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Thomas von Aquin / Gemälde von Carlo Crivelli
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13.11.2025
Heilige & Selige

Heiliger Thomas von Aquin (28. Jänner)

Thomas von Aquin, ein mittelalterlicher Dominikaner und Theologe, dessen Aufgeschlossenheit und Mut auch heute dazu inspirieren, Glaube immer neu verständlich zu machen.

Als um das Jahr 1225 auf der Burg Roccasecca, unweit von Neapel, Thomas, der siebte Sohn des Grafen von Aquino geboren wurde, war für seine Familie bereits klar, was aus dem jüngsten Spross einmal werden sollte. Sein Onkel, der Benediktiner Abt auf dem Montecassino brauchte früher oder später einen würdigen Nachfolger. So kam der fünfjährige Thomas als Oblate in die Abtei und wurde als Jugendlicher zum Studium nach Neapel gesandt.

 

Dort nahm der Weg des Thomas eine entscheidende Wendung. Er wurde mit den muslimischen Philosophen Averroes und Avicenna und durch sie mit der Philosophie des Aristoteles vertraut. Vor allem aber lernte er den gerade aufblühenden Predigerorden kennen. Gegen den massiven Widerstand der Familie, die auch nicht davor zurückschreckte, ihn zu kidnappen, um ihn mit Gewalt vom Eintritt in den Dominikanerorden abzuhalten, gelang es ihm schließlich, in den Orden aufgenommen zu werden.

 

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Dominikaner gegen jeden Widerstand

Im Pariser Kloster Saint Jacques wurde er Schüler des Universalgelehrten Albertus Magnus, dem er nach Köln folgte. Wider zurück in Paris war er bereits Lehrer der jungen Dominikanermönche. Er entwickelte die Theologie auf Grundlage der aristotelischen Philosophie, was damals kein geringes Risiko war. Galt doch Augustinus und mit ihm die neuplatonische Philosophie seit Jahrhunderten als Garant des rechten Glaubens. Die bloße Beschäftigung mit Aristoteles hatte den Geruch der Ketzerei.

 

Thomas, der einerseits mit einer stattlichen Erscheinung, zugleich aber als wortkarg und introvertiert beschrieben wird, ging unbeirrt eigene Wege, was ihm den wenig liebevollen Beinamen „der stumme Ochse“ eintrug. Als Vortragender, noch mehr aber als Verfasser umfangreicher philosophischer und theologischer Werke, war er zweifellos ein Genie und hinterließ in der akademischen und kirchlichen Welt bis heute großen Eindruck.

 

Vertrauen in den Verstand des Menschen

Er zeichnete sich durch zwei wichtige Grundsätze aus. Wie schon sein Lehrer Albertus Magnus, war er ein weltoffener Denker. Daraus folgte, dass er auch dem menschlichen Verstand und der Erkenntnisfähigkeit zutraute, Theologie von Grund auf neu zu denken.

 

Seine Werke durchzieht eine systematische Auseinandersetzung mit kontroversen Positionen, mit denen er sich gründlich auseinandersetzt, um schließlich eine schlüssige These zu formulieren. Bei der Darstellung der gegnerischen These geht er dabei so gründlich und sachlich vor, dass ihm seine Gegner respektvoll zugestehen, keiner habe ihre Position je so exakt und umfassend dargelegt, wie Thomas.

 

Zeitgenossen berichten, dass er oft bis zu fünf Sekretären gleichzeitig je ein Werk diktierte. Nur so ist auch der gewaltige Umfang seiner Werke erklärbar. Als Dominikaner war er zudem an vielen verschiedenen Orten in Frankreich und Italien tätig, die er den Regeln seines Ordens entsprechend ausschließlich zu Fuß erreichte.

 

Auch wenn Thomas von seinen Zeitgenossen höchster Respekt entgegengebracht wurde, war es zu seinen Lebzeiten noch nicht absehbar, wie prägend seine Arbeit für die Jahrhunderte nach ihm wurden. Im Gegenteil, nach seinem Tod, setzten die Vertreter der „alten Schule“ kurzzeitig ein Verbot seiner Lehre durch, das sich aber nicht halten ließ.

 

Thomas war bis ins zwanzigste Jahrhundert die theologische Autorität der katholischen Kirche schlechthin und bis heute kommt man in der Theologie nicht umhin, sich mit ihm auseinanderzusetzen.

 

Thomas von Aquin prägt die Kirche bis heute

Ein Beispiel: Das Eucharistieverständnis der katholischen Kirche ist ohne die philosophische und theologische Arbeit von Thomas gar nicht denkbar. Die Lehre von der Transsubstantiation, der Wandlung der eucharistischen Gestalten, wurde erst von Thomas erarbeitet und formuliert. Zugleich ist die Eucharistie ein Beispiel dafür, wie sich bei ihm Verstand und Mystik ergänzen. Die liturgischen Texte des Fronleichnamsfestes stammen alle von Thomas von Aquin. Die Hymnen „Adoro te devote“, „Lauda Sion Salvatorem“, oder des „Pange linqua“ gehören bis heute zum Grundbestand der katholischen Eucharistie Gebete und zeugen von der tiefen Frömmigkeit des „engelsgleichen Lehrers“, wie er nach seinem Tod genannt wurde.

Für das Leben der Ordensgemeinschaften und der Kirche insgesamt war seine theologische Rechtfertigung der jungen und umstrittenen Bettelorden von entscheidender Bedeutung.

 

Eine Vision beendet Thomas von Aquins Lehrtätigkeit

Gegen Ende seines Lebens beendete er nach der Messfeier am Tag des hl. Nikolaus aufgrund einer Vision abrupt seine Lehrtätigkeit. Alles, so wird er zitiert, was er je geschrieben habe, erscheine ihm wie Stroh im Vergleich zu dem, was er eben geschaut habe. Tatsächlich ist ab diesem Tag bis zu seinem Tod nur mehr ein Brief von ihm an den Abt von Montecassino bekannt.

 

Thomas starb knapp fünfzigjährig am 7. März 1274 auf der Reise zum Konzil von Lyon in der Zisterzienserabtei Fossanova bei Neapel. Sein Leichnam wurde am 28. Jänner 1369 in die Dominikanerkirche von Saint Jacques in Toulouse überführt. Auf dieses Ereignis geht auch sein liturgischer Gedenktag zurück. 

 

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