend und tötet Krankheitskeime ab“, so Felsinger.
Thymian ist aus der Küche bekannt. Sein würziger Geschmack passt ideal zu Knoblauch, Oliven, Melanzani, Paradeisern, Paprika und Zucchini. „Gerade bei fetten Speisen empfehle ich sehr, Thymian zu verwenden. Das Kraut fördert die Verdauung gerade bei schweren und fetten Speisen“, erklärt der Kräuterpfarrer.
Weniger bekannt ist der wilde Thymian oder eben auch Quendel genannt. Dennoch ranken sich Geschichten um ihn.
Eine alte Legende sagt, dass die Gottesmutter Maria einen Kranz aus den duftenden Quendelblüten geflochten hat und zu ihrer Verlobung mit Josef getragen hat. In vielen Gegenden Deutschlands wurden früher die beiden Lippenblütler Quendel und Rosmarin tatsächlich in den Brautkranz gewunden.
Die alten Griechen brachten den Quendel mit Emsigkeit in Verbindung. Außerdem lieben das Kraut die Bienen, weil er ihnen Nahrung spendet.
Zur Gesichtspflege und gegen hartknäckige Kopfschmerzen rät Kräuterpfarrer Benedikt, Quendel-Hautwasser zu verwenden. Einem alkoholischen Quendel-Auszug wird dabei Minze, Kampfer und Menthol beigemischt. Eingerieben wird das Hautwasser um die Nasenlöcher, auf der Stirn, hinter den Ohrmuscheln oder auf den Unterarmen: „Das Quendel-Hautwasser stärkt, belebt und fördert die Durchblutung.“ Bekannt ist das Quendelprodukt auch als Hausmittel gegen Erschöpfungszustände und Unentschlossenheit. Nach der Rasur strafft es die Haut. Außerdem kann es Kopfschmerzen lindern, wenn man sich fünf Minuten ein mit Hautwasser getränktes Tuch auflegt.
Beliebt ist Quendel auch als Bestandteil von Kräuterkissen, die man sich ins Bett legen kann: „Der angenehm zitronenartige Duft des ätherischen Öls tut Leib und Seele wohl, wenn sie überlastet sind.“ Besonders für Sportler empfehlenswert ist ein Quendel-Bad, um die Glieder zu stärken.
40 Gramm Kraut werden dabei für zwei Liter Wasser verwendet. Die Mischung wird 15 Minuten stehen gelassen, abgeseiht und dann ins Badewasser gegossen. Auch für nervöse Menschen ist das Quendelbad gut geeignet: „Es beruhigt, macht Mut und vitalisiert Leib und Seele.“

Die helle, violette Farbe des Quendel steht für die Natürlichkeit und Sensibilität, erklärt Kräuterpfarrer Benedikt: „Ganz bescheiden schmiegt sich der kleinwüchsige Quendel an sonnigen und trockenen Stellen auf den Wiesenboden.“
Und er trägt zum ökologischen Gleichgewicht bei. Zum Beispiel Ameisen und Schmetterlinge schätzen ihn. Durch den Quendel wird so die Genialität der Natur sichtbar.

Je weiter die Forschung in der Medizin voranschreitet, desto tiefer dringen die Wissenschaftler zur Erkenntnis vor, dass nichts im Körper dem Zufall überlassen wird und schon gar nichts isoliert für sich alleine funktioniert.
Vielmehr herrscht eine stete Korrespondenz von oben nach unten, von draußen nach drinnen und umgekehrt.
So wichtig es ist, Symptome einer Krankheit zu diagnostizieren, so sehr nimmt eine gute Behandlung den ganzen Menschen ins Blickfeld.
Ein derartiger Dialog wird z. B. zwischen der Atmung und dem Nervensystem gepflegt. Das können wir selbst überprüfen, indem wir unser Luftholen und Luftabgeben beobachten, wenn wir unter einer stressigen Situation leiden. Um wiederum der eigenen Person mehr Festigkeit zu verleihen, ist es ratsam, vor einer wie auch immer gearteten Herausforderung tief Atem zu schöpfen und vor allem in regelmäßigem Rhythmus.
Übrigens: Um darüber hinaus noch die geistige und seelische Gesundheit zu fördern, kann man sich zu Pflanzen stellen, deren Duft sich durch das Entweichen ätherischer Substanzen an die Nase herandrängt.
Beispiele dafür sind eben ein Lavendelbeet an einem lauen Abend oder eine sonnenbeschienene Wiese, auf der sich der Feldthymian ausbreitet.
Ich nenne es einen Luxus, wenn mir das Atmen beim Singen der Psalmen während des Chorgebetes in der Klosterkirche ein Einpendeln in ein geregeltes Aufnehmen und Abgeben der Luft verschafft. Und dass dann dabei die Seele gleichermaßen genährt wird, benötigt wohl kaum der gesonderten Erwähnung.
Ja, es kann sogar so weit kommen, dass, wenn viele sich den „Luxus“ des Betens zwischendurch am Tag leisten, andere, denen die Gebete gelten, ein Stück weit zum Aufatmen kommen.
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