
Die 7 Gaben des Heiligen Geistes gehören zum festen Bestandteil jeder Firmvorbereitung. Es sind dies die Gaben der Weisheit, der Einsicht, des Rates, der Erkenntnis, der Stärke, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.
Als zweite der sieben Gaben des Heiligen Geistes wird die Einsicht genannt. Was ist damit jedoch gemeint? Wann ist ein Mensch einsichtig? Wenn er meine Meinung unhinterfragt übernimmt?
Was die Gabe der Einsicht wirklich meint, wird uns sehr schön von Paulus im ersten Korintherbrief dargelegt:
„ […] was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist.“ (1Kor 2,9-10)
Die Einsicht ist, wie das Wort schon sagt, die Gabe hinein-zu-sehen, also die Dinge so anzusehen wie Gott sie ansieht. Der Mensch kann von sich aus Dinge und Situationen mit Klugheit und Verstand betrachten, um sie jedoch in der Tiefe verstehen zu können bedürfen wir dieser Gabe.
Auch im Lukas Evangelium, beim sogenannten Emmausgang (Lk 24,13-27), wird die Wirkung der Gabe der Einsicht gut beschrieben. Zwei Jünger machen sich, verzweifelt und traurig über den Tod Jesu am Kreuz, auf den Weg in das Dorf Emmaus. Auf dem Weg begegnet ihnen der auferstandene Christus doch in ihrer tiefen Verzweiflung erkennen sie ihn nicht. Jesus erklärt ihnen jedoch anhand der Heiligen Schrift warum er leiden und sterben musste und weckt so wieder die Hoffnung in ihnen. Dies ist genau das, was der Heilige Geist mir uns macht. Er öffnet unseren Verstand, dass wir das Handeln und Wirken Gottes an uns besser verstehen können.
Die Gabe der Einsicht wird oftmals auch mit Verstand übersetzt. Dazu passt ganz gut das Gleichnis von Buridans Esel. Johannes Buridanus lebte als Philosoph und Schriftsteller im 14. Jahrhundert und gab folgendes Beispiel. Ein Esel steht zwischen zwei von ihm gleich weit entfernten Heuballen. Der Esel verhungert jedoch, da er sich nicht entscheiden kann, welchen der beiden Heuballen er zuerst fressen soll. Ohne Verstand kann es also leicht passieren, dass wir hin und her gerissen sind zwischen den vielen Dingen und Möglichkeiten in unserem Leben. Daher lohnt es sich durchaus um diesen zu bitten.
Auch König Salomon hat, als Gott ihm im Traum erlaubte eine Bitte zu äußern, um ein „hörendes Herz“ (1Kön 3,9) gebeten, woraufhin ihm Gott folgendes geantwortet hat:
„Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen.“ (1Kön 3,11f.)
Papst Franziskus meint dazu:
„Nachdem wir die Weisheit als erste der sieben Gaben des Heiligen Geistes in Augenschein genommen haben, möchte ich die Aufmerksamkeit heute der zweiten Gabe zuwenden: der Einsicht. Es handelt sich hier nicht um die menschliche Intelligenz, um die intellektuelle Fähigkeit, mit der wir mehr oder weniger begabt sein können. Sie ist vielmehr eine Gnade, die nur der Heilige Geist eingießen kann und die im Christen die Fähigkeit erweckt, über das Äußere der Wirklichkeit hinauszugehen und die Tiefen der Gedanken Gottes und seines Heilsplans zu ergründen.“ (Generalaudienz vom 30. April 2014)
Abschließend noch ein Hinweis auf eine Aussage des Schweizer Theologen Stefan Sigg zum Thema Heiliger Geist und die Gabe der Einsicht/des Verstandes: „Der Heilige Geist ist nicht wie Wikipedia: Er liefert uns nicht auf einen Klick Antworten auf alle Fragen. Aber wer den Heiligen Geist um Hilfe bittet, den wird er auf dem Weg zur gesuchten Antwort begleiten und führen, selbst wenn man dafür mal eine Bergwanderung in –Kauf nehmen muss.“ (Sigg Stefan, Funkenflug. 7x Zündstoff für dein Leben, Innsbruck 2015, S.87.)