Am 29. Oktober 1942 wird die Wiener Ordensfrau, Sr. M. Restituta Kafka wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tod verurteilt. Die Kirche von Wien und die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von der Göttlichen Liebe gedenkt dieser Märyrerin jährlich an diesem Tag.
Helene Kafka wird am 1. Mai 1894 im mährischen Husovice (Hussowitz) bei Brünn geboren und kommt im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie nach Wien- Brigittenau.
Sie arbeitet zunächst als Hilfspflegerin im Krankenhaus Lainz, ehe sie im Alter von 19 Jahren bei den Franziskanerinnen der christlichen Liebe ("Hartmannschwestern") eintritt, wo sie den Ordensnamen "Maria Restituta" erhält. Nach dem Ersten Weltkrieg kommt sie als Krankenschwester ins Krankenhaus Mödling und wird dort allseits geachtete, leitenden Operationsschwester.
Auch das Krankenhaus Mödling bleibt durch den Anschluss 1938 nicht von NS-Maßnahmen verschont. Schwester Restituta weigert sich, Kruzifixe aus den Krankenzimmern zu entfernen. Dieser Umstand und zwei von ihr verfasste regimekritische Texte werden ihr zum Verhängnis.
Sie wird am 18. Februar 1942 direkt im Operationssaal von der Gestapo verhaftet und am 29. Oktober 1942 wegen "Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" zum Tode verurteilt. Fast ein halbes Jahr verbringt sie in der Todeszelle.Wenige Tage nach ihrem Todesurteil, am Allerheiligenfest 1942 schreibt Sr. Restituta an ihre Oberin:
Nach meiner Verurteilung der erste, vielleicht auch letzte Brief. Meine gute Sr. Oberin, wie der Urteilsspruch lautet, wisst Ihr ja alle, da Sr. Lon- gina und Asella sowie Vally und Anny bei der Verhandlung zugegen waren und Euch sicher davon verständigt haben.
Meine gute Sr. Oberin, wohl tut es mir von Herzen leid, dass ich Ihnen sowie allen Schwestern solches Leid zufüge, doch kränkt Euch nicht, denn was Gott tut, ist wohlgetan. Ich selbst fühle mich keiner Schuld bewusst, und muss ich mein Leben lassen, so bringe ich gerne das Opfer, denn so hoffe ich, dass ich gnädige Aufnahme bei meinem Heiland finde. Heute, am Fest Allerheiligen, an welchem mich mein Heiland jene herrlichen Wunder betrachten lässt, bitte ich meinen Heiland, auch mich bald in diese Scharen einzureihen(....)Allen habe ich von Herzen verziehen, die zu meiner Verurteilung beigetragen haben (...); möge mir der liebe Gott dafür Seelen schenken. Bitte tragt niemandem etwas nach, sondern verzeiht allen von Herzen, wie auch ich es tue(...)Meine liebe Sr. Oberin, grüßen Sie bitte alle meine lieben Bekannten, sie sollen nicht weinen, sondern beten für mich, besonders Sr. Agnes mit ihren lieben Schwestern. Ihr und allen ein inniges „Vergelt’s Gott“ (...), alle Namen ist mir nicht möglich aufzuschreiben, da es mir an Papier fehlt, aber niemanden vergesse ich und bitte, auch mich nicht zu vergessen.
Am 30. März 1943 wird sie im Wiener Landesgericht enthauptet. Der Redemptorist und Gefängnisseelsorger P. Johann Ivanek feiert mit ihr an diesem Tag in ihrer Zelle noch eine "letzte Erneuerung der Ordensgelübde" und begleitet sie anschließend zur Guillotine. P. Ivanek berichtet in einem Brief an die Generaloberin der Hartmannschwestern von den letzten Stunden im Leben Restitua Kafkas:
Sr. Restituta hat mit lauter Stimme ihre Professformel gebetet und nachher mit eigenen Worten für die Bekehrung der Feinde des Gottesreiches gebetet. Dieses
Flehen dauerte eine geraume Zeit, und dann empfing sie ihren göttlichen Bräutigam unter der Gestalt des Brotes.
Erst nach Empfang des päpstlichen Segens sprach ich mit ihr. Sie äußerte ihre Freude, dass sie noch einen Pater von Maria Stiegen getroffen habe. In ihren jungen Jahren sei sie gerne in unsere Kirche gekommen. Auch gab sie mir Grüße für ihre Mitschwestern im Kloster auf. (Das hat ja Hochw. Herr Köck ohnehin amtlich ausgerichtet; ich musste ja über alles Schweigen beobachten, denn sonst
hätten ja die nachfolgenden Todeskandidaten vielleicht keinen Priester in ihrer Muttersprache bekommen.)
Zuletzt bat sie mich, ich möge für sie beten, damit ihr kein langes Fegefeuer beschieden sei. - Spontan gab ich ihr zur Antwort: „Sie brauchen ohnehin nicht hinein! Denn Sie haben ja nichts mehr als das Leben. Opfern Sie das aus Liebe zu Gott, dann geht’s gleich in den Himmel!“ - Damit war sie sichtlich zufrieden...Es war die letzte Stunde, da musste ich nun meine Pflegebefohlenen aufsuchen, um mit ihnen zu reden und zu beten und sie am letzten Weg zur Guillotine zu begleiten. Als die Frauen zur Hinrichtung geführt wurden, blieb ich, da ich unterdessen Pause hatte, auf dem Gange stehen, um von der Schw. Restituta Abschied zu nehmen. Oberpfarrer Köck war ihr Seelsorger. Als die Schwester mich sah, bat sie: „Hochwürden, machen Sie mir das Kreuzerl auf die Stirne!“ Das tat ich; dann wurde sie vor’s Hochgericht geführt: Einige Sekunden - und der schwere, dumpfe Schlag des Fallbeiles sagte uns, dass der Himmel wieder um eine gottliebende Seele reicher war. - Nachher wurden die Hingerichteten gleich von uns eingesegnet, während der Scharfrichter die Guillotine neben uns vom Blute reinigte. (Zum gesamten Text )
Die Bitte ihrer Ordensgemeinschaft, den Leichnam in einem ordenseigenen Grab zu bestatten, wird von den NS-Behörden verweigert. Sr. Restituta wird, wie etwa 2.700 andere Personen, anonym in der sogenannten 40er-Gruppe des Wiener Zentralfriedhofs verscharrt.
Der Hl. Johannes Paul II nimmt sie am 21. Juni 1998 auf dem Wiener Heldenplatz gemeinsam mit den Ordenspriestern Jakob Kern und Anton Maria Schwarz in das Verzeichnis der Seligen auf und bestimmt den 29.Oktober als ihren liturgischen Gedenktag.
Eine ausführliche Dokumentation von Leben, Wirken und Tod der Wiener Märtyrerin finden Sie auf Restituta.at.