Das erste Buch der Könige berichtet ab dem 17. Kapitel über einen Propheten aus Thischbe in Gilead, einem Gebiet östlich des Jordan. Sein Name ist Programm: Elija bedeutet Mein Gott ist JHWH. Er stellt sich vehement gegen König Ahab, der unter dem Einfluss seiner Frau Isebel den Glauben Israels zugunsten des heidnischen Baalskultes aufgegeben hatte.
Die eindrucksvollen Szenen aus dem Leben Elijas, etwa seine Begegnung mit der Witwe von Sarepta, sein Kampf mit den Baalspriestern am Karmel, seine Gottesbegegnung am Horeb gipfeln in der Entrückung des Propheten im Feuerwagen. Durch all diese Erzählungen zieht sich die intensive Gotteserfahrung dieses Mannes, die ihn in den drei monotheistischen Religionen bis heute zu einer der populärsten Gestalten macht.
Elija in Christentum, Judentum und Islam
Elija wird im Alten und Neuen Testament häufig in Zusammenhang mit der Endzeit erwähnt. Im Judentum wird Elija bis heute als Wegbereiter des Messias erwartet. Zu den wichtigen Festen, vor allem zu Pessach, spielt er eine besondere Rolle. Im Koran wird er gerühmt wegen seines entschlossenen Eintritts für den einen Gott und dementsprechend verehrt.
Im Neuen Testament bestätigt Jesus die Vermutung seiner Jünger, Johannes der Täufer könnte in Wirklichkeit mit Elija identisch sein, indem er dessen Kommen allerdings neu deutet (Mk 9.13): „Ich sage euch: Elija ist schon gekommen, doch sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten, wie es in der Schrift steht.“
Die Rolle Elijas in der christlichen Spiritualität
In der Geschichte des Christentums spielt Elija schon aufgrund des neutestamentlichen Zeugnisses eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit Mose ist er Zeuge der Selbstoffenbarung Jesu bei der Verklärung am Tabor. Vor allem wird er als Urbild des christlichen Mönchtums gesehen. Die Ikonografie der Ostkirche stellt ihn bevorzugt als Einsiedler vor einer Höhle dar.
In der katholischen Kirche führt sich der einzige im Heiligen Land entstandene Orden der Karmeliten und Karmelitinnen auf Elija zurück. Der Leitspruch des Ordens „Es lebt der Herr, vor dessen Angesicht ich stehe“ entspricht dem ersten Satz, den das 17. Kapitel des ersten Buchs der Könige von ihm überliefert. Dieser Satz ist zugleich Programm christlicher Kontemplation: der Mönch, die Nonne steht stellvertretend für alle vor dem lebendigen Gott. Elija wird so zum Urbild des Kontemplativen.
Elija - Einheit in der Vielfalt
In Mitteleuropa ist die Verehrung von Elias weder in der Liturgie noch in der Volksfrömmigkeit bekannt. Ganz anders in den Ostkirchen. Dort gilt sein Gedenktag als hoher Festtag und steht, auch zeitlich, in Verbindung mit dem Fest der Verklärung Christi.
Eine Besonderheit stellt in diesem Zusammenhang Südosteuropa dar: Elija ist seit Jahrhunderten Schutzpatron der bosnischen Katholiken, insbesondere der Erzdiözese Sarajevo. In diesem vom Zusammenleben vieler Religionen und Konfessionen geprägten Land, steht Elija - oder wie er dort genannt wird „Sveti Ilija“ - als Garant für ein Miteinander bei aller Verschiedenheit in einer plural religiösen Gesellschaft. Er ist auch Patron zahlreicher Pfarren und Dörfer in Bosnien und in Dalmatien.
Die gemeinsamen Wurzeln
In einer zunehmend bunten religiösen Gesellschaft könnte das liturgische Gedenken verbindender Gestalten wie Elija, Elischa, aber auch Abraham, Isaak, Jakob, Sara, Deborah, Lea, Mose, Aaron, Mirjam, usw. Anknüpfungspunkte während des Jahres finden, der zumindest die großen christlichen Traditionen, vor allem aber die drei monotheistischen Religionen an ihre gemeinsamen Werte und Ursprünge und Werte erinnern. Der Wunsch, der von verschiedenen Seiten dazu immer wieder auftaucht, hat sich in Südosteuropa durchaus längst bewährt. Auch daran erinnert uns Elija.