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03.08.2025 · Kardinal · Gedanken zum Evangelium

Vom Besitz besessen

Mann schläft auf seinem Geld.

Jesus warnt uns alle davor, dass nicht der Besitz von uns Besitz ergreift, bis hin zur Gier nach Geld, zur Sucht nach Haben, zur Besessenheit vom Besitzenwollen.

Gedanken zum Evangelium, am Sonntag, 3. August 2025, von Kardinal Christoph Schönborn (Lukas 12,13-21).

Besitzen ist ein Grundrecht des Menschen. Das Wichtigste daran ist, dass wir uns selber gehören. Deshalb sagen wir von jemandem, er sei „im Vollbesitz seiner Kräfte“, wenn er selbstbestimmt leben kann. Besitzen bedeutet zudem, auch über Eigentum zu verfügen, also etwas zu haben, was uns gehört. Darum ist Diebstahl strafbar, weil der Dieb das Eigentum eines anderen ohne dessen Zustimmung an sich genommen hat. Bei Erbstreitigkeiten geht es meist um die Frage, ob das, worauf ich durch Erbschaft Anspruch habe, mir vorenthalten wird.

 

Glücklich die Familie, in der nicht über Erbschaften gestritten wird, zum Beispiel wenn es nichts oder kaum etwas zu vererben gibt oder wenn zwischen den Erben ein so gutes Einvernehmen besteht, dass es erst gar nicht zu Konflikten kommt. Beide Situationen konnte ich in meiner Familie dankbar erleben, weil durch die Vertreibung 1945 aus der alten Heimat Tschechien aller Besitz verloren ging und weil das, was nach dem Krieg wieder erworben wurde, auch friedlich aufgeteilt werden konnte.

 

Nicht so friedlich scheint die Situation der beiden Brüder im heutigen Evangelium zu sein. Der eine fühlt sich durch den anderen übervorteilt. Jesus, so hofft er, kann ihm zu seinem Recht verhelfen. Wer kennt nicht das Gefühl des ohnmächtigen Zorns, des tiefen Verletztseins, wenn er sich ungerecht behandelt, hintergangen und betrogen fühlt? Es ist ein Zeichen des Vertrauens, dass dieser Mann sich an Jesus wendet, der doch so viel Verständnis für den Kummer der Menschen hat. Ich bin sicher, dass viele Menschen, bis heute, Jesus in ähnlichen Situationen im Gebet um Hilfe bitten. Tun sie es zu Unrecht?

 

Jesus weist den Bittsteller harsch zurück. Stattdessen greift Jesus zu einer ernsten Warnung, die uns alle treffen soll: „Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier!“ War der Bruder habgierig, weil er seinen Anteil am Erbe haben wollte? Das sagt Jesus nicht. Er warnt uns alle davor, dass nicht der Besitz von uns Besitz ergreift, bis hin zur Gier nach Geld, zur Sucht nach Haben, zur Besessenheit vom Besitzenwollen.

 

Wie so oft erzählt Jesus eine Geschichte, ein Gleichnis. Es hört sich an wie eine Schilderung unserer Zeit. Der große Gott unserer Tage heißt Wirtschaftswachstum. Panik bricht aus, wenn die Wirtschaft in einem Jahr nur um ein bis zwei Prozent wächst oder gar schrumpft. Der Bauer des Gleichnisses erwartet ein großes Wachstum. Dazu braucht er größere Scheunen: die alten abreißen und neue bauen! Der größere Wohlstand, der damit erreicht werden soll, erlaubt ein bequemes Leben. Bei all dem wird an eines nicht gedacht: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.“


Doch zurück zum Anfang. Erbschaften gibt es normalerweise durch Todesfälle. Das hat zwei Folgen: Erstens können wir nichts mitnehmen. Alles bleibt zurück. Zweitens ist es gut und schön, wenn die nächste Generation etwas erben kann. Für beides gilt: Niemand besitzt nur für sich selber. Glücklich macht nur das, was bei Gott reich macht. Was das ist, darüber lässt Jesus uns alle selber nachdenken.

erstellt von: Kardinal Christoph Schönborn
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Lukas 12,13-21

In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen! Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt? Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.

 

Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast? So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.

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Viele erleben Weihnachten nicht als heiles, sondern als belastendes Fest. Konflikte, Trauer und Ängste treten zu den Feiertagen besonders stark auf. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für alle Sorgen und Nöte unter der Nummer 142 kostenlos erreichbar.

Zur Profanierung der Palottikirche

Ein Abschied, der schmerzt, führt zu einem Neuanfang: Die Erzdiözese Wien begleitet die Gemeinde nach der Profanierung der Pallottikirche und lädt alle herzlich ein, in der Pfarre Maria Hietzing eine neue, hoffnungsvolle Heimat zu finden und gemeinsam Kirche zu sein. 

Maria von Guadalupe

Antworten von Kardinal Christoph Schönborn in der Tageszeitung HEUTE am 12.12. 2025

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