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Pater Karl Rahner
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06.01.2026
Vorbilder

Pater Karl Rahner

"Auf dem Zweiten Vatikanum hat sich Rahner bis zur Erschöpfung verausgabt. Er hat dabei nicht eifersüchtig auf sein Copyright geschielt, sondern sich in den Dienst der Sache gestellt und Bischöfen – nicht nur Kardinal König – zugearbeitet. Diese Art von Selbstlosigkeit bewundere ich. Heute muss man sich ständig beweisen. Dabei kann die Frage nach Gott verlorengehen", so Pater Andreas Batlogg.

Interview mit P. Andreas Batlogg SJ über den Jesuitentheologen P. Karl Rahner.

 

Warum ist es um P. Karl Rahner SJ still geworden?

Batlogg: Vielleicht ist er im Moment vordergründig nicht so gefragt. Er ist 1984 verstorben, also vor über 25 Jahren. Ein Augustinus oder ein Thomas von Aquin waren auch nicht jederzeit in aller Munde. Karl Rahner ist dennoch für Theologie und Kirche unverzichtbar.

Was kann von Karl Rahner heute gelernt werden?

Batlogg: Pater Rahner hat radikal die Frage nach Gott gestellt. Akademische Theologie ist ebenso wie der kirchliche Betrieb in Gefahr, zu einer Selbstbeschäftigung, einem Glasperlenspiel zu werden.

 

Das hat auch mit Eitelkeit zu tun. Auf dem Zweiten Vatikanum hat sich Rahner bis zur Erschöpfung verausgabt. Er hat dabei nicht eifersüchtig auf sein Copyright geschielt, sondern sich in den Dienst der Sache gestellt und Bischöfen – nicht nur Kardinal König – zugearbeitet. Diese Art von Selbstlosigkeit bewundere ich. Heute muss man sich ständig beweisen. Dabei kann die Frage nach Gott verlorengehen.

„Die religiöse Anlage des Menschen ist unausrottbar“, sagte Rahner 1954. Welche Chancen sah Rahner für das Christentum?

Batlogg: Aus einem „Nachwuchschristentum“ wird ein „Wahlchristentum“. Das sah Rahner klar voraus. Es genügt nicht, einmal von den Eltern zur Taufe getragen worden zu sein. Dass Christen eine Minderheit werden, zeichnete sich schon damals ab.

 

Aber Rahner hat sich gegen die Ideologie der „kleinen Herde“ gewendet, die ausgrenzt oder sich elitär als etwas Besseres vorkommt. Das nannte er Ghetto-Katholizismus. Er war von der Gottbegabung und Gottfähigkeit des Menschen überzeugt.

 

In „Hörer des Wortes“ und „Geist in Welt“ hat er eine entsprechende theologische Anthropologie vorgelegt. „Das Christentum hat seine Chance mehr denn je“: Rahner glaubte an die innerweltliche Erkennbarkeit dieser Chance. Christen hoffen gegen alle Hoffnung.Anderseits kommt es mehr als früher, als homogene Milieus den einzelnen tragen konnten, auf den selbstbewussten Glauben des einzelnen an. Wir können uns in Strukturfragen aufreiben, aber die Gottesfrage bleibt.

 

Um ein oft verzerrt wiedergegebenes Rahner-Wort zu nehmen: „Der Fromme von morgen wird ein ,Mystiker‘ sein, einer, der etwas ,erfahren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein.“

 

Es klingt etwas brutal: Aber Glauben hat nicht in erster Linie mit einer Art „Dressur für das religiös Institutionelle“ zu tun, sondern mit der Sehnsucht, Gott wirklich und wirksam zu erfahren. Dafür braucht es glaubwürdige Zeugen und Mystagogen wie Karl Rahner: Frauen und Männer, die in diese Erfahrung einweisen und dazu anleiten können, wie das in Exerzitien geschieht.

Die „Gesammelten Werke“ Rahners umfassen 32 Bände. Welches Buch von/über Karl Rahner empfehlen Sie als Einstiegslektüre?

Batlogg: Wer Rahner noch nicht kennt, fängt am besten mit geistlichen Schriften an, vielleicht mit Band 29. Oder mit Band 28 „Christentum in Gesellschaft“, der Texte zur Pastoral, zur Jugend (etwa „Mein Problem“) und zur christlichen Weltgestaltung enthält.

 

Rahner hat Theologie nicht nur für Theologen betrieben. In einigen Monaten wird Band 7 „Der betende Christ“ erscheinen. Dort sind die Klassiker „Worte ins Schweigen“ und „Von der Not und dem Segen des Gebetes“ abgedruckt – spirituelle Texte mit einer unglaublich dichten, oft versteckten theologischen Potenz.

 

Diese Best- und Longseller haben Generationen von Menschen geholfen, sich ihre Glaubensfragen nicht wegreden zu lassen.

Weitere Informationen:

 

Lebenslauf

Karl Rahner, geboren am 5. März 1904 in Freiburg in Breisgau, gestorben am 30. März 1984 in Innsbruck. Der Jesuit Karl Rahner, Vertreter der kerygmatischen Theologie, zählt zu den großen deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts. Er arbeitete als Sachverständiger am II. Vatikanischen Konzil mit. Im Mittelpunkt seiner Werke steht eine Theologie der Gnade. Gnade ist nicht "geschaffene Gnade" sondern Gott in seiner Selbstmitteilung. Die Erfahrung der Gnade ist Kern des Christentums und Heilswirklichkeit. Karl Rahner auf Wikipedia

Karl Rahner - Sämtliche Werke

Geistliche Schriften - Späte Beiträge zur Praxis des Glaubens
2007, Verlag Herder
Auflage: 1., Aufl.
Sonstige Form der Anpassung Herbert Vorgrimler
Fester Einband
XXVI, 507 Seiten
ISBN: 978-3-451-23729-4

Dieses Buch online bei der Wiener Dombuchhandlung "Facultas" erstehen.

 

Christentum in GesellschaftSchriften zur Pastoral, zur Jugend und zur christlichen Weltgestaltung
2010, Verlag Herder
Auflage: 1., Aufl.
Bearbeitet von Andreas R. Batlogg; Walter Schmolly
Fester Einband
LXIII, 910 Seiten
ISBN: 978-3-451-23728-7

Dieses Buch online bei der Wiener Dombuchhandlung "Facultas" erstehen.

 

Hörer des WortesSchriften zur Religionsphilosophie und zur Grundlegung der Theologie
1997, Verlag Herder
Auflage: 1., Aufl.
Sonstige Form der Anpassung Albert Raffelt
Fester Einband
XXXVIII, 634 Seiten
ISBN: 978-3-451-23704-1

Dieses Buch online bei der Wiener Dombuchhandlung "Facultas" erstehen.

 

Geist in Welt - Philosophische Schriften. Bearb. v. Albert Raffelt
1996, Verlag Herder
Auflage: 1., Aufl.
Sonstige Form der Anpassung Albert Raffelt
Fester Einband
XXXVII, 503 Seiten
ISBN: 978-3-451-23708-9

Dieses Buch online bei der Wiener Dombuchhandlung "Facultas" erstehen.

 

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