Papst Franziskus hat seinen Appell für die beiden schwer kranken Komapatienten Alfie Evans und Vincent Lambert erneuert. "Ich möchte noch einmal mit Nachdruck bestätigen: Der einzige Herr des Lebens, vom Anfang bis zu seinem natürlichen Ende, ist Gott! Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um das Leben zu schützen", sagte er bei Generalaudienz am Mittwoch, 18. April 2018 in Rom. Dabei bat er die Menschen auf dem Petersplatz um ein stilles Gebet.
Schon in der Früh hatte Franziskus den Vater des britischen Kleinkinds Alfie Evans, Thomas Evans, empfangen. Nach der Morgenmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta habe Evans den Papst gebeten, sich dafür einzusetzen, dass lebenserhaltende Maßnahmen bei seinem schwer kranken Sohn nicht eingestellt werden, berichtete das Portal "Vatican News".
Der 22 Monate alte Alfie leidet an einer bislang unbekannten degenerativen Krankheit des Nervensystems. Nach Angaben der Ärzte des bisher behandelnden Alder Hey-Kinderkrankenhauses in Liverpool ist die Krankheit unheilbar. Eine weitere Behandlung sei aussichtslos, daher wolle man lebenserhaltende Maßnahmen wie eine künstliche Beatmung abstellen. Dagegen wehren sich die Eltern, Thomas Evans und Kate James. Sie wollen das Kind im römischen Kinderkrankenhaus Bambino Gesu behandeln lassen.
Das britische Krankenhaus hatte eine Verlegung zuletzt erneut abgelehnt. Schon zuvor hatten sich die Eltern zuerst an britische Gerichte und zuletzt an den Europäischen Menschengerichtshof gewandt. Dieser lehnte Anfang April den Fall ab mit der Begründung, es sei keine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention erkennbar.
Bei dem langjährigen Koma-Patienten Vincent Lambert aus Frankreich hatte sich das medizinische Team des Krankenhauses in Reims vergangene Woche für einen Behandlungsstopp ausgesprochen. Ähnlich sehen es Lamberts Ehefrau und sein Neffe. Seine Eltern hingegen sind gegen diesen Schritt. Ein Behandlungsstopp hätte seinen Tod zur Folge. Der 41-jährige Lambert ist seit einem Motorradunfall 2008 querschnittsgelähmt und liegt im Koma.
Bei seiner Generalaudienz äußerte der Papst eine sehr konkrete Bitte an Eltern: Bringt euren Kindern bei, wie man das Kreuzzeichen richtig schlägt!“
Die Katechese des Papstes galt dem Startpunkt des christlichen Lebens, der Taufe. Was die Taufe bedeute, ergebe sich klar aus der Feier selbst, sagte Franziskus. Nicht nur das Kreuzzeichen, sondern viele Riten und Gebräuche der Kirche erinnerten an die Taufe.
Der Name sei etwas ganz Wichtiges und Entscheidendes, insistierte Franziskus. Dann schwenkte er zu einem anderen Thema über: Christ werde man „durch eine Gabe, die von oben kommt“, den Glauben könne man „nicht kaufen“, aber erbitten und geschenkt bekommen. „Herr, schenk mir die Gabe des Glaubens – das ist ein schönes Gebet. Man kann ihn nicht kaufen – man bittet um ihn.“
Papst Franziskus hat am Mittwoch bei der Generalaudienz eine hochrangige Delegation der österreichischen kirchlichen Stiftung "Pro Oriente" herzlich begrüßt, die ihm von Kardinal Christoph Schönborn präsentiert wurde. Der Wiener Erzbischof ist Vorsitzender des "Pro Oriente"-Kuratoriums. Der Delegation gehörten der scheidende Stiftungspräsident Johann Marte, sein Nachfolger Botschafter Alfons M. Kloss, Finanzreferent Gordian Gudenus, Generalsekretärin Regina Augustin, Abt Michael Prohazka (Geras), Stiftugunsberater Johannes Oeldemann (Paderborn) und Metropolit Mor Theophilose Kuriakose an.
Als Präsident Marte bei der Vorstellung dem Papst versichert habe, "Wir beten für Sie", habe Papst Franziskus lächelnd geantwortet, "Danke, das brauche ich", schreibt der "Pro Oriente Informationsdienst" (poi) am Mittwoch.
Die Delegation hatte am Dienstag "intensive und kollegiale" Gespräche mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, und mit Kardinal Leonardo Sandri, dem Präfekten der vatikanischen Ostkirchenkongregation, geführt. Bei der Begegnung mit Kardinal Koch ging es vor allem um den Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen bzw. den orientalisch-orthodoxen Kirchen.