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Radio Klassik Stephansdom
08.05.2018

Macht Platz für das Leben!

Interview mit Bestsellerautor Werner Tiki Küstenmacher

 

Vereinfache dein Leben! Mit dieser Botschaft traf der Münchner Theologe Werner Tiki Küstenmacher 2001 den Nerv der Zeit und landete mit seinem Buch „simplify your life. Einfacher und glücklicher leben“ einen Weltbestseller.

 

17 Jahre später ist das Bedürfnis nach einem einfachen Leben noch größer geworden und Werner Tiki Küstenmacher hat seinen Leitfaden zum Ordnung-Machen auf den neuesten Stand gebracht.

 

Wir fragen ihn nach Tipps zum Ausmisten, nach dem Lebenssinn und was Ordnung mit Spiritualität zu tun hat.


Wien wird in diesen Tagen von Freiwilligen und Profis gemeinsam auf Hochglanz gebracht („Wien räumt auf“, 23. April bis 6. Mai).

 

Ist der Frühling eine gute Zeit, um auch in den eigenen vier Wänden Ordnung zu machen?


Der Frühling ist ideal dafür, weil man sich besser fühlt. Nach dem ganzen Schnee und Schmuddelwetter sieht man jetzt wieder das Grün, die Natur und da passiert auch etwas mit unserer Seele. Ich fühle mich im Frühling jedes Mal wie neu!


In Ihrem Bestseller „simplify your life“ geben Sie eine ausgefeilte Anleitung zur Vereinfachung aller Lebensbereiche, von den Dingen und Finanzen – bis zu unseren Beziehungen, uns selbst und zur Spiritualität.

 

Wo fängt man am besten an?


Dort, wo man den größten Leidensdruck hat und es einen am meisten nervt. Häufig ist es eine gute Idee, mit genau diesen Sachen anzufangen. Das war für mich die große „simplify“-Entdeckung: Dass unsere ganz direkte Außenwelt sehr viel mit unserer Innenwelt zu tun hat. Ich kann zum Beispiel an meinem Schreibtisch ablesen, wie ich gerade drauf bin.

 

Das Tolle ist, dass man die Innenwelt verändern kann, indem man die Außenwelt ändert. Wenn man die Außenwelt in Ordnung hat, geht’s einem auch innerlich besser.


Im Kapitel „Vereinfachen Sie sich selbst“ geht es unter anderem darum, unser Lebensziel zu entdecken.

 

Wie kommen wir dem Sinn auf die Spur?


Vielleicht erst mal durch die kleinen Ziele, die wir uns setzen. Sinn erlebt man ja nicht nur dadurch, dass man ein großes Lebensziel hat, dem man nacheifert. Sondern indem der Tag, die nächste Stunde ein Ziel hat. So hat das Leben schon mal Sinn im Kleinen.

 

Dann ist es wichtig, dass das, was ich tue, auch aus größerem Abstand einen Sinn ergibt. Diese Gewissheit, wenn ich auf das Ganze schaue und merke, es ergibt ein Gesamtbild, das ist das, was ich unter Sinn verstehe.

 

Und am Ende meines Lebens, denke ich, steht dann die Erfahrung: Ich bin wieder dort gelandet, wo ich herkomme. Ich bin mit der Schöpfung, dem großen Ganzen verbunden.


Können wir unsere spirituelle Seite besser entfalten, wenn wir Ordnung in die anderen Bereiche bringen?


Unbedingt! Ich glaube, Ordnung und Spiritualität haben etwas miteinander zu tun. Das heißt nicht, dass nur penibel aufgeräumte Leute gläubige Leute sein können. Aber es war schon immer einfacher, wenn man eine äußere Ordnung hatte. Zum Beispiel eine Zeitordnung – deswegen gibt es im Kloster Gebetszeiten. Und eine sachliche Ordnung – deswegen war in den Klosterzellen nicht viel drin an Plunder.

 

Es geht darum, dass wir die Ordnung finden, die für uns passt.


Wenn man beim Ordnung-Machen ganz am Anfang steht und ein scheinbar undurchdringliches Chaos vor sich sieht, verliert man leicht den Mut.

 

Was raten Sie uns?


Mein wichtigster Rat ist: Fangen Sie klein an.

 

Schauen Sie nicht auf diese Riesenpyramide, auf das, was noch alles zu tun ist. Sondern räumen Sie eine ganz kleine Einheit auf. Einen Stiftebecher auf dem Schreibtisch, eine Schublade, die sie nervt, irgendein Fach im Regal.

 

Und räumen Sie nach der ganz einfachen Regel auf: Erst mal muss alles raus. Leeren Sie die Schublade komplett aus, sodass Sie das ganze Klump vor sich sehen. Putzen Sie die Schublade schön. Und dann erleben Sie das Wunder, dass Sie in diese Schublade nicht wieder alles so reintun werden wie vorher.

 

Sie werden merken, ganz vieles ist überflüssig und es sind Sachen dabei, die es gar nicht wert sind, in diese schöne, geputzte Schublade zu kommen.

 

Das ist das Grundprinzip vom Aufräumen. Und was im Kleinen gelingt, gelingt dann auch immer mehr im Größeren. Wir unterschätzen die Kraft der kleinen Schritte.