Samstag 21. Februar 2026

Schnellsuche auf der Website

Heiliger Josef
Erzdiözese Wien/ Schönlaub Stephan, Stephan Schönlaub / Heiliger Josef
14.11.2025
Heilige & Selige

Heiliger Josef von Nazareth (19. März)

Josef von Nazareth – vom schweigsamen Gerechten zum Patron der Kirche: Zwischen biblischer Zurückhaltung und jahrhundertelanger Verehrung entfaltet sich das Bild eines Mannes, der nicht im Rampenlicht steht, aber Geschichte gemacht hat.

Die Evangelien berichten zurückhaltend von Josef. Zwei schwer kompatible Stammbäume finden wir von ihm, von vier entscheidenden Träumen Josefs wird berichtet. Eines der schönsten Zeugnisse über ihn finden wir bei Matthäus: dort wird er als „Gerechter“ bezeichnet, als einer also, der danach trachtete,in allem den Willen Gottes zu tun. Er spielt eine stets schweigsame aber tragende Rolle bei den Berichten über die Geburt und Kindheit Jesu. Nach der Erzählung vom Verschwinden und er Wiederauffindung des zwölfjährigen Jesus im Tempel kommt er aber nur mehr indirekt vor: Jesus gilt bei seinem öffentlichen Auftreten als „Sohn Josefs“ oder auch „Sohn des Zimmermanns.“

 

Josef ( יוֹסֵף ) -„Gott fügt hinzu“

Je sparsamer die Evangelien, umso blühender die spätere Tradition, die auch viele Künstler inspiriert hat. Josef erscheint da meist als alter, ehrwürdiger Greis mit langem Bart und einer Lilie als Zeichen der Keuschheit in der Hand. Josef mit verklärtem Blick und dem Jesuskind im Arm oder Josef auf dem Sterbebett von Maria und Jesus umgeben. So, oder so ähnlich wird der Zimmermann aus Nazareth meist dargestellt.

 

Kein alter Greis

„Einspruch“ meint Josef Grünwidl, in einem Gespräch 2021, als er noch Pfarrer von Perchtoldsdorf war. Josef von Nazareth sei kein ehrwürdiger Greis, der tugendsam mit verklärtem Blick im Abseits steht. In Josef sieht er vielmehr einen jungen, tatkräftigen Mann, der die Sorgen und Herausforderungen des Alltags im Vertrauen meistert, dass Gott das Nötige hinzufügt.

 

Das sage schon sein Name: Josef heißt übersetzt „Gott fügt hinzu“. So gesehen ist Josef einer, der sich nie in den Mittelpunkt drängt, aber immer auf dem Sprung ist, das zu tun, was er in seinem Gewissen - etwa in seinen Träumen - klar als Gottes Willen erkannt hat. In diesem Sinn ist Josef tatsächlich ein zeitloses Beispiel für Glaubende.

 

Der Heilige des Alltags

Ähnlich sah das auch Papst Franziskus. In seinem apostolischen Schreiben „Patris Corde“ (Mit väterlichem Herzen), mit dem er am 8. Dezember 2020 das Jahr zum Josefsjahr ausgerufen hat. Im Schreiben vergleicht der Papst die Gestalt des Zimmermanns aus Nazareth mit den vielen Menschen von nebenan, die erst im Zuge der Pandemie entdeckt wurden, weil sie unser Zusammenleben grundlegend sichern. Josef, so Papst Franziskus, ist der Heilige des Alltags, einer, der aufmerksam für die Weisung Gottes aufsteht und handelt.

 

„Geht zu Josef“

Eine besondere Rolle spielte die Gestalt Josefs in der Biographie einer der einflussreichsten spirituellen Lehrerinnen in der katholischen Tradition. Teresa von Avila, weihte nicht nur den Großteil ihrer Klöster dem Hl. Josef, sie ermutigte ihre Schwestern auch nachdrücklich, sich in allen Angelegenheiten der Fürsprache des Nährvaters und Beschützers Jesu anzuvertrauen. „Geht zu Josef!“, dieser der Geschichte Josefs, des Sohnes Jakobs entlehnte Satz, gab Theresa gern als Ratschlag. Er wurde übrigens auch zu einer Art katholischem „Bonmot“, das Geschichte machte. Man findet es nicht selten als Inschrift über Kapellen oder in der Nähe von Darstellung des Hl. Josef, häufig auch auf Latein: „Ite ad Joseph!“

 

Vor allem aber sieht ihn Teresa als einen sicheren Lehrer im kontemplativen Gebet. Der schweigsame Josef nimmt in der Stille aufmerksam die Wirklichkeit in den Blick und handelt im Vertrauen auf Gott. Genau das meint im Kern christliche Mystik, oder mit den Worten von Papst Franziskus:

„Hier geht es um jenen christlichen Realismus, der nichts von dem, was existiert, wegwirft …Der Glaube, den Christus uns gelehrt hat, ist der Glaube, den wir am heiligen Josef sehen, der nicht nach Abkürzungen sucht, sondern dem, was ihm widerfährt, „mit offenen Augen“ begegnet und persönlich Verantwortung übernimmt.“ (Patris Corde)

Christliche Mystik verweigert sich nicht der konkreten Wirklichkeit, im Gegenteil: Alles wird zu einer Gelegenheit, Gott zu begegnen.

 

Josef in der Geschichte

Während die Ostkirchen Josef seit der Antike im Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest besonders feiern, setzte sich seine Verehrung im Westen erst spät durch, etwa ab dem hohen Mittelalter. Vor allem der Franziskanerorden sorgte für die Popularität Josefs. Die ausgesprochen populären Predigten des Franziskaners Bernardin von Siena im 14. Jahrhundert begründeten die Verehrung Josefs, die sich auf die ganze Kirche ausbreitete. Diese steht im Zusammenhang der meditativen Reflexion des Lebens Jesu, die in erster Linie auf die franziskanische Bewegung zurückgeht. Josef spielt in diesem Nachdenken über das Leben Jesu eine entscheidende Rolle in den Jahrzehnten vor dessen öffentlichen Auftreten.

 

Seit 1445 wird sein Fest in der ganzen Kirche am 19. März gefeiert. Seit 1956 wird am 1. Mai zusätzlich der Gedenktag "Josefs, des Arbeiters" begangen. Pius XII führte ein weiteres Fest am 1. Mai ein, an dem Josef als Schutzpatron der Arbeiter gefeiert wird. Papst Johannes XXIII. erklärte ihn zum Patron des II. Vatikanums und fügte ihn in das eucharistische Hochgebet ein. Papst Benedikt XVI. erweiterte diese Einfügung auf alle Hochgebete des römischen Ritus. Die Päpste Leo XIII. und Johannes Paul II. widmeten ihm eigene Lehrschreiben. Und Papst Franziskus, der bewusst sein Amt im Jahr 2013 am 19. März, dem Gedenktag Josefs feierlich angetreten hat, machte kein großes Geheimnis aus seiner persönlichen Verehrung für den Heiligen Josef.

 

Patron der Kirche

Josef ist seit 1870 Patron der gesamten Kirche, zudem der Patron von Mexiko, den Philippinen, Kanada, Peru, Böhmen, der Steiermark, von Kärnten und Tirol. Außerdem ist er der Patron der Ehepaare und der Familien, der Kinder und Jugendlichen, der Erzieher, der Zimmerleute, Holzfäller, Tischler, Handwerker, Arbeiter, Ingenieure, und Schutzheiliger in Wohnungsnot, in Versuchungen und verzweifelten Lagen sowie für einen friedlichen Tod.

9 Tage Novene zum Heiligen Josef

Am 19. März ist das Hochfest des Hl. Josef. Papst Franziskus lud 2021 zum Gebet für Welt und Kirche ein. 

 

Novene - Tag 1

Wir wissen, dass er ein einfacher Zimmermann war, der Verlobte Marias; er war »gerecht«, allzeit bereit, Gottes Willen zu tun, der sich ihm im Gesetz und durch vier Träume kundtat. Nach einer langen und beschwerlichen Reise von Nazaret nach Betlehem war er zugegen, als der Messias in einem Stall geboren wurde, weil anderswo »kein Platz für sie war«. Er war Zeuge der Anbetung der Hirtenund der Sterndeuter, welche das Volk Israel bzw. die Heidenvölker repräsentierten.

Er hatte den Mut, vor dem Gesetz die Rolle des Vaters Jesu zu übernehmen, und er gab ihm den vom Engel geoffenbarten Namen: »Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen« .

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 2

 

Die Bedeutung des heiligen Josef besteht darin, dass er der Bräutigam Marias und der Nährvater Jesu war. Als solcher stellte er sich in den Dienst des »allgemeinen Erlösungswerks«, wie der heilige Johannes Chrysostomus sagt.

 

Der heilige Paul VI. stellt fest, dass seine Vaterschaft sich konkret darin ausdrückte, dass er »sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht hat; dass er die ihm rechtmäßig zustehende Autorität über die heilige Familie dazu benützt hat, um sich selbst, sein Leben und seine Arbeit ganz ihr hinzugeben; dass er seine menschliche Berufung zur familiären Liebe in die übermenschliche Darbringung seiner selbst, seines Herzens und aller Fähigkeiten verwandelt hat, in die Liebe, die er in den Dienst des seinem Haus entsprossenen Messias gestellt hat«

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 3

Jesus erlebte an Josef Gottes Barmherzigkeit: "Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten".

 

Sicher wird Josef in der Synagoge während des Psalmengebets wiederholt gehört haben, dass der Gott Israels ein barmherziger Gott ist, der gut zu allen ist und dessen Erbarmen über all seinen Werken waltet (vgl. Ps 145,9).

 

Die Heilsgeschichte erfüllt sich »gegen alle Hoffnung […] voll Hoffnung« (Röm 4,18) durch unsere Schwachheit hindurch. Allzu oft denken wir, dass Gott sich nur auf unsere guten und starken Seiten verlässt, während sich in Wirklichkeit die meisten seiner Pläne durch und trotz unserer Schwachheit realisieren. Eben das lässt den heiligen Paulus sagen: »Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet« (2 Kor 12,7-9).

 

Wenn dies die Perspektive der Heilsökonomie ist, müssen wir lernen, unsere Schwachheit mit tiefem Erbarmen anzunehmen.

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 4

Wir wissen, dass die Wahrheit, die von Gott kommt, uns nicht verurteilt, sondern aufnimmt, umarmt, unterstützt und vergibt. Die Wahrheit zeigt sich uns immer wie der barmherzige Vater im Gleichnis (vgl. Lk 15,11-32): Sie kommt uns entgegen, sie gibt uns unsere Würde zurück, sie richtet uns wieder auf, sie veranstaltet ein Fest für uns, denn »dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (V. 24).

 

Auch durch Josefs Besorgnis hindurch verwirklicht sich der Wille Gottes, seine Geschichte, sein Plan. So lehrt uns Josef, dass der Glaube an Gott auch bedeutet, daran zu glauben, dass dieser selbst durch unsere Ängste, unsere Zerbrechlichkeit und unsere Schwäche wirken kann. Und er lehrt uns, dass wir uns inmitten der Stürme des Lebens nicht davor fürchten müssen, das Ruder unseres Bootes Gott zu überlassen. Manchmal wollen wir alles kontrollieren, aber er hat alles wesentlich umfassender im Blick.

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 5

Wie Gott Maria seinen Heilsplan offenbarte, so offenbarte er ihn auch Josef; er tat dies durch Träume, die in der Bibel, wie bei allen alten Völkern, als einer der Wege angesehen wurden, durch die Gott seinen Willen kundtut.

 

Im ersten Traum hilft ihm der Engel, einen Ausweg aus seinem ernsten Dilemma zu finden: »Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen« . Unverzüglich erfolgte seine Antwort: »Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte«. Im Gehorsam überwand er sein Dilemma und rettete Maria.

 

Im zweiten Traum gebietet der Engel Josef: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten« . Josef gehorchte ohne zu zögern und ohne die Schwierigkeiten zu hinterfragen, auf die er stoßen würde: »Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes« .

 

In Ägypten wartete Josef zuversichtlich und geduldig mit der Rückkehr in sein Land, bis die versprochene Nachricht des Engels bei ihm eintraf. Als der göttliche Bote ihm in einem dritten Traum mitgeteilt hatte, dass diejenigen, die das Kind töten wollten, nun tot seien und ihm befohlen hatte, aufzustehen und das Kind und seine Mutter zu nehmen und in das Land Israel zurückzukehren, gehorchte er abermals ohne zu zögern: »Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel« ).

 

Als Josef aber auf der Rückreise »hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte« – und es ist dies das vierte Mal –, »zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder«

 

In jeder Lebenslage vermochte Josef, sein „fiat“ zu sprechen, wie Maria bei der Verkündigung und Jesus in Getsemani.

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 6

Oft geschehen in unserem Leben Dinge, deren Bedeutung wir nicht verstehen. Unsere erste Reaktion ist oft die der Enttäuschung und des Widerstandes. Josef lässt seine Überlegungen beiseite, um dem Raum zu geben, was geschieht. Wie rätselhaft es ihm auch erscheinen mag, er nimmt es an, übernimmt Verantwortung dafür und versöhnt sich mit seiner eigenen Geschichte. Wenn wir uns nicht mit unserer Geschichte versöhnen, werden wir auch nicht in der Lage sein, den nächsten Schritt zu tun, denn dann bleiben wir immer eine Geisel unserer Erwartungen und der daraus resultierenden Enttäuschungen.

 

Das geistliche Leben, das Josef uns zeigt, ist nicht ein Weg, der erklärt, sondern ein Weg, der annimmt. Nur von dieser Annahme her, von dieser Versöhnung her können wir auch eine größere Geschichte, einen tieferen Sinn erahnen. Es scheint wie ein Widerhall der leidenschaftlichen Worte Ijobs, der auf die Forderung seiner Frau, sich gegen all das Böse aufzulehnen, das ihm widerfährt, antwortet: »Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?« (Ijob 2,10).

 

Josef ist kein passiv resignierter Mann. Er ist ein mutiger und starker Protagonist. Die Fähigkeit, etwas annehmen zu können, ist eine Weise, wie sich die Gabe der Stärke, die vom Heiligen Geist kommt, in unserem Leben offenbart. Nur der Herr kann uns die Kraft geben, das Leben so anzunehmen, wie es ist, und selbst dem, was darin widersprüchlich, unerwartet oder enttäuschend ist, Raum zu geben.

 

Jesu Kommen in unsere Mitte ist ein Geschenk des Vaters, auf dass ein jeder sich mit seiner konkreten eigenen Geschichte versöhnen möge, auch wenn er sie nicht ganz versteht.

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 7

Das, was Gott zu unserem Heiligen gesagt hat: »Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht« , scheint er auch uns zu sagen: „Fürchtet euch nicht!“ Wir müssen unseren Ärger und unsere Enttäuschung ablegen und ohne weltliche Resignation, sondern mit hoffnungsvoller Kraft Platz machen für das, was wir nicht gewählt haben und was doch existiert. Das Leben auf diese Weise anzunehmen führt uns zu einem verborgenen Sinn. Das Leben eines jeden von uns kann auf wundersame Weise neu beginnen, wenn wir den Mut finden, es gemäß den Weisungen des Evangeliums zu leben. Und es spielt keine Rolle, ob alles schief gelaufen zu sein scheint und ob einige Dinge mittlerweile nicht mehr rückgängig zu machen sind. Gott kann Blumen zwischen den Felsen sprießen lassen. Auch wenn unser Herz uns verurteilt, Gott ist größer als unser Herz und er weiß alles.

 

Hier geht es wieder um jenen christlichen Realismus, der nichts von dem, was existiert, wegwirft. In ihrer geheimnisvollen Unergründlichkeit und Vielschichtigkeit ist die Wirklichkeit Trägerin eines Sinns der Existenz mit ihren Lichtern und ihren Schatten. Deswegen kann der Apostel Paulus sagen: »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht« (Röm 8,28). Und der heilige Augustinus fügt hinzu: »Auch das, was böse heißt «.In dieser Gesamtperspektive gibt der Glaube jedem glücklichen oder traurigen Ereignis einen Sinn.

 

Es liegt uns fern, zu meinen, „glauben“ bedeute, einfache vertröstende Lösungen zu finden. Der Glaube, den Christus uns gelehrt hat, ist vielmehr der Glaube, den wir am heiligen Josef sehen, der nicht nach Abkürzungen sucht, sondern dem, was ihm widerfährt, „mit offenen Augen“ begegnet und persönlich Verantwortung übernimmt.

 

Die Annahmebereitschaft Josefs lädt uns ein, andere nicht auszuschließen, sondern sie so anzunehmen, wie sie sind, besonders die Schwachen, denn Gott erwählt das Schwache  er ist ein »Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen« und gebietet uns, die Fremden zu lieben. Gerne stelle ich mir vor, dass die Haltung Josefs Jesus zum Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater inspiriert hat.

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

Novene - Tag 8

Wenn Gott uns manchmal nicht zu helfen scheint, bedeutet das nicht, dass er uns im Stich gelassen hat, sondern dass er auf uns vertraut und auf das, was wir planen, entwickeln und finden können.

 

Hierbei handelt es sich um denselben kreativen Mut, den die Freunde des Gelähmten bewiesen, als sie ihn, um ihn zu Jesus zu bringen, vom Dach herabließen. Die Kühnheit und Hartnäckigkeit dieser Freunde war durch keine Schwierigkeit aufzuhalten. Sie waren überzeugt, dass Jesus den Kranken heilen konnte. »Weil es ihnen aber wegen der Volksmenge nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach und ließen ihn durch die Ziegel auf dem Bett hinunter in die Mitte vor Jesus hin. Als er ihren Glauben sah, sagte er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben«. Jesus erkennt den einfallsreichen Glauben, mit dem diese Männer versuchen, ihren kranken Freund zu ihm zu bringen.

 

Das Evangelium gibt keine Auskunft über die Zeit, in der sich Maria und Josef und das Kind in Ägypten aufhielten. Sicherlich aber mussten sie essen, eine Bleibe und Arbeit finden. Es braucht nicht viel Phantasie, um das diesbezügliche Schweigen des Evangeliums zu füllen. Die Heilige Familie musste sich konkreten Problemen stellen wie alle anderen Familien, wie viele unserer Brüder und Schwestern Migranten, die auch heute noch aufgrund von Not und Hunger gezwungen sind, ihr Leben zu riskieren. In diesem Sinne glaube ich, dass der heilige Josef in der Tat ein besonderer Schutzpatron für all jene ist, die wegen Krieg, Hass, Verfolgung und Elend ihr Land verlassen müssen.

 

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.

 

(Papst Franziskus "Patris Corde")

 

Novene - Tag 9

In seinem Buch Der Schatten des Vaters erzählte der polnische Schriftsteller Jan Dobraczyński in Romanform das Leben des heiligen Josef. Mit dem eindrucksvollen Bild des Schattens umreißt er die Gestalt Josefs, der in Bezug auf Jesus der irdische Schatten des himmlischen Vaters ist. Er behütet und beschützt ihn, er weicht nicht von ihm und folgt seinen Schritten. Denken wir an das, was Mose dem Volk Israel in Erinnerung ruft: »In der Wüste [...] hat der Herr, dein Gott, dich auf dem ganzen Weg […] getragen, wie ein Mann sein Kind trägt« . So hat Josef sein ganzes Leben lang die Vaterschaft ausgeübt.

 

Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man. Und man wird zum Vater nicht einfach dadurch, dass man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, dass man sich verantwortungsvoll um es kümmert. Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übt er ihm gegenüber in einem gewissem Sinne Vaterschaft aus.

 

In der Gesellschaft unserer Zeit scheinen die Kinder oft vaterlos zu sein. Auch die Kirche von heute braucht Väter. Die Mahnung, die der heilige Paulus an die Korinther richtet, bleibt immer aktuell: »Hättet ihr nämlich auch unzählige Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter«; und jeder Priester oder Bischof sollte wie der Apostel hinzufügen können: »In Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt« . Und zu den Galatern sagt Paulus: »Meine Kinder, für die ich von Neuem Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt annimmt«.

 

Vater zu sein bedeutet, das Kind an die Erfahrung des Lebens, an die Wirklichkeit heranzuführen. Nicht, um es festzuhalten, nicht, um es einzusperren, nicht, um es zu besitzen, sondern um es zu Entscheidungen, zur Freiheit, zum Aufbruch zu befähigen.

 

...Seit mehr als vierzig Jahren bete ich jeden Tag nach den Laudes ein Gebet zum heiligen Josef, das einem französischen Andachtsbuch der Kongregation der Barmherzigen Schwestern von Jesus und Maria aus dem 19. Jahrhundert entnommen ist. Dieses Gebet bringt dem heiligen Josef Verehrung und Vertrauen entgegen, fordert ihn aber auch ein wenig heraus:

 

"Heiliger Josef, glorreicher Patriarch, der du das Unmögliche möglich machen kannst, komm mir in meiner Not und Bedrängnis zu Hilfe.

Gewähre in den ernsten und schwierigen Anliegen, die ich dir anvertraue, deinen Schutz, sodass alles ein glückliches Ende nimmt.

Mein geliebter Vater, ich setze mein ganzes Vertrauen in dich.

Niemand soll sagen können, er habe dich vergeblich angerufen, und da du bei Jesus und Maria alles erwirken kannst, lass mich erfahren, dass deine Güte ebenso groß ist wie deine Macht. Amen."

Mehr erfahren
Heilige & Selige